Work-Familie Balance

Vereinbarkeit für Väter ist immer noch hart – warum eigentlich?

Als Mann Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen ist immer noch hart. Aber warum ist das so und was müssen wir tun, damit sich das endlich ändert? Darum geht es in dieser Folge des Podcasts. Um das Thema kümmere ich mich dieses Mal nicht alleine.

Meine Gäste sind:

Fabian Soethof

Er ist selbst Papa, bloggt auf newkidandtheblog.de über Väter und Vereinbarkeit und hat gerade ein Buch veröffentlicht. Es heißt “Väter können das auch” und trägt den vielversprechenden Untertitel: Es ist Zeit, Familie endlich gleichberechtigt zu leben.

Gabriel Rath

Ich bin Gabriel, Rostocker Jung`, verheirateter Vater von 3 kleinen Töchtern und kreativer Kopf mit einer Vorliebe für Digitale Kommunikation und New Work. Seit 2018 mache ich den Podcast „New Work Chat“. In meinem Blog schreibe ich über mein Leben zwischen Kinderzimmer und Digital Workplace.

Philip Krüger

Philip ist Erlebnispädagoge, Diplom-Sozialarbeiter, Sozialpädagoge, hat seinen Master in psychosozialer Beratung und Therapie gemacht und schreibt gerade seine Dissertation über Väter und Ihre Rolle bei der Geburt. Daher hat sich Philip auch eingehend mit Vätern beschäftigt.

Themen

  • was ist bisher zum Thema Vereinbarkeit für Männer passiert
  • wo liegen die aktuellen Probleme
  • stecken wir Männer in einer Versorgerfalle
  • wie durchbrechen wir die Retraditionalisierungsfalle
  • wie kann uns eine neue Einstellung zur Arbeit (New Work) bei dem Thema helfen

Das volle Transkript hier:

Transkript der Folge

Andreas Lorenz von papa online hier und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge des 2-Stunden-Papa Podcast.

Worum geht es in diesem Podcast? Es geht darum, wie wir als die neue Generation von Vätern, unser Leben und unsere Ansprüche an unser Leben hinter einander bekommen.

Was meine ich damit?

Unsere Generation möchte sich nicht mehr aufs Geld verdienen beschränken. Wir wollen uns zwar persönlich und beruflich entwickeln, dabei aber trotzdem eine wichtige Rolle im Familienleben spielen.

Wie das zueinander passt, damit beschäftige ich mich seit fast 15 Jahren im Blog und seit über 8 Jahren in diesem Podcast.

Eine lange Zeit. Und nach so einer langen Zeit, wollte ich mal einen Cut machen, um zu schauen, was sich getan hat.

Was hat sich bewegt und wo gibt es heute immer noch Problem dabei, Karriere und Familie als Mann unter einen Hut zu bekommen.

Dabei habe ich etwas – für mich – ganz neues festgestellt.

Wir sind gar nicht die Pionier-Generation von Vätern, die endlich etwas ändern wollen.

Ganz im Gegenteil.

Der Umbruch oder die Veränderung, die wir herbeiführen möchten, ist schon seit Jahrzehnten im Gange.

Darauf brachte mich Philip Krüger. Philip ist Erlebnispädagoge, Diplom-Sozialarbeiter, Sozialpädagoge, hat seinen Master in psychosozialer Beratung und Therapie gemacht und schreibt gerade seine Dissertation über Väter und Ihre Rolle bei der Geburt. Daher hat sich Philip auch eingehend mit Vätern beschäftigt und herausgefunden…

Das ist tatsächlich eine relativ gute Studienlage, gibt die in den letzten 20 bis 30 Jahren auch schon Entwicklung. hin zu einer sogenannten neuen Väterlichkeit, engagierte Väterlichkeit, involvierte Väterlichkeit.

Damit wir heute darüber sprechen können, wie der Vater von heute und die moderne Familie aussieht, haben Generationen von Männern vor uns, die wirkliche Pionierarbeit erledigen müssen.

