Familienregeln – ein Erfahrungsbericht

Habt Ihr bei Euch zu Hause Familienregeln? Also Grundsätze oder auch Grundregeln, die für Eure Familie gelten? Braucht es so etwas und wenn ja – wie definierst Du solche Familienregeln damit Sie fair und von allen akzeptiert werden? Darum geht es in diesem Beitrag. Anders als sonst bekommst Du dieses Mal aber nicht die Erfahrungen von mir oder anderen Vätern. Dieses Mal hat den Artikel der Sohn von Mirco, Jason, geschrieben. Es ist ein sehr umfangreicher Artikel geworden und ich bin am Ende gespannt, wie Du darüber denkst.

Es scheint fast schon wie Routine als einer nach dem anderen sich einen weißen Zettel aus der transparenten Büro-Ablage auf dem Holztisch schnappt, hinter einem blauen Vorhang verschwindet, nach einigen Sekunden wieder herauskommt und den Zettel in einen Karton mit der Aufschrift „Zettel einmal falten und einwerfen“ wirft – der Schlitz ist jedoch viel zu eng für die Zettel, daher nimmt Papsi den Karton, reißt seinen Deckel auf, wirft seinen Zettel ein und schließt ihn wieder. Anschließend setzt er sich auf einen der im Halbkreis angeordneten Stühle, die ein kleines Rednerpult umschließen. Ich stehe auf, nehme den Karton in die Hand und verschwinde ebenfalls hinter dem Vorhang, wo ich ihn leere und einen Zettel nach dem anderen begutachte. Kurz danach komme ich wieder heraus, stelle mich an das Rednerpult und spreche: 100% für den amtierenden Vorsitzenden, Wahlbeteiligung 75%, eine ungültige Stimme.

Familienregeln als Triumph der familiären Demokratie?

So routinemäßig das auch aussehen mag, es war ein sehr langer Weg bis dorthin und keineswegs selbstverständlich, denn es war die erste reguläre Wahl des Familienvorsitzes im Hause der Wochenendrebellen. Auch wenn das eindeutige Wahlergebnis vielleicht etwas anderes nahelegt, war es ein Triumph der familiären Demokratie, für dessen endgültiges Erreichen viele Jahre harte Arbeit und Entwicklung nötig waren. Aber eines nach dem anderen.

Regeln und Recht gab es bei uns eigentlich schon so lange ich denken kann, doch die meiste Zeit über war das Recht eigentlich Unrecht, denn elementare Grundsätze wie Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit waren nicht gegeben. Anfangs hatten einfach meine Eltern das letzte Wort wenn es um Entscheidungen geht, nicht nur über die Regeln im Haushalt, sondern auch direkt über mich und meine Schwester. Die Regeln, die galten, waren also nicht nur illegitim, sie galten auch nicht für alle gleichermaßen. Zudem waren sie willkürlich, also nicht einheitlich und dauerhaft, im Grunde war alles legitim, was mit den Vorstellungen der Eltern konform war. Ihren Anspruch darauf legitimierten sie durch die Tatsache, dass sie aus Zufall schon einige Jahrzehnte länger auf der Erde sind als ich. Eigentlich legitimierten sie ihn gar nicht. Es war einfach so.

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Das erste wirkliche Regelwerk war auch nicht gerade ruhmreich, es bestand in einem ebenfalls von meinen Eltern aufgesetzten Belohnungs- und Bestrafungssystem. Mit der Meinung der Eltern nach positivem Verhalten konnte man grüne Punkte verdienen, mit der Meinung der Eltern nach negativem Verhalten kassierte man rote Punkte. Am Ende des Jahres wurde dann bilanziert, bei positivem Punktestand gab es Belohnungen, bei negativem Punktestand Bestrafungen, bzw. eher Entzug von Belohnungen. Ein Beispiel:

„Wenn Jason am Ende des Jahres mehr grüne als rote Punkte hat, fährt Papsi mit ihm in ein Stadion im Ausland. Wenn Jason am Ende des Jahres mehr rote als grüne Punkte hat, bekommt er zu Weihnachten nur vier kleine Geschenke.“

