Leben als Vater

Papa 2.0 – Das Potenzial der Zielgruppe Vater

Knapp ein Jahr ist es her, dass ich hier im Blog um Deine Mithilfe gebeten habe. Mein Leser Sebastian, selbst Vater und Student der Kommunikationswissenschaften, befasste sich seiner Zeit im Rahmen seiner Diplomarbeit mit dem Thema Das Potenzial der Zielgruppe “Vater” und welche Rolle Social Media bei Kaufentscheidungen spielt. Dank der Mithilfe der Leser von Papa-Online, konnte Sebastian eine sehr interessante Diplomarbeit abgeben die mit der Note 1,1 eine sehr gute Bewertung erhielt. Ich habe ihn gebeten, die Ergebnisse in einem Gastbeitrag für meinen Blog zu präsentieren – und hier ist er.

 

Das Papa- bzw. Eltern werden verändert so einiges. Jeder der es erlebt hat, weiß es und selbst die, die selbst noch keine Kinder haben, sind sich dessen – wenn auch nur zum Teil – bewusst. Ob es nun der Schlafmangel ist, das ständige Windelwechseln oder das Glück, das man verspürt, wenn man zum ersten Mal angelächelt wird – Gefühle und auch Verhalten ändern sich sehr.

Eine dieser Veränderungen ist auch deutlich im Kaufverhalten zu sehen und der Autor Robin Alexander bringt es in seinem Buch Familie für Einsteiger sehr treffend und humorvoll auf den Punkt:

„Mein Sohn ist kaum geboren, schon wollen seine Großeltern ihm etwas Gutes tun. […] Spontan weiß ich nichts, und meine Freundin, die gerade mit dem Kleinen aus dem Krankenhaus entlassen wurde, mag ich nicht wecken. Aber wie ich sie so daliegen sehe, blass und abgekämpft, […], fällt mir doch etwas ein: ‚Schenk uns eine gute Pfanne, Papa, eine gute Pfanne, in der man Steaks braten kann.‘ Die Steakpfanne ist super. […] Allerdings habe ich unseren Bedarf an häuslicher Infrastruktur grundfalsch eingeschätzt. Ein Kind zeitigt nämlich Folgeinvestitionen – und das nicht zu knapp. Und immer, wenn ich meine Kreditkarte hinüberreiche oder eine Rechnung bezahle, denke ich: Und ich Idiot habe mich für eine Steakpfanne entschieden!“ (Alexander, Robin, Familie für Einsteiger – Ein Überlebenshandbuch, Berlin, 2007)

Man kauft Artikel, von denen man nicht einmal wusste, dass sie existieren, man achtet auf einmal mehr auf Inhaltsstoffe, Dinge die schädlich für die Gesundheit sind, wenn darauf rumgelutscht wird und fragt ständig Freunde, Familienmitglieder und andere Eltern um Rat.

Social Media vereinfacht diese Suche, den Austausch und gerade als ich selbst Vater wurde, merkte ich, wie wichtig und nützlich dieses Tool sein kann. Aus diesem Grund entschied ich mich dazu, meine Diplomarbeit zu genau diesem Thema zu schreiben:

„Papa 2.0 – Das Potenzial der Zielgruppe ‚Vater’ und welche Rolle Social Media hier bei Kaufentscheidungen spielt“

Ich wollte aufzeigen, inwiefern Väter sich im Internet miteinander austauschen und sehen, ob dieser Austausch eine relevante Rolle bei den Kaufentscheidungen der Eltern in Sachen familienrelevanten Produkten spielt.

Die vielen Monate Recherche- und Schreibarbeit waren letztendlich sehr aufschlussreich für mich. Ich konnte feststellen, dass der „Papa 2.0“ – der Vater, der sich aktiv im Internet mit anderen Vätern und Müttern austauscht, noch eine recht kleine ist, die dennoch Zukunftspotenzial besitzt.
Es hat sich aufgezeigt, dass der Vater von heute aktiver in der Erziehung seiner Kinder einbezogen werden will, Väter nehmen auch schon heute aktiv an der Kaufentscheidung vieler Baby- und Kinderprodukte teil, was aufzeigt, dass der Vater eine durchaus nicht zu vernachlässigende Zielgruppe für Unternehmen wird. Erkennen Unternehmen diesen Trend, wird die Kommunikation in Zukunft wohl nicht hauptsächlich die Mütter ansprechen, sondern auch Väter gezielter angesprechen und auch überzeugen müssen.

