Sexuelle Aufklärung leicht gemacht [Vermeide diesen Fehler]

Sexuelle Aufklärung ist die Aufgabe von uns Eltern – ob es uns gefällt, leicht fällt oder nicht. Und darum geht es in diesem Artikel. Wir schauen uns an, warum sich viele Eltern so schwer damit tun, warum es heute noch wichtiger ist aufgeklärte Kinder zu haben und wie Du das Thema richtig angehst. Ausserdem erfährst Du, in welchem Alter Deines Kindes, welche Themen wichtig sind.

Beim Thema sexuelle Aufklärung tun sich viele Eltern schwer.

Sie verhalten sich, wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange. Sie wissen, dass es kommen wird. Dass sie sich Fragen der Kinder stellen müssen. Dass es Themen gibt, über die es für beide Seiten unangenehm wird zu sprechen.

Warum ist das so?

Eltern sind oft selbst noch zu verklemmt, um sexuelle Aufklärung richtig anzugehen

Wir wollen modern sein. Aufgeschlossen und „von heute“. Doch dann schließen wir uns im Bad ein. Die Kinder dürfen uns nicht beim Baden oder Duschen nackt sehen. Sexuelle Organe bekommen „niedliche“ Namen und  Sex hatten wir lange nicht mehr. So etwas machen Eltern nicht.

Linktipp: Darum haben so viele Paare keinen Sex nach der Geburt (und was Du anders machen kannst).

Wer das Thema Sex ausschließt, führt zwangsläufig irgendwann Gespräche, die komisch sind. Im schlimmsten Fall passiert sexuelle Aufklärung in der Schule oder im Freundeskreis der Kinder.

Aufgeklärt zu sein ist heute so wichtig wie schon lange nicht mehr

Dabei ist es heute unglaublich wichtig, dass Kinder sexuell und körperlich aufgeschlossen aufwachsen. Bescheid wissen. Sensibilisiert werden was ok ist und was nicht.

Und das so früh wie möglich.


Wie bekomme ich das mit der Erziehung richtig hin?

Lerne wie Du Dir einen Erziehungskompass baust, der Dich sicher durch alle Phasen Deines Vaterlebens manövrierst. 


Berichte von Kindesmissbrauch jagen jeden Monat durch die Medien. Wir sitzen kopfschüttelnd vor dem Fernseher und fragen uns, warum das keiner mitbekommen hat?

Geschlechtskrankheiten wie HIV sind wieder auf dem Vormarsch. Ich erinnere mich noch gut an die TV-Offensive zum Thema Aids in meiner Jugend. Ingolf Lück will bei Hella von Sinnen an der Kasse die Kondome bezahlen… – kennst Du auch noch, oder? Heute redet kaum noch jemand von HIV.  Das Ergebnis: die Anzahl der Menschen, die sich mit HIV anstecken, ist deutlich höher als noch in den 90ern.

Es gibt gute Gründe warum es für Kinder und junge Menschen wichtig ist, sexuell gut aufgeklärt zu sein.

Sexuelle Aufklärung ist unsere Aufgabe aber wir gehen es falsch an

Wir denken falsch darüber was Aufklärung ist und wann sie stattfindet

Das Problem liegt darin, wie wir über sexuelle Aufklärung denken. Wir sehen es als Meilenstein, den wir im Laufe der Erziehung abarbeiten müssen.

Wir hoffen, dass es möglichst lange dauert, bis wir an den Punkt kommen, an dem wir es „anpacken“ müssen.

Wir hoffen, dass es schnell vorbeigeht und sind nicht böse, wenn es doch die Schule übernimmt.

Tatsächlich ist gute, sexuelle Aufklärung ein Prozess, der früher beginnt als Du denkst. Ein Prozess, der mehr als 1-2 Gespräche erfordert und über 18 Jahre dauert.

Sexuelle Aufklärung ist ein dauerhafter Bestandteil der Erziehung

Wir dürfen sexuelle Aufklärung als Bestandteil der Erziehung verstehen. Ziel ist, dass Du Dein Kind zu einem körperlich aufgeschlossenen und informierten Menschen erziehst. Ein Mensch, der mit sich, seinem Körper und seiner Sexualität im Reinen ist. Der nicht rot anläuft, wenn jemand „Penis“ oder „Scheide“ sagt.