Eltern nutzen die finanzielle Überlegenheit aus

Vielleicht kommt die Ernsthaftigkeit der Angelegenheit hier nicht ganz zur Geltung und ob der Punktestand nun wirklich Einfluss auf die Anzahl der Weihnachtsgeschenke hatte, das sei ebenfalls dahingestellt, meine Eltern sagen heute nein, aber das spielt hier auch gar keine Rolle. Mit dem Punktesystem nutzen meine Eltern meiner Meinung ihre finanzielle Überlegenheit aus und wollten damit ein ihrer Meinung richtiges Verhalten durchsetzen, also mit Geld über andere bestimmen. Selbst wenn das ganze nur geblufft war, wussten sie sicherlich, dass ich daran glaube und der Entzug von Weihnachtsgeschenken für mich damals eine durchaus wirksame Drohung war. Es geht hier ums Prinzip.


Wie bekomme ich das mit der Erziehung richtig hin?

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Hin und wieder kam es dann auch vor, dass plötzlich Dinge bestraft oder verboten wurden, die gar nicht im Punktesystem enthalten waren und Bestrafungen angewandt wurden, die das Punktesystem ebenfalls nicht vorsah, etwa wurde ich hin und wieder in mein Zimmer gebracht. Es gibt also viele Gründe, warum das Punktesystem von Recht weit entfernt war und daher begann ich es zu boykottieren und durch über Monate anhaltenden psychischen Druck und lautstarken Protest eine Neuregelung zu fordern, deren Kern der demokratische Beschluss allgemeingültiger Regeln war.

Zwischen diesem Moment und der erste offiziellen Familiensitzung liegt etwa ein Jahr, es war sicherlich ein anstrengendes und kein friedliches Jahr, aber irgendwann waren meine Eltern zumindest zu Gesprächen bereit, auch meine Schwester nahm daran teil. Nach zermürbender Überzeugungsarbeit und mehrtägigen Verhandlungen stand schließlich unser Kompromiss: Das Punktesystem wird abgeschafft. Stattdessen entscheidet ein Parlament, in dem jedes Familienmitglied eine Stimme hat, über die Regeln, die künftig gelten sollen.

Bei den Familienregeln sind alle gleich

Verhältnismäßig schnell konnten wir uns auf einen Grundsatz, also den ersten Artikel unserer Verfassung einigen:

„Alle Menschen sind gleich. Sie haben das Recht, alle Dinge selbst zu entscheiden, die nur sie selbst betreffen.“

Damit war ein riesiger Schritt getan: Jeder (auch meine zu diesem Zeitpunkt sechsjährige Schwester) durfte von nun an ins Bett gehen wann sie oder er möchte, rausgehen wann und wohin sie oder er möchte, spielen und gucken was sie oder er möchte und seine Zeit verbringen wie sie oder er möchte. Doch klar ist auch, dass Freiheit ihre Grenzen hat, daher legte ich in den ersten Sitzungen besonders auf die letzten fünf Worte unseres Grundsatzes wert: „…, die nur sie selbst betreffen.“.

Das war der Beginn unseres familieninternen Klimaschutzprogramms, denn klar ist, dass natürlich nicht jeder essen darf, was sie oder er möchte oder so viel Auto fahren darf wie sie oder er möchte. Diese Dinge betreffen alle Menschen auf der Erde. Das ist sehr wichtig, denn laut eines ebenfalls bei den ersten Sitzungen beschlossenen Gesetzes darf eine Regel „nur mit einer einstimmigen Mehrheit verabschiedet, geändert, entfernt oder durch andere Gesetze eingeschränkt oder aufgehoben werden“. Wäre das freie Recht auf Selbstbestimmung also unabhängig davon, wen die Handlung betrifft, könnte man Vorschriften nur mit einer einstimmigen Mehrheit beschließen.

Für sämtliche Klimaschutzmaßnahmen war dies aber folglich nicht der Fall, sie stehen nicht mit dem Recht auf Selbstbestimmung in Konflikt, da sie immer mehrere Personen betreffen. Das erleichterte meine Arbeit in den kommenden Monaten extrem, mehr oder weniger von heute auf morgen krempelte ich unser Leben mit brachialen Einschränkungen radikal um. Damals verursachte jedes Familienmitglied durchschnittlich Emissionen von etwa 20 Tonnen CO2-Äquivalenten, für das Stoppen der Klimakatastrophe wären 2,3 Tonnen das Maximum.