Und das waren teilweise richtig dicke Bretter, die gebohrt werden mussten. Denn das Verständnis, dass wir Männer überhaupt für unsere Kinder da sein können und daher sollten, musste erst noch geschaffen werden, weiß Philip

So konnte man feststellen, auch teilweise innerhalb der Bindungstheorie, in der Bildungsforschung, dass Väter für ihre Kinder erst mal wichtig sind und auf der anderen Seite.

dass Väter für ihre Kinder genauso gut da sein können wie Mütter, das sein können, das heißt also, Väter können für ihre Kinder eine genauso gute Bezugspersonen sein und die Kinder genauso gut ihnen gut das Beziehungsangebot machen, in Bindung gehen und so weiter und so fort, man sagt dann ganz gerne auch Väter können alles genauso gut, wie die Mütter bis auf das Kind zur Welt bringen und Stillen, das sind die beiden Dinge, die wir Männer halt nicht können.

Krass, oder?

Die Erkenntnis, dass es eine gute Idee ist, dass auch Männer sich um die Kinder kümmern sollten und das gut können, ist also gar nicht so alt wie man meinen könnte.

Aber zwischen können und wollen gibt es ja auch noch einen Unterschied.

Häufig besteht das Klischee, dass Männer sich auf die Arbeit flüchten und sich gar nicht in den Familienalltag einbringen wollen.

Wie ist es also um die Motivation von Männern bestellt – hören wir noch einmal Philip

Ja, sie wollen das auch, und sie wollen sich mehr einbringen, sie wollen mehr Zeit. mit ihren Kindern verbringen, geraten dann doch immer wieder in dieser Situation, dass es beruflich nicht funktioniert, sich mehr Zeit dafür zu nehmen.

Früher sprachen wir von den sogenannten abwesenden Vätern, so geht man da jetzt aktuell nicht mehr dran als man sieht es nicht mehr so, dass es abwesende Väter sind, aber wenn man sich ganz genau anguckt, dann schaut es ein wenig so aus, wie man hat der ganzen Situation bloß einen neuen Anstrich verpasst.

Männer sind nach wie vor sehr stark beruflich involviert, es wird von ihnen erwartet. Sie gehen Vollzeit, arbeiten, sorgen für das sind ein vom strichen Familieneinkommen, sind dann halt am Wochenende verstärkt da oder in den Abendstunden, bekommen dann vom ganzen Tagesverlauf relativ wenig mit.

Ok, das kennen, glaube ich, viele berufstätige Väter, dass sie im Job stehen und daher in der Woche wenig Zeit haben sich um die Kinder und den Haushalt zu kümmern.

Und ich denke, diese Situation ist auch einer der Gründe, warum sich in den letzten Jahrzehnten vergleichsweise wenig, spürbar bewegt hat.

Darüber habe ich auch mit Fabian Soethof gesprochen. Er ist selbst Papa, bloggt auf newkidandtheblog.de über Väter und Vereinbarkeit und hat gerade ein Buch veröffentlicht. Es heißt “Väter können das auch” und trägt den vielversprechenden Untertitel: Es ist Zeit, Familie endlich gleichberechtigt zu leben.

In dem Buch stellt sich Fabian Fragen wie:

Was macht einen guten Vater aus?

Wie schafft man Familie, ohne sich beruflich zu zerreißen?

Und warum ist »gleichberechtigt« im Alltag so schwer?

Also ein perfekter Gesprächspartner für unser Thema heute. Hören wir mal rein, was Fabian zu sagen hat:

Die größte Herausforderung für Männer, Familie und Beruf heute dann Hut zu bekommen, ist das Aufbegehren gegen Rollenbilder, überholte Rollenbilder, die sie in sich drin tragen, durch die Sozialisation, die in ihrer Familie rund um sie herum täglich auf sie einprasseln, bewusste, unbewusst, die auch auf der Arbeit erwirtschaften, auch in der Gesellschaft sehr weit, zu weit verbreitet sind.

Wir müssen also unser Selbstverständnis, unserer Rolle ändern. Und das ist leichter gesagt als getan.

Denn wir leben ja nicht in unserem eigenen Kosmos.

Das ordnet auch Philip so ein

Wir haben es mit einer gesamtgesellschaftlichen Situation zu tun, die wir nicht aus dieser Familiensituation junge Eltern herauslösen können, sondern wir müssen es gesamtgesellschaftlich betrachten.

Aber was heißt das konkret?

