Leben als Vater

Der Dritte-Person-Reflex. Warum Eltern nicht „ich“ sagen können.

Stell` Dir folgende Szene vor. Du sitzt im Büro mit Deinem Kollegen zusammen, der Dir gerade bei etwas hilft. Ständig sagt Dein hilfsbereiter Kollege „… so nicht, komm lass mal den Jürgen machen…“, „…der Jürgen zeigt/erklärt Dir das nochmal…“.

Was denkst Du nach 10 bis 15 Minuten von dem hilfsbereiten Jürgen?

Genau, aus dem hilfsbereiten Jürgen wird der hilfsbedürftige Jürgen, denn der Jürgen hat sie nicht alle stramm.

Szenenwechsel, nachdem Du Dir diese amüsante und ein wenig verstörende Szene vorgestellt hast, denk Dich jetzt in Euer Esszimmer – Abendbrotszene. Deine Tochter/Dein Sohn reckt und streckt sich nach dem Milchglas, das gerade ein paar Zentimeter außerhalb seiner maximalen Reichweite steht.

Was sagst Du?

„Warte, der Papa gibt Dir Deine Milch“

Der „Dritte-Person-Reflex“

Musst Du jetzt auch in die Klapse? Natürlich nicht.

Was habe ich mich früher aufgeregt. Als ich noch keine Kinder hatte fand ich diese Eltern, die mit Ihren Kindern ständig von sich in der dritten Person sprachen, maximal schrecklich. Damals habe ich mir immer geschworen „so eine Scheiße machst Du später nicht…“.

Und heute? Heute rede ich genauso von mir als der Papa, ganz ohne es zu wollen oder steuern zu können.

Es scheint bei uns Menschen eine Art Dritte-Person-Reflex zu geben, sobald wir mit einem Kind sprechen. Nur so ist es zu erklären, das dieses Phänomen auch vor Nicht-Eltern keinen Halt macht.

Meine Schwägerin, Anführerin der überzeugten Nicht-Eltern, scheint Worte wie „ich“, „mir“, „mein“ vollständig aus Ihrem Wortschatz zu löschen, wenn Sie mit unseren Kindern redet.

Warum ist das so?

Ich habe lange recherchiert, was hinter diesem Phänomen stecken mag. Tatsächlich hat sich bisher noch kein Geistesforscher mit den Gründen beschäftigt.

++ Update – habe doch noch eine Studie gefunden +++

Lesetipp: Babysprache hilft Babys beim Sprechen

Die Antwort ist im sogenannten Individuumsverständnis eines Kindes und der damit zusammenhängenden Sprachentwicklung zu finden.

Kinder erkennen sich erst ab dem 3. Jahr als eigenständige Person und können mit Du und Dein überhaupt etwas anfangen.

In der Zeit davor, weiß Dein Kind überhaupt nicht, was Du von ihm willst, wenn Du sagst „… komm` mal zu mir…“. Allerdings „Komm` mal zu Papa“ macht für Kinder schon sehr früh Sinn.

Du siehst, bis zu einem Alter von drei oder vier Jahren ist es durchaus ratsam von Dir in der dritten Person zu sprechen, damit es mit Deinem Kind keine Verständigungsprobleme gibt und es, ganz nebenbei, lernt wer Papa ist.

Hartnäckige Eltern-Konditionierung

Dein Kind ist erfolgreich drei oder sagen wir vier Jahre alt geworden. Es weiß wer Du bist, es weiß wer es selbst ist, kann schon seinen Namen sagen (wahrscheinlich auch schreiben). Kurz das ganze “ dritte Person“-Ding hat wunderbar funktioniert.

Doch was machst Du?

Du redest von Dir immer noch als der Papa.

Über die Jahre hast Du nicht nur Deinen Nachwuchs, mit all dem Papa-Geplapper, konditioniert sondern auch Dich selbst.

Zeit gegenzusteuern, nicht dass Du so ein Jürgen wirst.

So wirst Du „der Papa“ wieder los

Wie mit all den Dingen, die man sich so angewöhnt hat, z. B. Rauchen, in der Nase bohren, Fingernägel kauen, ist es nicht leicht sich von der Papa-sein zu trennen.