Die Geister, die ich rief?

Um unsere Emissionen zu verringern, beantragte ich zunächst eine Agrarreform, von nun an sollte der Konsum von Fleisch gesetzlich eingeschränkt werden, jedes Familienmitglied sollte nur noch dreimal in der Woche Fleisch essen dürfen, später wurde dies auf zweimal in der Woche verschärft – zu diesem Zeitpunkt war ich selbst bereits Vegetarier. Allgemeine Regelungen bezüglich tierischer Produkte folgten. Das klingt zwar nach einem bescheidenen Schritt, doch man muss wissen, dass es bei uns zuhause vorher fast jeden Tag Fleisch gab. Schnell folgten zudem PKW-Fahrverbote, eine CO2-Abgabe, ein Verbot von Einwegplastik und viele weitere Beschränkungen.

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Unsere Emissionen verringerten sich schnell von ca. 20 auf erst circa elf und dann circs sechs Tonnen, doch es ergaben sich auch große Konflikte und Probleme. Die Verhältnisse hatten sich verändert, 90% der Gesetzesanträge kamen und kommen immer noch von mir, zudem kontrolliere ich die Regeln sehr stark und setze dabei auch Überwachung als ein Mittel ein. Regelverstöße wurden mit üppigen Geldstrafen geahndet. Diesen Kurs setzte ich fort als das Parlament mich übergangsweise zum provisorischen Vorsitzenden ernannte. Eine weitere Verschärfung der Klimaschutzgesetze brachte das Fass scheinbar zum Überlaufen und meine Schwester beantragte ihren Austritt aus der Familienvereinbarung. Die Verzögerungstaktik, die ich zunächst anwendete, funktionierte nicht und nach lang andauernden Verhandlungen trat meine Schwester schließlich aus der Familienvereinbarung aus – ein schwerer Schlag. Im Parlament konnten meine Eltern mich nun alleine überstimmen, die Generationen und Geschlechter waren nicht mehr paritätisch vertreten.

Schnell witterte ich aber eine Chance, dies wieder rückgängig zu machen als meine Schwester zu Weihnachten ein eigenes Tablet bekam, sich allerdings nach den von ihren Eltern bestimmten Tablet-Zeiten richten musste. Sie hatte natürlich das Bedürfnis, so lange am Tablet spielen zu können, wie sie möchte und ich hatte das Bedürfnis, sie wieder in die Familienvereinbarung aufzunehmen, um wieder andere Möglichkeiten für Mehrheiten zu erhalten. Tatsächlich gelang es mir, einen Eintrittsvertrag durchzusetzen, der meine Schwester wieder in die Familienvereinbarung aufnimmt, sie aber übergangsweise von einigen Regeln ausnimmt.

Das war genial, denn dadurch hatte meine Schwester ein Stimmrecht bei Gesetzen, die für sie gar nicht gelten – so wurde die weitere Verschärfung der Umweltgesetze erheblich erleichtert. Schließlich haben wir 2019 ein eigenes Klimaschutzgesetz auf den Weg gebracht, welches die Emissionen weiter reduzieren, aber auch wieder für mehr Flexibilität sorgen soll. Schrittweise soll das persönliche CO2-Äquivalente-Budget jedes Familienmitglieds bis 2025 auf die nötigen 2,3 Tonnen reduziert werden, wie das Budget genutzt wird, bleibt aber jedem Mitglied selbst überlassen. Die immer anfallenden gemeinschaftlichen Emissionen (Einkauf, Heizung, Wasser, Strom, etc.) sollen dabei durch vier geteilt werden.