Philip führt das so aus:

Die Erwartung an die Normalbiografie ist die Erwerbsarbeit. Es wird erwartet, dass alle Menschen voll erwerbsfähig am Leben teilnehmen. Das wird grundsätzlich erst mal von Männern wie von Frauen und allen anderen auch erwartet und sobald die Familie eintritt. Und das zeigen auch die Zahlen. Es gibt Studien, die sehr deutlich zeigen, dass kinderlose.

erwachsene Menschen, also Menschen, die keine Kinder haben und erwachsen sind, zu einem sehr großen Prozent sagt, Vollzeit Erwerbsbeschäftigung sind.

Es ist also eine “normale“ Erwartung innerhalb der Gesellschaft, dass jeder Vollzeit Arbeiten geht – Männer, wie Frauen.

So weit, so modern.

Denn vor 30 Jahren war es noch längst nicht normal, dass die Frau auch arbeiten geht.

Leider fallen wir in genau dieses, alte Rollenbild, dass wir gerne glauben hinter uns gelassen zu haben, recht schnell zurück – wie Philip berichtet

Wenn dann Kinder ins Spiel kommen, dann tritt diese sogenannte Retraditionalisierung ein. Man kann es auch die Traditionsfallen nennen, dass quasi Paare, die ein Kind bekommen.

in das in Anführungsstrichen traditionelle Familienbild, nämlich das des Vollzeit erwerbstätigen Vaters und der maximal Teilzeit erwerbstätigen Mutter zurück verfallen, was dann wiederum Effekte nach sich zieht, die sich auf unterschiedlich verteilte Care Arbeit, Sorgearbeit auswirken. Was sich natürlich auf das Einkommen auch auswirkt, was sich auf spätere Rentenleistungen Menschen gibt und so weiter und so fort halt, das hat seinen Ursprung unter anderem dort.

Also zugespitzt heißt das:

Jeder soll, arbeiten gehen.

Wenn dann aber Kinder anstehen, steht der Mann bitte den selbigen in puncto Brötchen verdienen und die Frau kümmert sich um Haushalt und Kind.

Welcome Back 1950.

Klingt überspitzt?

Es ist aber leider so. Denn wenn der Mann dann noch – neben seinem Vollzeitjob – es schafft sich mit dem Kind zu beschäftigen klatschen wir Beifall.

Diese Grundhaltung hält auch Fabian für falsch,

Männer müssen nicht beklatscht werden, wenn sie am Wochenende mal mit ihren Kindern auf dem Spielplatz gesehen werden. Das sollte selbstverständlich sein. Es sollte auch selbstverständlich sein, dass Männer all die Einbußen in Kauf nehmen, die Mütter bisher viel zu lang allein kaufen mussten, wenn Kinder kommen und sogenannter Karriereeinschnitt bevorsteht.

Der Blick auf die Männer allein bringt uns aber auch nicht unbedingt weiter. Spielen wir das mal durch. Wir schaffen es, unser eigenes Rollenbild zu ändern. Gesellschaftlich ist der Mann sowohl als Ernährer als auch als kümmernder Vater die Regel. Was ist mit der Frau?

Auch dazu hat Philip recherchiert.

Philip

Frauen hingegen sind, wenn sie Mutter werden, mit einem Weiblichkeitsüberschuss konfrontiert, dem sie auch nach gesellschaftlicher Vorstellung gerecht werden müssen. Soll heißen Frauen werden mit einem Bild konfrontiert, dass sie zum Beispiel stillen müssen, damit sie eine gute Mutter sind und das zwingt viele, viele Frauen, viele junge Mütter, auch wenn sie gut ausgebildet sind, wenn sie studiert haben, wenn sie gut im Berufsleben stehen.

Den die Berufstätigkeit zumindest mal für ein Jahr oder auch dann länger, vor allem, wenn es mehrere Kinder in der Familie gibt, zu verlassen, damit sie genau diesen normierten Weiblichkeit-Bildern auch entsprechend können, um dann, das ist ein Komplementär zu der Anforderung an Männer, nämlich, dass Männer das Bild des Familienernährers nach wie vor verinnerlicht haben, an der Stelle auch dementsprechend von ihnen erwartet wird, dass sie Vollzeit erwerbstätig gehen.

Also wir haben es mit einem Spannungsfeld von Selbstbild und Fremdbild sowohl beim Mann als auch bei der Frau zu tun, dass wir für uns und wir als Gesellschaft überdenken müssen.

Zu diesen eher “ideellen“ Perspektiven kommen dann noch die wirtschaftlichen hinzu.