Was uns einfach als Kleingedrucktes im Gen-Code zugeflogen ist, wird harte Arbeit wieder loszuwerden.

Dennoch ist es möglich und das Stichwort heißt Umkonditionierung. Du musst Dir wieder angewöhnen ich zu sagen, mein.

amazon wunschliste

Ein paar kleine Tipps werden Dir dabei helfen:

  1. Sprich Deine Kinder mit dem Vornamen an. Das ist ein kleiner Hilfsanker für Dich, damit Du nicht in alte Sprachmuster verfällst und darauf achtest, nicht mehr als Papa von Dir zu sprechen.
  2. Sag öfters „ich“ . Gewöhn` Dich an das neue ich in Deinem Sprachgebrauch. Je häufiger Du es täglich verwendest, desto leichter wird es Dir fallen, es im Gespräch mit Deinen Kindern zu verwenden.
  3. Sag nie mehr „der Papa“, wenn Du von Dir redest. OK, ich gebe zu, dass das kein super geheimer Trick ist, aber das ist elementar. Setze „der Papa“ in Deinem Kopf auf die stille Treppe direkt neben Scheiße, Arschloch und ihre Freunde. Verbanne es. Nur so wirst Du es schaffen innerlich zusammen zu zucken, wenn Du im Begriff bist der Papa zu sagen.
  4. Besorge Dir einen Komplizen. Am besten ist es, wenn Deine Frau und Du Euere gemeinsame Angewohnheit auch gemeinsam wieder ablegt. So könnt Ihr Euch gegenseitig daran erinnern, was Ihr nicht mehr sagen wolltet, denn allzu oft rutscht er völlig unbemerkt durch, der Papa oder die Mama.

Ähnlich wie beim Rauchen, Nase popeln oder Fingernägel kauen ist die Abgewöhnungszeit lang. Es gibt gute Tage und schlechte Tage. Siege und Rückschläge.

Auch ich bin noch mitten in meiner Papa-Entwöhnung, doch der Papa macht gute Fortschritte…

Jürgen

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Jürgen entschuldigen. Ich habe mir den Namen wahllos ausgesucht und es soll sich niemand persönlich angesprochen oder angegriffen fühlen.


Folgst Du mir schon per eMail?

Wenn Dich Themen rund um das Vaterleben interessieren, dann folge meinem Newsletter.
Ich durchforste für Dich über 100 Websites & Blogs und schicke Dir 1x im Monat eine E-Mail mit den interessantesten Inhalten. Mehr dazu

    3 2 Stimmen
    Artikel Bewertung
    Abonnieren
    Benachrichtige mich bei

    Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

    32 Kommentare
    Am meisten bewertet
    Neueste Älteste
    Feedback
    Alle Kommentare
    Gast
    Lena S.
    3 Jahre zuvor

    Hallo,
    ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit dieser Art zu reden auf der Wochenbettstation bombadiert wird. Da haben die Schwestern zu mir gesagt: „So, jetzt kann die Mama die Kleine mal anlegen“ , oder zu meinem Mann: „Jetzt kann der Papa der Kleinen mal die Windel wechseln. Das macht der Papa so und so und so.“ oder “ Jetzt kann die Mama die Luise (Name der Tochter) baden. Dazu hält die Mama den Kopf von der Luise hier fest und wäscht sie dann mit dem Waschlappen“. Dazu noch der Rat, dass man bei der Pflege des Kindes ganz viel mit ihm sprechen soll, Körperteile benennen usw.
    Zuerst kam ich mir total bescheuert vor, nicht mit meinem Namen und direkt angesprochen zu werden. Dann dachte ich, „Ok, du bist eben jetzt Mama, das hilft wohl dabei, sich der neuen Situation bewusst zu werden“ und habe auch von mir als „der Mama“ gesprochen. Die anderen Mamas und Papas im Wickelzimmer haben es auch so gemacht, das half ein wenig über das merkwürdige Gefühl hinweg, das das Reden in der 3. Person bei mir verursachte.
    Aus der Klinik raus ging es dann weiter mit der nächsten Dimension: Andere sprechen mit dem Kind, meinen aber eigentlich dich: „Na, wie heißt du denn? Wie alt bist du denn? Warum rutscht dir denn die Mütze in die Augen, Mäuslein? Was hast die Luise denn heute schönes gemacht?“. Ungefähr zu dem Zeitpunkt fielen mir ein Buch von Jesper Juul in die Finger. Wie Sprache Distanz schaffen kann, wenn ich in der dritten Person mit meinem Kind spreche. Wie Sprache überhaupt Distanz schafft, wenn man nicht direkt mit seinem Gesprächspartner spricht. Siehe da, endlich konnte ich mir erklären, warum sich das für mich so total unangenehm und merkwürdig angefühlt hatte, ständig „Die Mama macht jetzt der Luise die Windel auf“ zu brabbeln. Also habe ich es gelassen. Inzwischen ist Luise 1,5 und versteht ohne Probleme, wenn ich sie bitte, zu mir zu kommen.
    Daher ist meine Theorie: Zuerst haben wir es von unseren Eltern gehört, dann hören wir es als Erwachsene ohne Kinder bei Leuten mit Kindern und empfinden es als merkwürdig. Sind wir dann selbst frischgebackene Mama oder Papa, bekommen wir eine gewaltige Dosis „Mama/Papa tut xyz“ auf der Wochenbettstation ab. Im Anschluss daran behalten wir es dann entweder bei, oder besinnen uns, es wieder zu lassen, weil es sich komisch anfühlt und eine authentische Beziehung zu unseren Kindern bedeutet. Wie erleichternd ist es doch, wenn man in seiner Familie kein Rollenbild spielen muss, sondern einfach ich selbst sein darf!
    Viele Grüße
    Lena S.