Doch Klimaschutz ist nicht der einzige Bereich, in dem wir uns neu anordneten. Um zu verhindern, dass ein Familienmitglied wieder Vorzüge aus Kapital schlagen könnte, hat das Parlament die „Leistungsträger“ der Familie enteignet, die gesamte Wirtschaftskraft, das gesamte Geld, das gesamte materielle und geistige Eigentum jedes Familienmitglieds gehört nun also allen Familienmitgliedern gleichermaßen. Damit werden Geldstrafen natürlich hinfällig, weshalb wir ein neues Justizsystem einführen wollen, der in Teilen an das Punktesystem aus früheren Zeiten erinnert, sich aber doch in grundlegenden Dingen unterscheidet.

Wie viel Demokratie verträgt eine Familie?

Es soll eine Art Social Credit geben, wer also etwas für die Gesellschaft oder die Familie tut, wird mit Pluspunkten belohnt, wer gegen Regeln verstößt, dem werden Punkte abgezogen. Bei einem negativen Punktestand werden Arbeiten verordnet, die auszuführen sind, bis der Punktestand wieder positiv ist. Hierbei ist allerdings wichtig zu erwähnen, dass diesmal demokratisch entschieden wird, wofür es Plus-, bzw. Minuspunkte geben soll. Zudem bleibt jedem jederzeit die Möglichkeit, auszutreten oder auch zu klagen, dann wird der Fall nämlich separat verhandelt, wobei die Mehrheit das Urteil unter Vereidigung (bei uns zuhause die „Rechte Hand“) fällt.

All diese Pläne und Konzepte habe ich hier natürlich nur angerissen und sie sind auch noch gar nicht final ausgearbeitet. Um dies zu erledigen, habe ich schließlich ein Wahlgesetz entworfen, welches Ministerien enthält, die für die konkretere Gestaltung der Gesetze und das Einreichen im Parlament zuständig sind. Das Prinzip ist recht simpel: Es sind freie, gleiche und geheime Wahlen, alle Familienmitglieder haben eine Stimme, mit der sie einen Kandidaten für den Familienvorsitz wählen können, eine Regierung muss über 50% der Stimmen für sich beanspruchen können und darf dann über die Besetzung der Ministerien und natürlich des Vorsitzes bestimmen.

Jedem Kandidaten stehen am Wahltag zudem nur fünf Minuten Redezeit zu, meine Rede zur Kandidatur für den Familienvorsitz bereitete ich sehr lange vor, im Wesentlichen zielte ich natürlich auf die Beibehaltung unserer Klimaziele und die endgültige Vergesellschaftung des Eigentums ab. Meine Ansprache, die ich anschließend in unserem Podcast wiederholte, lautete wie folgt:

„Vor einigen Jahren sagte ich, wenn wir nicht die Welt zu einem besseren Ort machen können, wer denn dann. Bei all dem Scheiß, der in den letzten Monaten wieder passiert ist mag man sich fragen, ob ich noch daran glaube. Und ich möchte hiermit ganz deutlich sagen: Ja! Wir werden gemeinsam nicht nur die Klimaneutralität erreichen, wir werden die Klimakatastrophe stoppen und die Nazis von der Straße fegen. Um diese Mammutaufgabe leisten zu können und global etwas zu verändern, müssen die Mitglieder der Familie allerdings entlastet werden. Daher werde ich, sollte ich gewählt werden, zum Jahreswechsel 2020/21 alle klimabezogenen Verbote abschaffen und durch eine Art Klima-Konto ersetzen, sodass jedes Familienmitglied selbst entscheiden kann, wie es sein CO2Budget nutzt. Das wird zu mehr Flexibilität führen und die im Grundgesetz versprochene Selbstbestimmung wahren. Klar ist aber auch, und da mache ich euch nichts vor, dass der Aufwand dennoch zumindest nicht sinken wird, wenn wir uns nach den wissenschaftlichen Fakten zur CO2Reduktion richten. Und wir müssen uns nach den Fakten richten, denn die Fakten richten sich nicht nach uns. Fakt ist jedoch auch, dass unsere Ressourcen, finanziell und zeitlich, begrenzt sind. Das Problem unserer Zeit ist, dass alle Menschen, die die Macht haben, diese Welt zu verändern, diese Macht dem jetzigen Zustand der Welt verdanken und sie gar nicht ändern wollen. Und wenn wir die Power haben wollen, diese Welt zu verbessern, dann müssen wir diese Stärke eben in dieser jetzigen Welt mit dem jetzigen System erreichen, wir müssen also clever wirtschaften und überlegen, mit welchen Maßnahmen wir die größte Wirkung erzielen. Und dann muss das alles nebenbei laufen, denn wir haben dann wichtigeres zu tun als uns in der sechsten Debatte über die letzten drei Autokilometer das sechsunddreißigste Schimpfwort zuzuwerfen, die Zeit für solche Spielchen ist vorbei. Denn viele kleine Leute, die viele kleine Sachen an vielen kleinen Orten tun, können das Angesicht dieser Welt verändern. Wir müssen uns nicht in allem einig sein, aber wir müssen lernen, wieder besser miteinander zu sprechen und zu verhandeln, etwa mit einer Art familiärer Verfassung. Denn wir stehen einem Gegner gegenüber, der weder spricht, noch verhandelt. Das ist uns und auch mir in letzter Zeit nicht immer gelungen und dafür bitte ich indirekt um Verzeihung. Wir schaffen das. Der einzige Glaube, den ich in den letzten Monaten verloren habe, ist, dass sich das alles schon wieder von selbst richtet. Ich bin mit dieser Familie noch lange nicht fertig. Und mit dieser Welt habe ich noch nicht einmal begonnen.“

