Die 3 wichtigsten „Taschengeld W´s“ (inspiriert von unserem letzten Besuch im Spielzeugladen)

Es ist jetzt das dritte Mal, dass ich von dem Lego- zum Playmobilregal schlendere. Ich bin im Schlepptau meiner Kindern. Meine Tochter hat sich überlegt, ihr Taschengeld in neue Loom-Bänder zu investieren. Mein Sohn möchte sich auch etwas neues kaufen, weiß aber nicht was.

Jetzt stehen wir wieder vor dem Playmobilregal. “So viel Geld hast Du nicht dabei”, kommentiere ich das 60 € teure Piratenschiff. Ich sehe seine Zerissenheit. Er möchte sich gerne etwas kaufen, weiß aber nicht was.

Mich nervt die Tatsache, dass er nur um des kaufens Willen sein Geld für etwas ausgeben möchte, dass er überhaupt nicht braucht. Was auch immer wir kaufen, in ein paar Tagen liegt es achtlos in der Ecke.

Ich möchte den Kindern beibringen, wie sie verantwortungsvoll mit ihrem Geld umgehen. Deshalb fange ich an auf Ihn einzureden. Ich erkläre ihm, warum das Quatsch ist, was er tut. Das ihm das Geld, das er jetzt ausgibt, später für etwas fehlen wird, das er wirklich haben möchte.

Nach 45 Minuten verlassen wir das Geschäft mit einer Tüte Loom Bändchen und einem ADAC Spielzeugauto. Wir sind alle genervt und unzufrieden.

Kindern den Umgang mit Geld beizubringen ist nicht einfach. Ich habe bei dem Thema bisher einige Fehler gemacht, doch ich habe daraus gelernt.

In diesem Artikel beantworte ich die 3 W´s zum Thema Taschengeld

  • ab wann
  • wie viel
  • wie oft

Die Aufgabe von Taschengeld – oder das warum

Fangen wir ganz vorne an. Was ist eigentlich die genaue Aufgabe von Taschengeld?


Wie bekomme ich das mit der Erziehung richtig hin?

Lerne wie Du Dir einen Erziehungskompass baust, der Dich sicher durch alle Phasen Deines Vaterlebens manövrierst. 


Die amtliche Definition von Taschengeld ist: „ein Geldbetrag, der Kindern zur freien Verfügung überlassen wird“. Taschengeld führt Dein Kind an den Umgang mit Geld heran. Durch das erste, eigene Geld soll es erfahren was das überhaupt ist – dieses Geld – und verstehen was Eigentum bedeutet.

Durch den Umgang mit Taschengeld, lernt Dein Kind den Überblick über seine finanziellen Möglichkeiten zu behalten. Es lernt Vergleiche anzustellen und eigenständige, finanzielle Entscheidungen zu treffen.

Damit ist der Umgang mit Taschengeld ein wichtiger Schritt zum selbstständig werden Deines Kindes.

Wie viel Taschengeld ist angemessen?

Taschengeld ist ein wichtiges Lehrmaterial und jedes Kind sollte Taschengeld bekommen. Damit Dein Kind damit wirklich umgehen und daraus etwas lernen kann, darf Taschengeld nicht zu hoch und nicht zu gering ausfallen.

Empfohlen werden die folgenden Richtwerte:

< 6 Jahre – 1 € / Woche

6–7 Jahre – 1,50 – 2,00 € / Woche

8–9 Jahre – 2,00 – 3,00 € / Woche

10 Jahre – 12,00 – 14,00 € / Monat

11 Jahre – 15,00 – 16,00 € / Monat

12 Jahre – 17,50 – 20,00 € / Monat

13 Jahre – 20,00 – 22,00 € / Monat

14 Jahre – 22,00 – 25,00 € / Monat

15 Jahre – 25,50 – 30,00 € / Monat

16 Jahre – 30,50 – 35,00 € / Monat*

17 Jahre – 41,00 – 45,00 € / Monat*

18 Jahre – 61,00 – 70,00 € / Monat*

(* ohne eigenes Einkommen)

Lesetipp: Statistik zur Entwicklung von Taschengeld

Als geeigneten Startpunkt für eigenes Taschengeld wird allgemein der Schulstart empfohlen. Wir haben das bei unseren beiden auch so gemacht, denn es unterstreicht einen neuen Lebensabschnitt.

Wir fanden zudem, dass vorher der Wunsch, sich etwas zu kaufen, bei unseren Kindern noch nicht so ausgeprägt war, das sich Taschengeld gelohnt hätte.

Was ich wichtig finde und was wir kürzlich geändert haben, ist der Zahlungsintervall. Einige Zeit haben wir das Taschengeld monatlich bezahlt.

Was wir festgestellt haben ist, dass die Kinder sich durch diesen langen Abstand, gar nicht mit dem Thema Geld beschäftigt haben. Der Betrag war häufig viel größer, als die gewünschten Ausgaben, weshalb sie nie auf etwas sparen mussten.