    Gast
    Henrik
    8 Jahre zuvor

    Hmmm, interessantes Thema. Wenn ich genauer darüber nachdenke, meine ich eine Mischung zu nutzen. Mal mache „ich“ das mal und mal macht „der Papa“ das mal. Werde wohl mal in den nächsten Tagen auf mich selber hören 😉

    Gast
    Ahuefa
    8 Jahre zuvor

    Hi, super Post. Mir gings vor 18 Monate auch noch so, dass ich mir vorgenommen hatte, „der Mama“ passiert so was nicht =)
    Aber als ich auch irgendwo gelesen hatte, dass die Kinder das so eh besser verstehen, fühle ich mich nicht mehr schlecht dabei und sehe es als etwas natürliches an. Schliesslich sage ich meiner Tochter auch „das sind Papas Schuhe“ oder „bring das mal zu Papa“.
    Unterdessen sagt sie selbst aber schon ab und zu mal „du“ zu mir, wenn sie möchte, dass Mama was macht und streckt mir den Gegenstand entgegen.

    Werd den Post gern verlinken und dann noch ein bisschen lesen/stöbern gehen 🙂

    Gruss aus Zürich

    Gast
    Rajko K.
    1 Jahr zuvor

    In einem ganz frühem Entwicklungsstadium ist es wichtig, dem Kind die Begriffe „Papa“ und „Mama“ als Anredeform beizubringen. Wiederholung hilft dabei. Sobald das sitzt, besteht hierfür keine Notwenigkeit mehr, von sich selbst in der 3. Person zu sprechen.

    Allerdings habe ich öfters erlebt, dass selbst nach Jahren, in denen das Kind bereits sprechen kann, einige Eltern immer noch die 3. Person im Gespräch nutzen – interessanterweise vor allem dann, wenn sie Autorität verkörpern wollen.
    Hier kommt ein psychologisches Dilemma ins Spiel.

    Besonders Menschen, die selbst autoritäre Eltern oder anderweitige Probleme mit dem Elternhaus hatten, neigen gerne dazu, die 3. Person in der Kommunikation mit dem Kind zu verwenden. Hintergrund hierfür ist eine deutliche Unsicherheit. Solche Eltern zweifeln oft selbst ihre wahre Kompetenz als Eltern an. Daher reden sie gegenüber dem Kind nicht als sie selbst, sondern zitieren eine Rolle herbei, die ihrer Meinung nach respektpflichtig ist: der Papa und/oder die Mama. Dadurch versuchen sie, dem Gesagten besonderes Gewicht zu verleihen, was sie sich sonst als simple „ich“-Person nicht zutrauen, es dem Kind vermitteln zu können.

