Geburtsvorbereitung für Männer

Wie Du den „Elternschock“ vermeidest

Neun Monate hast Du Dich auf Dein Kind gefreut. Die Geburt war ein bewegendes Ereignis und die Tage darauf hast Du es kaum geschafft Dein Glück zu fassen.

Jetzt ist es endlich so weit. Du kannst Deine kleine Familie endlich mit nach Hause nehmen.

Doch dann das.

Panik kommt in Euch auf.

Jetzt wird es ernst. Ihr verlasst das Krankenhaus und damit einen behüteten Raum voller Experten und Fachkräfte, die sich mit Babies auskennen. Ab jetzt seid Ihr auf Euch gestellt.

Dass die ersten Tage mit Baby zuhause an den Nerven nagt, ist keine unüblich Situation für frisch gebackene Eltern – es nennt sich: der Elternschock.

Bei mir kam der Moment, als ich Leopold in seinem Maxi-Cosi auf dem Rücksitz unseres Autos angeschnallt habe. Ich weiß noch wie langsam und vorsichtig ich die 15 km nach Hause gefahren bin. Auf dem Weg ins Krankenhaus haben wir 15 Minuten gebraucht. Der Heimweg hat sicher doppelt so lange gedauert.

die ersten tage mit baby zuhause können ganz schön stressen auch väter

Woher kommt der Elternschock?

Das Phänomen des „Elternschock“ ist ganz normal. In den Monaten der Schwangerschaft beschäftigt Ihr Euch eher theoretisch damit Eltern zu werden. Es gibt Kurse, Gesprächsrunden, Vorsorgetermine. Alles ganz nett und hilfreich.


Wie bereite ich mich auf die Geburt richtig vor?

Lerne wie Du Dich auf die Geburt vorbereitest, so dass Du der stabile Fels in der Brandung sein kannst, den Deine Frau braucht (+ die Geburt genießen kannst).


Nach der Geburt werdet Ihr im Krankenhaus rundherum versorgt. Die Schwestern bringen Euch das frisch gewickelte Kind zum Stillen und stehen 24 Stunden am Tag bei kleineren Unsicherheiten und Fragen mit Rat und Tat zur Seite.

Es ist alles wunderbar organisiert. Doch auf einmal werdet Ihr aus dem Krankenhaus entlassen und seid damit offiziell Eltern. Du bist jetzt für einen kleinen Menschen verantwortlich. Es fühlt sich an, als hätte Dir jemand einen 100 kg Rucksack auf die Schultern gelegt.

Wie die ersten Tage mit Baby zuhause nicht der totale Horror werden

Es ist zwar schon ein paar Jahre her aber ich weiß noch genau welche Gefühlsachterbahn sich in mir abspielte. Ich war auf der einen Seite total euphorisch und wusste gar nicht wohin mit meinem Glück. Auf der anderen Seite spielte sich ein dunkler Film vor meinen Augen ab. Was konnte alles schief gehen?

Ich befand mich definitiv ausserhalb meiner Komfortzone.

Wir haben es geschafft uns recht schnell mit unserer neuen Situation zu arrangieren und konnten unser junges Elternleben in vollen Zügen genießen. Dabei haben uns ein paar Dinge wirklich geholfen.

Gute Vorbereitung

Ich spreche zwar immer von „wir“ aber meine Frau trägt nicht ohne Grund den Spitznamen „Frau Planung“. Dank Ihr hatten wir uns schon früh im Vorfeld Gedanken gemacht, wie unser Elternleben aussehen wird.

die ersten tage mit baby zuhause brauchen eine gute vorbereitung

Wer übernimmt welche Dienste?

Wir haben uns erst einmal auf das Schlimmste gefasst gemacht und mit wenig Schlaf gerechnet. Daher haben wir überlegt, wie wir das mit den Nachtdiensten regeln können. Meine Frau ist abends immer super früh müde, während ich eher ein Nachtmensch bin. Da ich weiterhin berufstätig war und morgens früh raus musste, haben wir die Nacht in zwei Hälften aufgeteilt. Ich kümmere mich um die erste Hälfte der Nacht also bis ca. 0.00 Uhr, so dass meine Frau schon mal ein paar Stunden am Stück schlafen kann. Dann kümmert sie sich um die zweite Hälfte, so dass ich bis morgens durchschlafen kann.

Wie können wir die Aufgaben verteilen?

Wir haben von vielen Paaren gelesen und gehört, dass gerade die ersten Monate schwierig für die Partnerschaft von jungen Eltern sind. Daher waren wir vorgewarnt und haben uns überlegt wie wir die Aufgaben fair verteilen. Wir wollten sicher stellen, dass wir auch noch Zeit für einander haben.