Des Weiteren ließ sich aufzeigen, dass Social Media gerade für Eltern eine große Rolle in der Kaufentscheidung spielen. Fast 90% der befragten Väter und Mütter (400 Eltern wurden befragt) nutzen das Internet zur Informationssuche von Produkten, mehr als die Hälfte nutzen hier gezielt die sozialen Medien.

Der Austausch und die Produktinformation, gerade bei größeren Kaufentscheidungen, wie ein Kinderwagen, ist unabdingbar und Social Media vereinfacht und verbessert diese Möglichkeiten ungemein. Noch ist der Austausch zwischen den Vätern im Internet sehr überschaubar, doch ich denke, dass er in der Informationsbeschaffung einen immer wichtigeren Part übernehmen wird.
Ich glaube, dass bei bestimmten Produkten der „Papa 2.0“ zum Trendsetter und Meinungsführer werden kann und somit eine große Bedeutung für Unternehmen spielt.
Für Unternehmen bedeuten diese Ergebnisse natürlich, dass sie sich der Kraft von Social Media bewusst werden müssen. Sie müssen den Eltern aktiv zuhören. Sie müssen in Erfahrung bringen, was sich Eltern wünschen, was deren Fragen und Probleme zu verschiedenen Produkte sind und was sie gut finden.
Des Weiteren muss beachtet werden, dass Väter auch zu ihrer Zielgruppe gehören und anders angesprochen werden müssen als Mütter. In Zukunft wird es nicht mehr reichen, nur die Mütter zu überzeugen und darauf zu bauen, dass diese die letztendliche Entscheidung treffen.
Eltern entscheiden und informieren sich immer mehr zusammen und zu gleichen Teilen. Wenn sie die Väter im Social Web gezielt ansprechen, werden sie von der Trendsetter- und Meinungsführerposition dieser Väter profitieren können. Diese Väter werden mit ihren Frauen, Freunden, Bekannten und mit anderen Eltern über Baby- und Kinderprodukte sprechen, sich informieren und sich austauschen.

Wenn Unternehmen dieses Potenzial erkennen und es nutzen, könnte Deutschland sogar zum Vorreiter für andere Länder in diesem Bereich werden und zeigen, dass der Vater von heute die Väter und auch die Mütter von morgen mitreißen und von bestimmten Produkten überzeugen wird.
Falls jemand meine gesamte Arbeit lesen möchte, kann sie hier kostenlos heruntergeladen werden.

An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal herzlich Andreas und auch Chris von Sparbaby für die tatkräftige Unterstützung danken. Ohne euch wäre ich niemals zu aussagekräftigen Ergebnissen gekommen.

Nun bin ich über eure Meinung gespannt! Was meint ihr? Stimmt ihr den Ergebnissen zu? Wird der „Papa 2.0“ wachsen? Ich freu mich über eure Kommentare.


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    9 Kommentare
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    Gast
    8 Jahre zuvor

    Moin zusammen,

    ich habe kürzlich mit meinem Freund und Patenonkel meines Sohnes das Online-Magazin http://www.daddylicious.de gestartet. Es soll vieles von dem abdecken, was auf werdende Väter zukommt. Denn vieles wird von Vätern angeschafft und eine wirkliche Plattform für Produkte vom Kinderwagen, Babybett bis hin zum neuen Familienauto mit hilfreichen Tipps abseits der Mütter-Foren giebt es nicht. Wir wollen unterhalten, aber auch helfen. Mit Erfahrungsberichten und Antworten auf rechtliche Fragen. Es ist jeder eingeladen, sich mit einem Gast-Beitrag zu beteiligen. Wir wollen damit auch die Angebote für Väter vernetzen, um Daddies auch abseits unserer Seite entsprechende Angebote zu präsentieren. Eine interessante Frage, wie sich die Zielgruppe „Vater“ weiterentwickelt. Wir sind sicher, das dort noch viel Potenzial schlummert.

    Beste Grüße aus Münster
    Mark Bourichter

    8 Jahre zuvor

    Danke für Deine Vorstellung Mark.
    Wir müssen mal mit einander quatschen – besonders wenn Du nur einen Steinwurf von mir entfernt wohnst… 🙂

    Gast
    Christian
    10 Jahre zuvor

    Die Zielgruppe „Pappa 2.0“ hat auf jedenfall Zukunft, und birgt jede Menge Potential. Es gibt eine neue Väter-Generation, die aktiv gerne Papa ist, Verantwortung übernimmt, und miteintscheidet. Das spürt man wenn man mit offenen Augen durch Leben geht.