    Man kann das mit Personen Vergleichen, die eine Funktion übertragen bekommen, der sie eigentlich nicht gewachsen sind. Dann greifen diese Personen auch gern mal auf die Floskel zurück: „Ich bin der Chef!“. Wer kompetent ist, hat solche Aussagen allerdings gar nicht nötig und wird sie auch nie verwenden. Ebenso, wie selbstsichere Menschen 3jährigen Kindern gegenüber nicht mehr von sich in der 3. Person sprechen.

    Gast
    Anna
    8 Jahre zuvor

    Bekannte von uns haben von Anfang an konsequent Personalpronomen bei ihrem Sohn benutzt. Er ist jetzt fast zwei Jahre alt und hat seit seinen ersten Worten von „mir, mich, mein, ich“ gesprochen.

    Wissenschaftler sagen, dass Kinder ihre Identität mit etwa 1,5 Jahren entdecken. Das ist der Zeitpunkt, zu dem die meisten Kinder auf den „Spiegeltest“ reagieren (also sich selbst im Spiegel erkennen und einen roten Punkt, der unbemerkt auf ihre Wange geklebt wurde, bei sich abmachen und nicht am Spiegelbild abzumachen versuchen). Das ist auch der Zeitpunkt, an dem Kinder langsam mehr Worte sprechen.

    Ob der „Spiegeltest“ tatsächlich zeigt, dass Kinder ihre Persönlichkeit entdecken, ist immer noch eine andere Sache, aber dass man den tatsächlichen Zeitpunkt der Identitätsentwicklung erst auf einen deutlich späteren Zeitpunkt, nämlich 3-4 Jahre, setzt, erscheint mir sehr seltsam. Ich beginne zu glauben, dass wir die kindliche Identitätsfindung mit unserem ständigen „der Papa, die Mama“ herauszögern.

    Wir jedenfalls werden mit unserer Tochter normal reden und gespannt beobachten, wie sich ihre Sprache (und ihr Identitätsbewusstsein) entwickelt.

    Gast
    M.
    8 Jahre zuvor

    Wir haben von Anfang an konsequent „ich“ gesagt, und siehe da, das Kind nannte sich auch von Anfang an „ich“ und sprach nie von sich in der 3. Person.

    Die 3. Person klingt ja nicht nur doof, sie schafft auch Distanz. Ich-Botschaften sind direkter und damit auch einfacher verständlich.

    Gast
    Mäuschen-Mama
    8 Jahre zuvor

    Ich kann dem nicht so ganz zustimmen.

    Ich denke eher, dass die meisten Kinder kein mein, dein, mir, mich, ich, du usw verstehen bis sie drei oder älter sind liegt wohl eher daran das wir eben diese Wörter vorher kaum benutzen, aus einem angewöhnten Reflex heraus das ALLE so dämlich mit ihren Babys und Kindern reden.

    Ich gebe zu, gelegentlich rede ich auch in der dritten Person von mir, aber selten (ist wie du schon festgestellt hast ganz schön hartnäckig dieser Reflex ;-)). In der Regel aber rede ich ganz normal und wie mit jedem anderen mit meiner Tochter, und soll ich dir was sagen? Sie ist 17 Monate alt und versteht ohne Probleme wenn ich sage komm zu mir, oder gib mir dies oder jenes, auch kannst du bitte dies oder jenes versteht sie.

    Wie gesagt, ist wohl kein Wunder wenn Kinder die Wörter nicht verstehen wenn man sie nicht benutzt. Ist doch aber kein Grund sie nicht zu benutzen oder? Woher sollen sie die Verwendung sonst lernen??

    Gast
    Ria
    8 Jahre zuvor

    Sorry, ich kann dem nicht beipflichten.
    Ich habe gelernt, ganz normal (schon intuitiv in höerem Tonfall, aber grammatikalisch ordentlich) mit meine kleinen Kindern zu reden. Es hat auch etwas Umkonditionierung gebraucht, aber jetzt kann ich mir das Mama-Papa-Gerede gar nicht mehr vorstellen. Auch zum Einjährigen nicht!
    Es ist was Altes in uns (von Eltern, Tanten, Großeltern), geerbt und kann abgelegt werden.
    Probiert es. Die Kleinen verstehen euch.