Das war in der Praxis zugegeben nicht immer ganz so leicht, wie wir uns das gedacht haben. Unser Schlachtplan war, dass wir möglichst viel gemeinsam machen und uns gleichzeitig gegenseitig entlasten. Beispielsweise habe ich meine Frau beim Stillen unterstützt in dem ich mich um sie gekümmert habe, ihr zu Essen und trinken geholt oder Ihr einfach nur Gesellschaft geleistet habe.

Wir waren viel gemeinsam an der frischen Luft und haben bei Spaziergängen Zeit für uns gehabt. Bei den Wickelarbeiten haben wir uns abgewechselt, damit der andere jeweils auch mal etwas Zeit für andere Dinge oder einfach nur für sich hatte.

Die Anfangsphase gemeinsam gestalten

Natürlich bin ich vom ersten Tag der stolzeste Papa der Welt und habe daher versucht jede Minute bei Leopold und Stefanie zu sein. Wir hatten uns abgesprochen, dass wir gerade die Anfangsphase gemeinsam meistern wollten. Es wusste ja keiner von uns, was da auf uns zukommt.

Die Elternzeit war zu der Zeit ganz frisch und hatte sich bis zu meinen Vorgesetzten noch nicht herum gesprochen. Ich habe mir einfach ein paar Wochen Urlaub genommen um bei meiner jungen Familie zu sein.

Heute ist das alles etwas einfacher und da Du als Vater Deine Elternzeit aufteilen kannst, empfehle ich Dir auf jeden Fall ein paar Wochen Deiner Elternzeit (Link auf Gestaltung der Elternzeit) direkt an den Anfang zu legen, damit Ihr beide in Eurem Elternleben ankommen könnt.

Ein gutes Support-Netzwerk aufbauen

Stefanie und ich waren wirklich gut vorbereitet und hatten die wichtigsten Dinge für uns geregelt. Dennoch waren wir komplett ahnungslos. Wir hatten keinen Plan was wir tun und wie wir es tun müssen.

In diesem Fall hat sich unser Supportnetzwerk wirklich bewährt.

die ersten tage mit baby zuhause werden einfacher mit der richtigen unterstützung

Die Hebamme

Ich finde eine Hebamme eine wirklich große Hilfe obwohl ich ihnen auch nicht ganz unvoreingenommen gegenüber stehe. Wir haben sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen mit Hebammen gemacht.

Die Arbeit, die unsere Hebammen bei uns geleistet haben, waren wirklich wertvoll. Gerade in der Anfangszeit hatten wir viele Fragen und waren im Umgang mit Leopold noch unsicher. Da tat es gut ein paar Fragen bei einer Expertin abzugeben oder sich den einen oder anderen Handgriff und Trick zeigen zu lassen.

Wir waren beide mit der Babybadewanne komplett überfordert und haben daher gerne das Angebot der Hebamme angenommen, das erste Bad gemeinsam zu machen.

Eine gute Hebamme ist eine unglaubliche Hilfe und kann Dir das Leben erleichtern. Eine schlechte Hebamme, kann aber genau so alles noch viel schlimmer machen. Wie Du eine gute von einer schlechten Hebamme unterscheidest, ist aber noch einmal einen weiteren Blogartikel wert.

Die Freunde

Zu unserem Support Netzwerk gehörten auf jeden Fall unsere Freunde. Genauer gesagt die Freunde mit Familienanhang. Deshalb haben wir die Chance genutzt und uns viele Freunde in den ersten Tagen und Wochen einfach eingeladen. Das war eine Win-Win Situation für alle. Unsere Freunde waren natürlich total neugierig und wollten Leopold sehen. Wir hingegen konnten die ersten Probleme und Fragen loswerden, die sich in unserem jungen Elternleben so aufbauten.

Das schöne an Freunden ist, dass Du mit ihnen auch mal Dinge besprichst, die Du einer Hebamme nicht unbedingt so erzählst. Steffi hatte von Anfang an Probleme mit dem Stillen. Das haben wir lieber mit guten Freunden besprochen als uns der Hebamme anzuvertrauen (auch das ist ein Unterschied bei einer guten oder eine schlechten Hebamme…).

Die Eltern

Ein sehr große Hilfe waren auch die Menschen, in unserem Leben, die das alles schon mehrfach durchgemacht haben. Unser Eltern.

Was uns sehr geholfen hat, war die Abgeklärtheit mit der uns hier mit Tipps geholfen wurde. Als unsere Eltern in unserer Situation waren, waren das noch etwas andere Zeiten. Es wurde nicht so ein Aufriss um das Baby gemacht und man ging recht schnell zum Business as usual über. Ich fand das damals schon einen ziemlich krassen Kontrast, der aber gut tat nicht zu sehr zu verkopfen.