Da ich der einzige wählbare Kandidat war, weil mein Papa seine Kandidatur zurückzog, habe ich die Wahl natürlich mit 100% der Stimmen und damit die absolute Mehrheit gewonnen, meine Schwester zog es jedoch vor, eine ungültige Stimme abzugeben als mich zu wählen. Ich nominierte anschließend meine Mama als Finanzministerin, meine Schwester als Justizministerin und meinen Papa als Kultusminister und Vize-Vorsitzenden, mich selber ernannte ich zudem zum Umweltminister.

Die Regierung hätte wohl keinen Tag später das Amt übernehmen sollen, denn kurz darauf kam die Corona-Pandemie, die bisher größte Beweisprobe für die Familienvereinbarung. Klar war, dass eine solche wirtschaftliche, aber natürlich auch epidemiologische Last auf uns zukommen würde, dass man unmöglich für jede Entscheidung eine Sitzung einberufen, bzw. Wochen auf die nächste Sitzung warten kann. Daher haben wir zunächst zu Beginn der Pandemie eine digital beschlussfähige WhatsApp-Gruppe gegründet, über die Anträge deutlich schneller eingereicht und bearbeitet werden können, dies wollen wir uns auch nach der Pandemie erhalten.

Zu Hochzeiten der Pandemie, nämlich vom Februar bis zum Mai haben wir außerdem zum ersten Mal den sogenannten Familiären Notstand ausgerufen, in dieser Zeit wurde das Parlament komplett aufgelöst, die Kompetenzen gingen vollständig auf den Familienvorsitzenden, bzw. die zuständigen Minister über und zwar ohne Bestätigung durch oder Rücksprache mit dem Parlament. Natürlich ist eine solche Aufhebung des demokratischen Prinzips nur nach einvernehmlicher Zustimmung des gesamten Parlaments und auf eine begrenzte Zeit möglich.

Wer ist hier der Boss?

Klar ist aber, dass der Notstand für die Krisenzeit bitter notwendig war, per Dekret verhängte ich eine hart kontrollierte Ausgangssperre, die später zu einer allgemeinen Maskenpflicht herabgesetzt wurde, aber auch unzählige andere Maßnahmen wie das Verbot von Hamsterkäufen, gänzliche Kontaktverbote zu Risikogruppen, Hygiene- und Abstandsregelungen. Mittlerweile ist der Notstand wieder aufgehoben, das Parlament hat wieder die Macht, alle Mitglieder mussten sich verpflichtend die Corona-Warn-App herunterladen und alle werden für 14 Tage unter Quarantäne gestellt, wenn sie bei einem Familienmitglied ausschlägt. Diese Regelung ermöglicht uns annähernd Normalbetrieb. Ein permanentes Infektionsschutzgesetz wird uns aber auch hier aus Notstands-Zeiten erhalten bleiben.