    Gast
    Karlotta
    3 Jahre zuvor

    Meine Tochter weiß seitdem sie zehn Monate alt ist, was „ich“ und „du“ und „mein“ und „dein“ heißt und kann fehlerlos „meine“ und „deine“ Körperteile zeigen. „Mama“ und „Papa“ sagt sie nun mit 15 Monaten auch; in der dritten Person haben wir nie mit ihr gesprochen!

    Gast
    Jörg
    2 Jahre zuvor
    Antworte  Andreas

    Kinder spüren bereits in den ersten Lebensmonaten über die Interaktion mit Bezugspersonen, was Ich und was Du ist (die symbiotische Beziehung mit der Mutter wird im Übrigen sehr kritisch diskutiert; siehe Dornes: Der kompetente Säugling). Lediglich der „semantische Anker“ im Sinne der Bedeutung von Ich und Du als Selbst und Andere kommt erst mit der Entdeckung des Selbst und sein in Bezug setzen mit dem Worte Ich auf. Das geschieht im Laufe des zweiten Lebensjahres (Vgl. bspw. Largo: Babyjahre). Dass Kinder auch selbst die Worte Du und Ich nutzen, hängt aus lerntheoretischer Sicht maßgeblich von dem Vorbildverhalten der Eltern/ primären Bezugspersonen ab. Will heißen: wenn die Eltern unentwegt über sich selbst oder über das Kind in der dritten Person sprechen, wird das Kind Probleme haben, den semantischen Bezug zwischen Selbst und Ich herzustellen. Die Entwicklungspsychologie schlägt im übrigen vor, die Entwicklung des Kindes nicht lediglich als Ist-Stand zu betrachten, sondern danach zu schauen, was in naher Zukunft an möglich ist (Wygotski bspw.).
    Viele Grüße Jörg

    Gast
    Augustin Simic
    4 Jahre zuvor

    Ich glaube das hat nur etwas mit dem Lernen zu tun. Wir wollen dem Kind beibringen was oder wer wir für es sind. Mein neffe zum beispiel benutzt das wort nur bei Mama und seinen Vater nennt er nur mit seinen namen und das schon seit seinen kindesalter an. Weil meine schwester ihm immer über seinen Vater mit den vornamen sprach und der vater selber nicht soviel zeit mit ihm verbracht hat. Und uns alle onkels oder tanten er immer noch auch so anspricht und nicht mit unseren namen.

    Gast
    Juliane
    5 Jahre zuvor

    Blödsinn. Ich rede weder von mir noch von meinem Kind in der 3. Person und er kommt mit seinen 14 Monaten sehr wohl zu mir, wenn ich ihn dazu auffordere.
    Klar, wie sollen Kinder auch mit „Du“ und „Ich“ etwas anfangen können, wenn sie es gar nicht kennen.

    Gast
    Maren
    6 Jahre zuvor

    Haha, ich habe mich gerade heute gefragt, warum ich auch total diesem „Mama macht dies – Mama macht das“ verfallen bin, schnell gegoogelt, und schon diesen interessanten Post entdeckt.
    Wie fast jedem hier fand auch ich’s früher schrecklich, dann kam der Reflex aber so automatisch, dass ich mich gar nicht mehr dagegen wehren wollte ;). Wie schon jemand vor mir meinte: Was so intuitiv passiert, kann so falsch nicht sein. Genau wie mit der hohen Baby-gutschi-gutschi-Stimmlage, die hat ja auch ihren Zweck.

    Dennoch mixe ich: Bei Zugehörigkeiten und beschreibenden Erläuterungen nutze ich meist „Mama“ (das sind Mamas Schuhe, Mama putzt sich nur noch schnell die Zähne). So im normalen Sprachfluss, wenn ich mit meinem Sohn spiele oder es schneller gehen muss, sage ich auch oft „ich“. Mein Sohn ist jetzt 2 Jahre alt und benutzt eh noch keine Subjekte, aber er versteht „deins“ und „meins“ und „mir“ auf alle Fälle. „Meins“ war glaub ich einer seiner ersten Worte ;)…

    Danke jedenfalls für diesen Post! Sehr aufschlussreich!