Ich denke es ist normal, dass meine Schwiegereltern und gerade meine Schwiegermutter etwas stärker in Beratungsgespräche verwickelt war als meine Eltern. Gerade die Mutter-Tochter Beziehung der beiden hat sich mit der Geburt von Leopold ziemlich stark verändert.

Das Genießen nicht vergessen

Wenn Du meine Geschichte kennst, dann weißt Du dass wir auf Leopold deutlich länger gewartet haben, als und lieb war. Umso glücklicher waren wir natürlich mit der Tatsache, ihn nun endlich bei uns zu haben und zu sehen, dass er gesund und zufrieden zwischen uns auf dem Sofa liegt.

die ersten tage mit baby zuhause sind auch etwas, dass Du genießen solltest

Weniger sorgen, mehr freuen

Wir sind da typisch deutsch. Wir haben viel darüber nachgedacht, was alles schief gehen kann. Wo er sich erkälten, anstecken oder verletzen kann.

Wir haben uns aber auch immer wieder gemeinsam daran erinnert, wie toll es ist jetzt endlich Eltern zu sein. Wie glücklich wir uns schätzen können, dass es geklappt hat und er gesund ist. Wir haben uns immer wieder bewusst aus dem „Betriebsmodus Eltern sein“ heraus geholt und es einfach nur genossen.

Was kann denn wirklich schief gehen?

Es ist doch auch so – was kann denn schon groß schief gehen? Wir haben immer ausreichend zu Essen zu Hause, haben ein Dach über dem Kopf und sind medizinisch perfekt versorgt. Es gibt Familien, da werden Kinder mit ganz anderen Vorraussetzungen groß.

Auch wenn ich oft Angst hatte, dass ich Leopold beim Windeln wechseln oder anziehen weh tun könnte, waren das meiste unnötige Sorgen, die ich mir nur aufgrund meiner mangelnden Erfahrung gemacht habe. Hier sollten Elternkurse wirklich mal ansetzen. Vielleicht wäre so ein „Eltern-to-be“ Treffen nützlich mit Eltern mit Babies, um schon im Vorfeld zu „üben“.

Auch erfriert oder überhitzt ein Baby nicht sofort. Wenn ich mir überlege welche Tänze und Überlegungen wir uns damals gemacht haben, fasse ich mir heute immer noch an den Kopf.

Einfach machen.

Natürlich hatten wir bereits weit vor der Geburt die Standardlektüren für werdende Eltern durch gelesen. Wir hatten uns Notizen und Checklisten gemacht.

Haben sie was gebracht?

Vielleicht ein bisschen. Rückblickend betrachtet, hätten wir uns aber vieles sparen können. Ich glaube sogar, dass es manchmal besser gewesen wäre, nicht schon 4 Meinungen zu etwas gehört zu haben. Ich bin ein großer Freund von Intuition und die hat uns häufig gefehlt. Wir waren durch all die Infos, die wir uns im Vorfeld schon aufgeladen hatten, ziemlich verkopft. Ob uns das geschadet hat weiß ich nicht, ich hätte rückblickend aber gerne einfach mal mein Gefühl zu Rate gezogen.

Das erste Mal ist immer komisch

Es ist so eine Sache mit den ersten Malen. Egal was Du zum ersten Mal machst, es wird sich immer komisch, beängstigend anfühlen und Dich aus Deiner Komfortzone heraus treiben.

Und das ist auch gar nicht so schlimm, denn das schärft Deine Sinne. Wichtig ist nur, dass Du dabei das Wichtigste nicht vergisst: genieße es endlich Papa zu sein.

Eine gute Vorbereitung hat uns wirklich sehr geholfen die ersten Tage mit Baby zuhause zu meistern. Wir hatten zwar noch wenig Ahnung, was auf uns zukommt, haben aber ein paar Eckpfeiler geschaffen, um die wir unser neues Leben aufgebaut haben.

Das Netzwerk aus Freunden, Familie und Helfern hat uns gerade in der Anfangsphase sehr geholfen bei Fragen oder Unsicherheiten nicht komplett auszuflippen und die richtigen Dinge zu tun.

Ganz wichtig, finde ich heute, war dass wir uns von Anfang an zum Ziel gemacht haben, die Zeit zu dritt richtig zu genießen. Da das unser gemeinsames Ziel ist, erinnern wir uns auch heute noch regelmäßig daran nicht zu sehr im Alltagsmodus zu fahren, sondern das was wir haben, wertzuschätzen.

Und jetzt?

Ich hoffe es war der eine oder andere wertvolle Tipp für Dich dabei, wie Du den Elternschock vermeiden kannst.

Was versetzt Dich oder hat Dich in den Elternschock versetzt? Freue mich auf Deinen Kommentar hier im Blog oder bei unserer Diskussion auf Facebook.


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