Dank der Familienvereinbarung haben wir die letzte Zeit verhältnismäßig gut überstanden, was nicht heißen soll, dass es unseren Alltag einfacher und unbeschwerlicher gemacht hat, es hat aber sicherlich die Gefahr von Infektionen und somit rein statistisch auch die Gefahr von Todesfällen vermindert. Die Zeit zeigte aber auch, wie tiefgreifend die Familienvereinbarung mittlerweile unser aller Leben verändert und dass sie wirklich ein ernsthaftes und von allen Mitglieder respektiertes und anerkanntes Regelwerk ist, auch wenn anderen Verwandten oder Bekannten häufig die Worte dafür fehlen und natürlich auch nicht alle Mitglieder mit den Beschlüssen der Mehrheit einverstanden sind – sie halten sich trotzdem daran.

Der Schlüsselpunkt ist radikale Akzeptanz auf allen Ebenen

Der Schlüsselpunkt ist radikale Akzeptanz auf allen Ebenen, es darf eben nicht so laufen, dass es in der Krisensituation heißt: „Das ist ja schön und gut, aber es gibt auch Grenzen.“. Nein, es gibt keine Grenzen! Hätte ich früher mit elf Jahren plötzlich Lust bekommen einen A Nightmare on Elm Street Filmmarathon um Mitternacht in der Woche anzufangen und danach nicht in die Schule zu gehen, sondern mir ein Arschgeweih stechen zu lassen, dann weiß ich felsenfest, dass meine Eltern mich gelassen hätten und sie wissen glücklicherweise auch, dass ich sowas niemals tun würde.

Dieses Prinzip hat unsere Lebensqualität in den letzten Jahren verbessert, bzw. es hat dafür gesorgt, dass sich unsere Lebensqualität zumindest weniger stark verschlechtert – eine Verbesserung ist in Angesicht der enormen Senkung der Emissionen wohl kaum der Anspruch. Man kann die Familienvereinbarung also durchaus als Erfolgsgeschichte werten, allerdings als Erfolgsgeschichte, die noch lange nicht zu Ende geschrieben und noch offen für jegliche Form von Verbesserung ist.

Trotz unserer großen Fortschritte in der Reduktion unserer CO2-Emissionen müssen wir uns aber nichts vormachen: Die Welt werden wir dadurch nicht in erheblichem Maße verändern oder retten. Daher legen wir den Fokus in den letzten Monaten immer mehr darauf, unseren Druck auf die gesamte Bevölkerung, die Industrie und die Politik auszuüben statt nur auf uns vier. Dies wollen wir erreichen, indem wir das Thema Klima zu einem Kern unseres Blogs, unseres Podcasts und all unserer künftigen Projekte machen, indem wir Klimabewegungen unterstützen und anderen Menschen sowohl Druck machen, als auch helfen, ihre Klimabilanz zu verbessern. Wir könnten es schaffen. Die Zukunft wird es zeigen.

Und jetzt?

Andreas hier und falls Du diese Zeilen jetzt ließt, hast Du vielleicht auch gemischte Gefühle, wie ich beim ersten, zweiten und dritten Mal lesen dieses Artikels.

Gemischt deshalb, weil es uns den Spiegel vorhält. Ja, wir nutzen unsere finanzielle Überlegenheit um Druck auszuüben und Dinge durchzusetzen. Nein, wir behandeln unsere Kids oftmals eben nicht als gleichberechtigte Mitglieder der Familie.

Müssen wir dass denn? Sollten wir das denn?

Ich bin beeindruckt von den Ergebnissen auf das Zusammenleben bei den von Juterczenka´s, das durch die Familienregeln entstanden ist. Ich kann mir aber gleichzeitig nicht vorstellen, ihr Modell zu übernehmen.

Ich bin jetzt natürlich auf Deinen Kommentar gespannt.

Über Jason 

Jason ist Sohn, Blogger, Autoren, Podcaster und Unterstützer der Neven-Subotic-Stiftung. Seit Jasons siebtem Lebensjahr bloggt er gemeinsam mit seinem Papa Mirco in unregelmäßigen Abständen über ihr Leben auf www.wochenendrebell.de


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