Sexuelle Aufklärung ist eine Reise, auf die Du mit Deinem Kind gehst. In jedem Alter gibt es Themen, die wichtig sind und über die Ihr sprechen müsst.

Baby-/ Kleinkind Alter

Viele Eltern erfinden niedliche Worte für den Penis des Jungen oder die Scheide des Mädchens. Sie verhalten sich gehemmt, wenn es darum geht, das Kind im Intimbereich zu waschen.

Auch auf das Verhalten des Kindes reagieren sie komisch. Wenn beispielsweise Mädchen den Rock hochheben oder Jungs ihren Penis zeigen, reagieren sie total über. Sie können damit schlecht umgehen, wenn Kinder nackt ihren Körper erkunden.

Das Ergebnis: die Kinder bekommen ein schräges Bild von Ihren Körperteilen. Klammern das Thema aus, ohne zu verstehen warum.

Den Grundstein offen und selbstbewusst mit dem Thema Sexualität umzugehen, legst Du in diesem Alter. Nenn das Kind und damit die Geschlechtsorgane beim Namen. Warum soll ein Kind nicht wissen was ein Penis oder eine Scheide ist?

Es sollte für Dich als Vater das normalste der Welt sein, Dein Kind in diesen Regionen zu waschen.

Kinder im Alter von 3-6 Jahren

Das Waschen in der intimen Region hat eine Altersgrenze.

Nach Entwicklungstempo Deines Kindes, sollte ab einem Alter von drei Jahren, Dein Kind sich eigenständig im Intimbereich waschen.

Sie sollen verstehen, dass es Bereiche am Körper gibt, wo nur sie sich berühren sollten. Ab diesem Alter ist es auch nicht mehr OK, wenn Dein Kind Dich oder Deine Frau im Intimbereich anfasst.

Aus denselben Gründen. Es gibt Bereiche, die sind nur für einen selbst.

Dieses Verständnis hilft ihnen zu erkennen, wenn sich ein anderer ihnen auf eine Art nähert, die nicht richtig ist. Dieses Erkennen ist ein wichtiges Frühwarnsystem, dass Dein Kind vor Übergriffen schützen kann.

Wenn Du es bisher noch nicht machst, nenn die Dinge beim Namen. Dein Sohn hat ein Penis und Hoden. Deine Tochter eine Scheide.

Nenn es so, denn alles, was einen Namen hat, ist nicht fremd und komisch.

In diesem Alter schnappen Kinder alles Mögliche auf und sind mit verschiedenen Medien im Kontakt. Wundere Dich nicht, wenn Fragen kommen, die noch nichts für sie sind.

Wenn Du hier abwiegelst oder mit niedlichen Antworten kommst, kannst Du großen Schaden anrichten. Dein Kind merkt sich Deine Antworten. Erzählt es später in der Schule die Geschichte vom Klapperstorch bekommt es Spott und Häme von den Mitschülern. Viele Kinder reagieren darauf eingeschüchtert und machen bei dem Thema dauerhaft zu.

Spätestens im Kindergartenalter sollte Dein Kind mit Fragen kommen. Bleiben die aus, ist es an Dir das Thema proaktiv zu suchen und anzusprechen.

Kinder im Alter von 6-9 Jahren

Ich halte nichts von der „Bienchen und Blümchen“- Geschichte. Ich verstehe nicht, warum Eltern Kindern diese Geschichte erzählen.

Wenn das für Euch ok war, wird es langsam Zeit das Thema neu aufzumachen. In dieser Altersklasse sollte Dein Kind wissen, wie Babies entstehen.

Dein Kind sollte wissen, wozu seine Geschlechtsorgane da sind und wie sie jetzt und in Zukunft „funktionieren“.

Ihr solltet über die Gefahren sprechen, die es gibt. Das Thema ist schwierig und Du möchtest Deinem Kind keine Angst machen. Ich halte es für wichtig, dass Dein Kind weiß wie andere Menschen auf sie oder ihn zugehen könnten. Nichts hilft besser als Wissen.

Kinder im Alter von 9-12 Jahren

In dieser Phase befindest Du Dich auf dem Vorhof zur Pubertät. Und in dieser Zeit gibt es einiges zu besprechen. Dein Kind und der Körper verändert sich in den kommenden Jahren stark. Und dieser Prozess kann Dein Kind stark verunsichern. Wenn Du Dein Kind darauf ordentlich vorbereitest und offen mit ihm darüber sprichst, wird sie oder er damit besser klarkommen.