Auf meine Frage, warum sich beim Thema Vereinbarkeit bisher so wenig getan hat, wenn doch schon so lange der Wunsch nach Veränderung besteht, trifft Philip mit seiner Beschreibung den Nagel, wie ich finde, auf den Kopf.

Wir haben eine Situation des gleichzeitig stattfindenden Wandels und trotzdem der Verharrung. Also man kann seit geraumer Zeit, wie zuvor erwähnt, beobachten, dass Veränderung da ist.

Männer wollen mehr sich in Familienthemen engagieren, sich in Kindererziehung involvieren und Zeit auch investieren in ihre Kinder, in ihrer Familie, schaffen es aber nicht. Und da sind wir wieder bei den gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen, solange wir ein 40 Stunden Vollzeit Modell als normal, als normales Erwerbsleben, als Grundlage haben und es dazu auch noch gerade in einigen Berufen üblich ist, mehr als 40 Stunden zu arbeiten. Solange werden wir, wird sich diese Situation nicht verändern.

Es scheint, als steckten wir Männer in einer “Ernährer falle” drin. Wir wollen mehr für die Familie da sein, müssen aber die finanzielle Basis dafür schaffen, dass unsere Familie einen gewissen Lebensstandard hält.

Eine Gleichberechtigung in der Partnerschaft, was Berufstätigkeit und Kinderbetreuung angeht, scheitert immer noch daran, dass die Partnerin das finanzielle Loch nicht füllen kann.

Fabian bringt dazu einen bedeutungsvollen Punkt an.

Erst wenn Männer ein sogenanntes gleiches Ausfallrisiko wie Frauen in der Arbeitswelt, also gleichberechtigter sind, dann schließt sich der sogenannte Gender Care Gap. Wenn also die Väter mehr Zeit zu Hause bei den Kindern verbringen im Haushalt da sind, schließt sich auch der Gender Pay Gap, weil dann Frauen genau das gleiche Risiko für Arbeitgeber bedeuten wie Männer. Dann kann man sie auch besser bezahlen, auch wenn sie Kinder bekommen. Ich spreche, ist ein bisschen überspitzt aus Arbeitgebersicht daraus und erst dann sind wir auf einem guten Weg zu mehr Gleichberechtigung.

Die aber auch dazu führt, dass uns allen besser geht, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Männer gerne aufrichtig 60, 70 Stunden die Woche arbeiten, den ganzen Financial Load alleine tragen und von ihrer Familie, von ihren Kindern und von ihrer Freizeit auch nichts haben.

Wie so oft gibt, es bei der finanziellen Problematik grundsätzlich immer zwei Stellen an denen wir schrauben können. Die eine Seite ist die Verdienstseite. Also wie können wir das angestrebte Netto-Einkommen mit zwei Berufstätigen erreichen?

Die andere Seite beleuchtet Papa Blogger, Rapper und New Work Experte Gabriel Rath für uns.

Vielleicht auch in anderen Begriff von Karriere, auch das ist eine Herausforderung für viele Männer, glaube ich, wegzukommen von diesem Denken, mehr arbeiten, um mehr Statussymbole zu erreichen.

Heute geht es vielleicht auch mal darum, weniger zu arbeiten, mehr da zu sein, für die Familie auch mal in Teilzeit zu gehen. All das sind bestimmt Themen, über die man sich Gedanken machen sollte

Die Idee dahinter, mit weniger materiellen Dingen klarzukommen, um stattdessen ein erfüllteres Leben zu führen, ist eine unbequeme Wahrheit.

Vielleicht kennst Du das Zitat aus dem Film Fight Club

Von dem Geld, das wir nicht haben, kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die wir nicht mögen.

Das könnten wir im Kontext vieler Familien umformulieren in:

Wir schuften 60 Stunden und können unsere Kinder nicht sehen, damit wir uns Dinge kaufen, die wir nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die wir nicht mögen.

Durch unser ständiges und fast schon krankhaftes Streben nach immer mehr begeben wir uns in eine fatale Abhängigkeit vom Arbeitsmarkt. Fabian meint dazu:

Auch Väter sollten in Elternzeit, gerne auch in Teilzeit gehen, gerne länger und dafür nicht nur selbst eine bessere Bindung zu ihren Kindern aufzubauen, um der Arbeitswelt zu zeigen, ich bin Vater, ich bin nicht nur Arbeitnehmer. Ich bin auch für meine Kinder, meine Familie da, sodass damit auch Frauen wieder früher beruflich einsteigen können und im Falle einer Trennung, Gott bewahre, später nicht auf das Einkommen ihres Mannes angewiesen sind.