    Gast
    10 Jahre zuvor

    Wirklich ein sehr spannendes Thema!

    Ich arbeite in einer großen deutschen Kreativagentur und würde mich selbst riesig freuen, einen Kunden zu betreuen der diesen Weg stärker geht.

    Was man nicht vergessen darf ist, dass hinter der „Zielgruppe“ Papa 2.0 auch immer noch die soziodemographischen Merkmale stecken, auf Basis derer nach wie vor die meisten Marketingentscheidungen getroffen werden. Der berufstätige Alleinversorger, der vielleicht auch wenig Zeit zum privaten Austausch hat und/oder ein traditionelleres Rollenverständnis pflegt ist denke ich noch in der Mehrheit.

    Aber bin auch fest davon überzeugt, dass der Wandel in vollem Gange ist und immer mehr Väter sich in der Rolle Papa 2.0 sehen und so wird es auch nicht mehr lange dauern bis Pampers und Co. den Vater ansprechen werden.

    Ist ja nicht so, dass wir uns nicht von Emotionen leiten lassen 😉

    http://www.youtube.com/watch?v=8aCYZ3gXfy8

    Gast
    10 Jahre zuvor

    Wie können wir mehr Männer dazu bewegen? Vielleicht finden wir ein gemeinsames Projekt…

    http://www.finestdads.com/2012/06/papa-21-warum-schreiben-manner-weniger.html

    Gast
    10 Jahre zuvor

    Sehr guter Artikel! Ich frage mich immer wieder: Warum Mütter mehr auf Babyseiten/Elternseiten unterwegs sind oder schreiben Männer einfach nur weniger in Foren und sind dadurch „unsichtbare“ Leser?

    10 Jahre zuvor
    Antworte  finestdads

    Es ist, glaube ich, eine Mischung aus beidem. Zum einen sind Frauen einfach aktiver unterwegs bei diesem Thema und zum anderen posten und kommentieren Frauen auch mehr. Wir müssen einfach noch mehr Männer dazu bewegen sich aktiv zu beteiligen.

    Gast
    Mattes
    10 Jahre zuvor

    Also ich glaube auch, dass die Gruppe Papa 2.0 immer weiter wachsen wird. Gehöre ja schließlich selbst dazu. 🙂
    Ich sehe hier gerade das mein Projekt der „Papastammtisch“ in den Links ist. 🙂
    Ich hatte das Projekt vor einiger Zeit mal gestartet, war mit der Resonanz aber nicht so zufrieden. Scheinbar sind die Papas heutzutage schon über das Level „Forum nutzen“ hinaus und es werden „schnellere“ Medien wie Twitter usw. genutzt. Ein paar Papa-bezogene Werbespots hatte Andreas hier übrigens ja auch schon mal gepostet, dass zeigt ja, dass die Industrie so langsam „umdenkt“.
    Bin auf jeden Fall gespannt wie es in dem Bereich weitergeht.
    Ach ja und Herzlichen Glückwunsch Sebastian zur bestandenen Diplomarbeit! Klasse Ergebnis!

    LG,
    Mattes

    Gast
    Sebastian
    10 Jahre zuvor
    Antworte  Mattes

    Danke dir 🙂

    Ja, „langsames“ Umdenken trifft es gut – ich glaube noch immer, dass in der Zielgruppe viel mehr Potenzial steckt, als zurzeit angenommen / wahrgenommen wird. Es gibt hin und wieder Papa-bezogene Werbespots, aber dennoch wird es bei vielen einfach noch nicht so richtig umgesetzt.

    Was ich sehr schade finde, denn Unternehmen verpassen hier eine gute Chance und wie ich auch im Artikel und in der Diplomarbeit schreibe, könnte auch das Land Deutschland hier mal Vorreiter werden, aber wir scheinen immer hinterher hinken zu wollen und so richtig losgehen wird es wahrscheinlich erst, wenn die USA die Zielgruppe Vater richtig ernst nimmt und hier was macht. Dann werden Unternehmen in Deutschland erst erkennen, dass sie hier mehr machen müssen und umdenken.

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