    Gast
    Tanja
    7 Jahre zuvor

    Also ich hab diese Seite durch Google gefunden, weil die Mutter meines Lebenspartners (er ist 20 Jahre alt!) über sich selbst in der dritten Person spricht und ich wissen wollte, ob sie nicht mehr ganz sauber tickt. 😐 Sie sagt beispielsweise Dinge wie: „Mama hat deine Wäsche gewaschen“ oder: „Mama muss jetzt mal in deinem Zimmer staubsaugen“ … das macht mich wahnsinnig.

    Gast
    Tom
    7 Jahre zuvor

    Oft und meist unbemerkt setzen wir das Verhalten als Erwachsene fort, indem wir von „man“ (3. Person) sprechen, während wir etwas Persönlches von uns erzählen.
    Fast so, als sei es verpönt, „ich“ zu sagen, wenn es sachgerecht ist, weil es „egoistisch“ wirkt, von sich zu sprechen. Oder weil wir uns verstecken, auf Distanz gehen zu uns selbst, nicht zu dem stehen, was wir von uns sagen, oder unsere Argumente meinen verstärken zu müssen, indem wir anklingen lassen, dass ja viele oder alle so denken, fühlen oder handeln.
    Bin gerade auf der Suche nach den jeweils in der Gesprächssituation Motiven für diesen Sprachgebrauch, wie sie sich erkennen lassen, was sie mir über mein Gegenüber mitteilen.
    Oder ist es einfach nur eine schlechte Gewohnheit, die aus welchen Prägungen herrührt?

    Gast
    Lila
    7 Jahre zuvor

    Ich bin auf diese Seite gestoßen, weil ich googlen wollte, wie normal (oder unnormal) ist für Kleinkinder ist, von sich selbst in der 3. Person zu sprechen – offenbar nicht so seltsam, wie es mir vorkommt. 😀 Unsere Nachbarstochter sagt ständig „Mia macht das“, „Mia will das machen“ usw., was ich bei meinen drei Nichten in dem nie beobachten konnte.

    Ich also Noch-Nicht-Mutter werde auf jeden Fall (toitoitoi) nicht von „der Mama“ reden. Die „Lösung“ bzw. der Mittelweg ist, finde ich, wenn der Partner dies übernimmt. Also ich sagen „Komm, ich bring dich mal zum Papa“ und er sagt „Da fragen wir mal die Mama“ oder so etwas in der Art. 😉 Dann sind die Bezeichnungen klar und die Personalpronomen fallen trotzdem nicht unter den Tisch. Mal schauen, ob der Plan aufgeht.

    Gast
    8 Jahre zuvor

    Ja, ich trage mich auch schon etwas länger mit dieser Problematik. Mein Sohn ist jetzt 8 Monate alt. Ich werde mich auf jeden Fall eingehender mit dieser Thematik beschäftigen.
    Einfach komplett aufhören von mir in der dritten Person zu sprechen, werde ich jetzt erstmal nicht. Gemischt ist auch ok, denke ich.
    Bis jetzt hat jedes Kind meiner Familie mit 18 Jahren noch von sich selbst in der ersten Person gesprochen.

    Gast
    Whoami
    8 Jahre zuvor

    Da kann ich eigentlich nur zustimmen. Ist schon interessant wie sich das Kind entwickelt. Am Anfang hat unser kleiner (und das ist sicher auch typisch) noch in Gruppen gedacht bzw. geredet. Alle Tiere waren ein Hund und alle Menschen die er mochte wurden Mama genannt – insofern find ich auch die Idee mit „der Mama oder Papa“ als Rolle ganz gut. Das ist eben mehr als nur ein Name. Naehe, Waerme, Versorgung, Milchbar, Dreh und Angelpunkt des noch so jungen Lebens.

    Gast
    LottaGruen
    8 Jahre zuvor

    Mein Gatte und ich, die wir nie nie nie so reden wollten, haben es dann doch ganz intuitiv getan und uns oft genug über uns gewundert.
    Ich hatte mitunter gar ein schlechtes Gewissen, weil harsche Stimmen, wie sie ja auch hier in den Kommentaren auftauchen, auch in meinem Inneren laut wurden und mich mahnten „grammatikalisch ordentlich“ mit dem Kindelein zu sprechen.
    Andererseits erschloss sich mir nicht so ganz, wie etwas, dass derartig intuitiv in Eltern drin steckt (und ich habe mit vielen Eltern darüber gesprochen, die ALLE eingestanden, zumindest in schwachen Momenten, wenn sie nicht drüber nachdachten, in den Dritte-Personen-Reflex zu verfallen), wie also ein tatsächlicher Reflex wirklich falsch sein sollte.