Der Wunsch dafür muss natürlich von uns kommen. Damit meine ich nicht nur uns Männer – sondern von uns Eltern. Mann und Frau müssen es beide wollen und unterstützen, damit es funktioniert.

Aber natürlich können wir das alleine nicht schaffen. Die Politik muss mit ran und Fabian hat dazu ein paar Ideen.

Politische muss sich ändern, also die Arbeitgeber müssen noch mehr Gesetz Grundlagen an die Hand kriegen und auch die Arbeitnehmer.

Natürlich das Feld, das hat noch leichter gemacht wird, das bezahlten Vaterschaftsurlaub würde ich sagen Freistellung braucht zum Beispiel nach der Geburt, das ist ja gerade in der in der Mache und dazu gibt es Petitionen.

Aber auch die Firmen, die Arbeitgeber sind gefragt. Es ist in Ihrem eigenen Interesse. Das haben laut Vätermonitor 2021 des Familienministeriums 83% der Personalverantwortlichen und Geschäftsführer unterstrichen, in dem sie Familienbewusstsein im Unternehmen als wichtigen Wettbewerbsvorteil für Talente anerkannten.

Das ist auch Teil einer Forderung von Philip:

Es muss auch im beruflichen Umfeld anerkannt und normal sein, dass Familienväter zum Beispiel nicht in Vollzeit tätig sind oder dass sie mittags halten, die Firma verlassen und nach Hause gehen.

Das ist natürlich an vielen Stellen einfach nicht vorgesehen, aber das müsste sich an der Stimme verändern, damit es Männer auch motiviert, dort mehr Familienverantwortung zu übernehmen. Am Ende des Tages entscheiden doch viele Familien solche Themen über den Geldbeutel und solange wir einen Gender Pay Gap haben, der Frauen auch bei gleicher Qualifikation teilweise benachteilig und sie monetär schlechter stellt, solange haben wir diese sogenannte gläserne Decke.

Heißt am Ende des Tages der Schlüssel für eine nachhaltige Veränderung – Motivation?

Brauchen wir nicht alle eine neue, bessere Motivation, um den Sprung endlich zu schaffen?

Motivation in Unternehmen, Eltern als wichtige Talente anzuerkennen und sie als diese – also Talente und Eltern – zu unterstützen und zu fördern.

Und zwar ganz gleich, ob Mann oder Frau.

Motivation von Männern und Frauen, Karriere neu zu denken – wie Gabriel vorhin meinte.

Und vielleicht kommt das erst mit einem gewissen Alter. Ich kenne es von mir, dass mein Bewusstsein sich erst ändern musste.

Gabriel ging es ähnlich:

Für mich ist ganz klar Family First. Das habe ich aber auch in meiner Laufbahn lernen müssen, weil ich natürlich auch eine Zeit lang das nicht gemacht habe.

Ich habe bei einem Start-up gearbeitet Rostock und habe so viel gearbeitet, dass meine Frau mir zu Recht aufs Dach gestiegen ist.

Motivation aber auch für Männer und Frauen sich zu Hause zu engagieren. Für die Familie da zu sein und sich um die Kinder zu kümmern.

Und dabei hat Philip noch eine große Baustelle ausgemacht:

Solange Sorge arbeiten, da ist es egal, ob es sich um Sorge für die eigenen Kinder sorge, für ältere Menschen der eigenen Eltern vielleicht oder Schwiegereltern oder auch immer oder zu pflegen der andere zu pflegende Angehörige, solange diese Zeiten nicht gesellschaftlich besser akzeptiert werden und damit kann man tatsächlich auch mein zum Beispiel entlohnt werden oder ist andere monetäre Leistungen dafür gibt, solange wird sich an der Stellschraube wahrscheinlich wenig verändern lassen.

Biegen wir auf die Zielgerade dieser Podcastfolge ein und sprechen darüber, wie sich diese Herausforderungen auf unser Leben konkret auswirken.