Thematisiert, was sich im Körper verändert und was da vor sich geht. Warum sie anders riechen und die Dusche alle zwei Tage nicht mehr reicht. Wie gewisse Körperteile und auch Körperbehaarung wachsen werden. Bei Mädchen steht das erste Thema erste Periode als großer Meilenstein an. Ein Thema, über das Ihr früh und ausgiebig reden solltet, damit es kein traumatisches Erlebnis für Deine Tochter wird.

Auch wenn Dein Kind in diesem Alter noch nicht sexuell aktiv ist, solltet darüber sprechen, wie Dein Kind später verhüten kann. Der Vorteil daran, früh damit zu beginnen ist, dass es Dir jetzt noch zuhört. Wenn die Hormone in der Hochphase der Pubertät verrückt spielen, wird Dein Kind bei solchen Themen weghören.

Dabei geht es nicht nur darum nicht schwanger zu werden, sondern darum sich vor Krankheiten zu schützen.

Ein weiteres Thema, dass in diese Zeit fällt ist das Thema Selbstbefriedigung. Zu einem körperlich aufgeschlossenem und informierten Kind gehört, dass es weiß was Selbstbefriedigung ist. Das davon niemand blind wird oder die Hand abfällt, wie uns das die Kirche gerne weiß machen wollte.

Kinder im Alter von 12-17 Jahren

Es gibt einen riesigen Vorteil früh die Basisthemen der sexuellen Aufklärung in die Erziehung mit einfließen zu lassen. Und zwar, dass Du in der Hochphase der Pubertät, darauf aufbauen kannst. Dein Kind weiß, um was es geht und Ihr redet offen miteinander über Sexualität. Du bist in der Lage Dich nicht mehr mit den „How-To’s“ zu beschäftigen, sondern mit der nächsten Ebene.

Natürlich sind all diese Themen, damit nicht vom Tisch nur, weil Du sie schon einmal thematisiert hast. Idealerweise sprecht ganzheitlich und häufig über Themen wie die Veränderung des Körpers, Verhütung und so weiter.

Linktipp: Kindern Werte vermitteln – die Top 5 auf meiner Erziehungs-Bucket Liste

Da das Grundverständnis in diesem Alter, dank Deiner Vorarbeit, gelegt ist, könnt Ihr nun über andere Dinge sprechen.

Darüber was eine Beziehung ausmacht. Sprecht über Liebe und sicher wird das „erste Mal“ Thema. Welche Erwartungen und Ängste gibt es? Wann ist ein guter Zeitpunkt?

Dein Kind wird in diesem Alter die Gefahren von Krankheiten anders verstehen. Darum lohnt es sich dieses Thema regelmäßig aufzugreifen.

Der erste Besuch beim Frauenarzt wird anstehen, bei dem Du Deine Tochter unterstützen kannst.

Dank der Medien kommen Kinder heute viel schneller und leichter mit Pornografie in Kontakt. Daher finde ich, dass das ein Thema bei der sexuellen Aufklärung sein muss.

Ich gehe jetzt nicht so weit , dass Du einen Porno mit Deinem Kind schaust. Es ist wichtig, dass Deine Tochter und Dein Sohn verstehen, dass Sex in den seltensten Fällen so ist. Sie dürfen verstehen, dass Sex anders ist als in den Pornos, damit Sie kein falsches Bild bekommen.

Und jetzt

Sexuelle Aufklärung ist kein Thema, dem Du mit Schrecken entgegen blicken solltest. Es hilft Dir und vor allem Deinem Kind, wenn Du das Thema anders angehst und Dein Kind von Anfang an sexuell und körperlich aufgeschlossen erziehst.

Wie gehst Du mit dem Thema um? Poste mir einen Kommentar unter dem Artikel.


Folgst Du mir schon per eMail?

Wenn Dich Themen rund um das Vaterleben interessieren, dann folge meinem Newsletter.
Ich durchforste für Dich über 100 Websites & Blogs und schicke Dir 1x im Monat eine E-Mail mit den interessantesten Inhalten. Mehr dazu

    0 0 Stimmen
    Artikel Bewertung
    Abonnieren
    Benachrichtige mich bei

    Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

    0 Kommentare
    Feedback
    Alle Kommentare
    0
    Meinungen? Feedback? Schreib einen Kommentarx
    ()
    x