    Die Ausführungen von Legendaddy zu der großen ganzen Papa/Mama-Rolle, die an diesem Begriff mit dranhängt, finde ich ebenfalls schlüssig. Schließlich lernt so nicht nur der Nachwuchs, wer seine Eltern sind. Sondern auch den Eltern wird auch auf sprachlicher Ebene ganz deutlich, von nun an sind sie für immer eine „Mama“ bzw. ein „Papa“.

    Just befinden wir uns in der Entzugszeit. Töchterli sagt jetzt schon ausreichend oft „ich“ und „meins“, dass unser Dritte-Personen-Reflex nicht mehr von Nöten ist. Ach ja. Hat alles seine Zeit.

    Aber jedenfalls: Danke fürs schlüssige Verschriftlichen des Phänomens! Hat Spaß gemacht zu lesen.

    Gast
    Wunderpflanze
    8 Jahre zuvor

    Gaaaanz am Anfang hab ich das tatsächlich auch gemacht 😉
    Dann hab ich von diesem Phänomen gelesen und es mir gleich wieder abgewöhnt.
    Die Mädels sind jetzt vier und sieben und haben auch ohne „die Mama“ immer gewusst was ich meine und dabei auch problemlos „ich“ und „du“, „meins“ und „deins“, „mir“ und „mich“ gelernt.

    Gast
    Katharina
    8 Jahre zuvor

    Bei längerem Nachdenken denke ich, wenn wir Eltern von unseren Kindern ernst genommen werden wollen, sollten wir doch so oft wie möglich normal sprechen und nicht in der dritten Person. Oder nehmt Ihr Leute ernst, die von sich in der dritten Person sprechen?
    Sagt „die Mama“ und streitet alles ab und behauptet das Gegenteil. Oder so.

    Gast
    8 Jahre zuvor

    Ja, es ist schon ein merkwürdiges „Phänomen“. Aber insbesondere die Erklärung zur Sprachentwicklung vom Baby- zum Kleinkindalter ist absolut plausibel. Es gibt immerhin genug Erwachsene, die Probleme mit „Mir“ und „Mich“ haben…warum sollten wir es da unseren Kleinen unnötig schwer machen 😉

    Legenbaby ist mit 18 Monaten weit davon entfernt über andere Personalpronomen nachzudenken aber ich habe es trotzdem einmal getan. Und ich finde, dass das „Papa“ aus der dritten Person viel mehr ist als ein Ersatz für Ich, mir und Co., ebenso wie Mama, Oma und Opa.

    Denn, wie ich finde, steckt hinter diesen Worten mehr als eine Anrede. Es ist eine Rolle, die wir im Leben unserer Kleinen einnehmen. Und diese Rolle beinhaltet Werte, Pflichten, Rechte und viele Assoziationen die wir und eben auch unsere Kinder mit ihr verbinden. Umso besser, wenn es sich in einem Wort wie Papa, Oma oder Opa zusammenfassen lässt.

    Aber klar, der eigenen Sprachentwicklung zuliebe, sollte auch das „Ich, Meiner, Mir, Mich“ nicht ganz verschwinden.

    Vor 18 Monaten hätte ich vermutlich auch noch gesagt „Ich mache sowas nicht“, aber wenn man jetzt nach einiger Zeit des Papaseins mal darüber nachdenkt… ich finde es irgendwie gut und richtig und ich bin mir nicht sicher, ob ich mich irgendwann in den Entzug begeben werde. In jedem Fall „Danke“ für diesen Denkanstoss!

    Gast
    Andrea Loidl
    5 Jahre zuvor
    Antworte  Andreas

    Meinen Eltern geht es auch so, dass sie – ab und an – über sich selbst in der 3. Person reden.

    In einer Fernsehserie der 1970er Jahre sagt die Figur über sich selbst: „Der Papa tut ..“ (ich habe vergessen, was er tut).

    Na dann.

    Herzliche Grüße

    Andrea

    32
    0
    Meinungen? Feedback? Schreib einen Kommentarx
    ()
    x