Wir haben dieses Jahr damit begonnen die Gesamtsumme etwas anzuheben und statt monatlich 4 € jetzt wöchentlich 1,50 € zu zahlen.

Wofür soll das Taschengeld ausgegeben werden?

Von dem Taschengeld können sich Kinder kaufen, was sie möchten. Das können Spielsachen, Süßigkeiten oder später das eigene Handy sein.

Wichtig ist, dass sie entscheiden was gekauft wird. Ganz alleine und selbstständig.

Das war ein Fehler, den ich gemacht habe. Ich wollte die Wünsche der Kinder filtern. Ich habe jedoch eingesehen, dass es viel besser ist, sie mit ihrem Geld tun zu lassen, was sie möchten.

Das ist leichter gesagt als getan, denn das bedeutet auch, dass Du planlose, überflüssige und sogar irrtümliche Käufe der Kinder ertragen darfst. Der Punkt ist, dass sie selber zu der Einsicht kommen müssen, ob das Geld sinnvoll oder nicht ausgegeben wurde. Sie sollen Fehler machen um diese selbst zu bemerken und daraus zu lernen.

Du darfst Dir auch Kommentare aber getätigte Käufe verkneifen – Sätze wie, “was hast Du denn da für einen Quatsch gekauft”. Das fällt Dir vielleicht leichter, wenn Du an Deine eigene Kindheit zurück denkst und an die Dinge, die Du so gekauft hast.

Taschengeld ausgeben

Mein größter Quatsch war zum Beispiel, damals ein Angelkasten aus dem Tele5 Shop (das war eine Art Vorreiter für QVC & Co.). Ich war noch nie angeln, hatte keine Freunde die angelten, wollte das Teil aber unbedingt haben. 70 DM hat das gekostet.

Ich war bis heute nie angeln.

Aus solchen Erfahrungen lernen Kinder.

Natürlich schreitest Du ein, wenn es gefährlich wird oder Du um Rat gefragt wirst. Ansonsten ist das Taschengeld Deiner Kinder nicht Deine Angelegenheit.

Wie bringe ich meinem Kind das Sparen bei?

Meine Mutter wollte damals immer das ich etwas von dem Taschengeld auf die Seite zu legen und spare. Ich habe nicht verstanden warum und habe es dementsprechend auch nicht getan.

Du kannst und solltest bei dem Thema keine Vorschriften machen, sondern es Deinem Kind überlassen, ob und wie viel es von seinem Taschengeld zur Seite legt.

Was ich wichtig finde ist, dass Kinder das “Konzept Sparen” verstehen. Am leichtesten funktioniert das, wenn ein größerer Wunsch im Raum steht. Arbeitet hierfür gemeinsam einen Sparplan aus. Vielleicht gibt es noch die Möglichkeit sich etwas dazu zu verdienen?

Wir hatten neulich so ein Projekt. Leopold wollte unbedingt einen Nintendo 3DS. Stattliche 250€ kostet so ein Gerät nebst Spiel und Zubehör.

Wir haben uns angesehen, wie viel Geld er in seinem Sparschwein hat und wie lange er sparen muss, bevor er sich seinen Wunsch erfüllen kann. Er hat dann konsequent darauf hin gespart und seine Ausgaben für „Match Attax“-Karten immer mit seinem Langzeit-Ziel abgewägt.

Er war mega stolz als wir den Saturn mit seinem neuen Nintendo verlassen haben (ich übrigens auch).

Taschengeld sparen

Taschengeldregeln für Eltern

Das Taschengeld ist ein wichtiges Erziehungstool für Dich. Wie gut es in der Erziehung Deines Kindes funktioniert, hängt aber mal wieder maßgeblich von Dir selbst ab. Daher habe ich ein paar allgemeine Elterntipps zum Umgang mit dem Thema Taschengeld zusammengefasst:

  • Pünktlich zahlen – wir haben gelernt, dass wöchentliche Auszahlungen bei kleineren Kindern besser sind als monatliche. Wichtig ist, dass Du pünktlich zahlst. Am besten machst Du Dir eine Erinnerung ins Handy.
  • Unaufgefordert zahlen – musst Du Deinen Chef bitten oder erinnern Dein Gehalt zu überweisen? Ich hoffe nicht. Denke also auch beim Taschengeld daran, ohne Aufforderung zu zahlen.
  • Bedingungslose Auszahlung – die Auszahlung des Taschengeldes passiert immer. Knüpfe es nicht an Konditionen wie Zimmer aufräumen oder ähnliches.
  • Kein Taschengeldentzug – Du kennst das vielleicht noch, dass früher schnell mal mit dem Entzug des Taschengeldes gedroht wurde, wenn Du etwas verbockt hast. Das sollte sich überholt haben (genau wie die Prügelstrafe).
  • Taschengeld ist keine Belohnung – genau wie Du Taschengeld nicht als Bestrafung einsetzen solltest, ist es nicht ratsam es als Belohnung einzusetzen. Es spricht nichts dagegen, Bonuszahlungen für erbrachte Leistungen zu tätigen. Taschengelderhöhungen sollten davon aber nicht abhängen.
  • Kein Nachschuss, Vorschuss oder Zulagen – wenn am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist, hat Dein Kind etwas gelernt. Es ist wichtig sich das Geld einzuteilen. Werde jetzt nicht weich und schieße Geld aus dem nächsten Monat vor oder gebe einen Zuschuss außer der Reihe. Hilf ihm besser zu verstehen welche Fehler es gemacht hat und wie es im nächsten Monat besser mit dem Geld auskommt.
  • Über Geld sprechen – je natürlicher der Umgang mit Geld für Dein Kind ist, desto besser wird es mit seinem Taschengeld und später mit seinem selbst verdienten Geld, umgehen können. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass Ihr zu Hause offen mit dem Thema umgeht und darüber sprecht. Wenn Du mit Deiner Frau Euren Haushaltsplan durchsprecht, lasst Euer Kind daran teilhaben. Es bekommt damit ein Gefühl für das Familieneinkommen und sieht, wie man Geld verplant.
  • Bei Geschenken zurückhalten – wenn Du möchtest, dass Dein Kind den Umgang mit Geld lernt, dann ist es wichtig, dass es noch Wünsche hat, auf die es sparen kann. Das heißt auch, dass Du Dich bei Geschenken und Einkäufen etwas zurücknehmen darfst und Deinem Kind nicht jeden Wunsch erfüllst. Das gilt auch für Oma, Opa, Onkel und Freunde. Wenn Dein Kind weiß, dass es alles bekommt was es sich wünscht, wird ihm der Sinn von Taschengeld (oder Geld im Allgemeinen) nicht klar.
  • Taschengeld nicht entfremden – auf der anderen Seite solltest Du nicht ins Gegenteil abdriften. Das Taschengeld ist nicht dafür gedacht die Grundversorgung Deines Kindes zu finanzieren. Also Bekleidung, Schuhe, etc. Gerade bei Teenies ist das ein schmaler Grat, denn die Wünsche nach Bekleidung werden immer extravaganter und teurer. Hier ist eine Mischung von Dingen, die Du bezahlst und die sich Dein Kind selbst kaufen muss, ratsam.

Deinem Kind beizubringen, wie es mit Geld umgehen kann, ist einer der wichtigsten Punkte in der Erziehung. In der Schule kommt das Thema leider viel zu kurz, weshalb die Verantwortung das Wissen zu übermitteln, komplett bei Dir liegt. Richtig angewendet, kann das Taschengeld ein sehr wirkungsvolles Hilfsmittel hierfür sein.

Ich gebe zu, das waren mehr als nur 3 W´s. Insgesamt waren es sogar doppelt so viele – (warum, wieviel, wann, wie oft, wofür, wie).

Und jetzt?

Zahlst Du Deinem Kind schon Taschengeld oder planst Du damit bald zu beginnen? Dann geh die Liste der Tipps aus dem Artikel durch und schaue, welche Du gut findest und umsetzen möchtest.

Vielleicht machst Du Dir gemeinsam mit Deiner Frau ein paar Notizen, wie Ihr mit Taschengeld umgehen möchtet. Dann könnt ihr regelmäßig kontrollieren, ob das mit dem Taschengeld so klappt, wie Ihr Euch das Anfangs gedacht habt.

Hast Du noch weitere Ideen oder gute Vorschläge zum Umgang mit Taschengeld? Dann poste doch etwas als Kommentar.

0 0 Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

4 Kommentare
Am meisten bewertet
Neueste Älteste
Feedback
Alle Kommentare
Gast
5 Jahre zuvor

Servus Andreas,

danke für den tollen Beitrag, wir haben uns auch intensiev mit dem Thema beschäftigt .

Uns hat das Buch ein Hund namens Money von Bodo Schäfer sehr weiter geholfen. Hier ein Link, falls du ihn veröffentlichen möchtest:
http://www.amazon.de/gp/product/3936135495/

Wir haben das Buch über mehrer Wochen vor dem Einschlafen vorgelesen und die Kinder haben dann ihren größten Wunsch überlegt auf den sie hinsparen wollen, auch haben wir dann die sogenannten Traumdosen angelegt mit einem Bild von ihren größten Wünschen.

Super wird auch das „Sparen für später“ mit der Ganz die goldene Eier legt super erklärt und es haben meine Kids sofort verstanden.

Liebe Grüße
Horst

Gast
Mima
5 Jahre zuvor

Das ist doch ein Tippfehler, oder?

10 Jahre – 12,00 – 14,00 € / Woche
11 Jahre – 15,00 – 16,00 € / Monat

Mit 10 Jahre 52€ im Monat?

4
0
Meinungen? Feedback? Schreib einen Kommentarx
()
x