Ein Gedanke drängt sich mir auf. Wenn wir als Familie gleichberechtigt unsere Berufsziele und unser Familienleben geregelt bekommen wollen, müssen wir unser Leben gemeinsam planen.

Dazu berichtet Gabriel aus seinem Alltag.

Große Herausforderung bei dem Thema Vereinbarkeit sind für mich natürlich auch die Art, wie man in der Partnerschaft zusammenarbeitet und ganz bewusst auch zusammenarbeitet. Ich glaube, man muss wirklich agil zusammenarbeiten, meine Frau und ich versuchen das, indem wir uns wirklich unsere Kalender anschauen, übereinander legen, indem wir schauen, was verbraucht, wie für Energie.

Ich habe einen Podcast, dem “New Work Podcast”, und da habe ich auch gelernt von meinen Gästen, unter anderem, dass es darum geht, die Energie zu managen, und darüber muss man mit seinem Partner, seiner Partnerin, im Austausch sein und das vielleicht noch der letzte Aspekt. Ganz wichtig auch der Austausch mit anderen Vätern, sich zu öffnen.

Auch das fällt, glaube ich, vielen Männern schwer und mir auch zu sagen Mensch, das ist echt heavy, wie da brauche ich mal deine Perspektive und deine Erfahrung, und in dem Austausch mit Männern kann man, glaube ich, sehr viel mit und voneinander lernen und insofern ist das auch hier eine gute Möglichkeit dafür.

Ein Wort, dass im Zuge der Vereinbarkeitsdiskussion oft genutzt wird, ist Work-Life-Balance. Dass es hier viele grundsätzliche Missverständnisse gibt, haben wir in Folge 15 bereits besprochen – ich verlinke Dir die Folge in den Shownotes.

Was aber auch wichtig ist – Work Life Balance kannst Du nur individuell für Dich erreichen. Wenn wir uns aber nicht mehr einzeln betrachten, sondern als ein Paar, ein Team, funktioniert der Begriff dann noch?

Hierzu Gabriel noch einmal:

Ich glaube, Work-Life-Balance ist ein Begriff, der uns nicht zu sehr weiter hilft an der Stelle. Es geht vielmehr darum, die Dinge und die Welten zu integrieren, ineinanderzustecken wie Lego Steine. Auf der einen Seite möchte ich gerne, wenn ich auf dem Spielplatz mit meinen Kindern bin, auch ganz da sein, es bringt also nichts für mich, nebenbei die Mails abzurufen, das habe ich früher auch getan und schlimmstenfalls läuft ein Kind gegen die Schaukel.

Besser ist es dann, ganz da zu sein und auf der anderen Seite, wenn ich arbeite, auch ganz bei der Arbeit zu sein und das ist nicht immer möglich und da hat auch jeder Verständnis dafür, wenn das Kind mal auf dem Schoß sitzt in der Video-Konferenz. Aber ich versuche schon, die Dinge so zu organisieren, dass ich sie trenne und dadurch wiederum vereinbare.

Das heißt, wenn ich bei der Familie bin, dann möchte ich auch nicht noch den Laptop auf dem Schoß haben am Bus Tisch, sondern dann bin ich bei der Familie und versuche dann, wie gesagt, auch mit Zeiten zu organisieren, in denen ich ganz für die Arbeit da sein kann, steht zum Beispiel auch morgens früh auf.

Das neue Leben, in dem wir es gemeinsam hinbekommen, unser Berufs- und Familienleben unter einen Hut zu bekommen, klingt zunächst ganz schön anstrengend.

Wir brauchen mehr Abstimmung, rühren gleichzeitig und gemeinsam in vielen verschiedenen Töpfen und wollen uns dabei nicht aus den Augen verlieren.

Wie schaffen wir das?

Hierzu hat Gabriel ein paar Ideen.

Sich Zeit zu nehmen für vier Bereiche. Das eine ist natürlich für die Arbeit zuschauen, wie bekomme ich das hin, wie kann ich das flexibel auch einteilen.

Das Zweite ist, wie viel Zeit nehme ich mir für die Familie als Einheit sozusagen. Das dritte ist für die Kinder, und bei uns ist es so, meine Frau und ich, wir nehmen uns auch noch mal Zeit für jedes einzelne Kind und das vierte, und das ist eine große Thematik ist die Partnerschaft und das bleibt, glaube ich, eine große Herausforderung, wenn wir zu Hause arbeiten, mit den Kindern unterwegs sind, die Arbeit auch nicht weniger wird sich immer wieder Zeit für die Partnerschaft zu nehmen. Und das fällt auch gerade meine Frau, mir sehr schwer, das bei drei Kindern hinzubekommen, aber diese Spontanität, die man braucht, die geht vielleicht ein bisschen verloren, aber man kann sie sich ein Stück weit herbei organisieren.

Zum Abschluss könnten wir die Folge so zusammenfassen. Wir stehen weit weniger am Anfang einer Entwicklung, als unsere Väter-Generation vielleicht gedacht hat. Wir haben viele Dinge bereits identifiziert, die gemacht werden sollten. Wir haben sogar schon die Parteien identifiziert, von denen eine Veränderung ausgehen muss.

Warum geht es nur so schleppend voran?

Hören wir hierzu Philip noch einmal.

An der Stelle muss man das tatsächlich so sehen, dass es sich wahrscheinlich ähnlich verhält wie mit dem Klimawandel. Da sagen auch viele, das ist wichtig, und da müssen wir was machen, nicht jetzt und nicht ich, um zu überspitzen. Hier braucht es, um an der Stelle die Bewegung und der Wandel der da ist doch mal aufzugreifen und zu beschleunigen und auch an der Stelle noch einmal sichtbar zu machen braucht es gute Rollenvorbilder.

Das heißt also? Junge Väter, die entsprechend aus dem Beruf aussteigen und an anderer Stelle vielleicht sichtbar werden und der Sorgearbeit nachgehen. Es brauche eine Absicherung für diejenigen, die halt Sorgearbeit übernehmen. Es braucht ein Verständnis dafür. Das heißt also auch, dass ich, wenn ich als junger Vater ein oder zwei Jahre aus dem Beruf ausgestiegen bin, um mich um die Familie zu kümmern, das ist selbstverständlich an meinen Arbeitsplatz zurückkehren kann, ohne dass ich nicht Sorge haben muss, dass ich am Tag meiner Rückkehr die Kündigung auf dem Tisch liegen habe. All solche Dinge, die braucht es einfach an der Stelle, damit wir diese Veränderung herbeiführen.

Wenn wir eine Kernaussage aus diesem Podcast mitnehmen wollen, was es braucht, um eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich hinzubekommen, dann hat Philip ein starkes Bild für uns.

Paare kommen aus der Retraditionalisierungsfalle nur raus, wenn sie eine sehr starke eigene Vorstellungen davon haben, wie sie ihr Leben organisieren wollen. Nur dann können Sie sich über diese gesellschaftlich normierten Bilder hinwegsetzen. Dazu braucht es aber sehr starkes Bild, wo es sein der handelnden Personen, es braucht eine sehr gute Selbstwirksamkeit. und sie müssen auch dafür sozial anerkannt werden.

Das heißt, es braucht an der Stelle auch dementsprechende Person Rollenvorbilder, die ihnen das vormachen oder die diese Handlung von Ihnen auch positiv kommentieren.

Wir brauchen also weiterhin den Pioniergeist. Ja – wir sind vielleicht nicht die Ersten, die die Notwendigkeit eines Wandels erkannt haben oder deren Wunsch danach stark ist.

Wir sind aber die, die den Staffelstab übernehmen und unseren Teil dazu beitragen, dass es auf lange Sicht gelingt.

Ich bedanke mich fürs Zuhören und Dein Interesse. Wenn Du Fragen oder Kommentare zu dem Thema hast, freuen wir uns über Deinen Kommentar. Du findest alles Links dazu in den Shownotes.

Ein großes Dankeschön an meine Gäste Fabian, Gabriel und Philip für Ihre Expertise und Beiträge. Mehr über die drei habe ich Dir ebenfalls in den Shownotes verlinkt.

In der nächsten Folge schauen wir uns ein Thema genauer an, dass wir heute angerissen haben. Und zwar beschäftigen wir uns mit der Frage, ob wir Väter in einer Art “Ernährerfalle” stecken und wenn ja, wie wir da wieder herauskommen.

Ich freue mich, wenn Du auch dann wieder reinhörst.

Bis dahin – machs gut – Ciao

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Letzte Aktualisierung am 22.05.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API


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