6 wichtige Tipps, wenn Papa auch Hausmann sein will

Auszeit.

Viersterne-Wellness Hotel mit Sauna, Whirlpool und Schwimmbad. Herrlich idyllisch gelegen, am Stadtrand von Dresden, die Weinberge im Rücken und die Sonne im Gesicht.

Klingt gut, oder?

Das dachte sich meine Frau auch und hat, von unserer Krankenkasse gesponsert, eine viertägige Auszeit vom Mutter- & Hausfrauenleben genommen.

Ich blieb zurück und durfte die Rolle des Hausmann übernehmen. Haushalt und Kinder managen.

Kleinigkeit.

Dennoch habe ich einiges gelernt und sechs sinnvolle Tipps für Dich, wenn Du auch mal ein paar Tage mit den Kindern alleine sein solltest. 

1. Verschaffe Dir einen Überblick was am Tag anliegt – am besten am Vortag

Vorbereitung ist die halbe Miete. Wenn Du Dir am Vortag schon einen genauen Überblick über den nächsten Tag machst, kannst Du Dich besser vorbereiten und gewisse Dinge einplanen.

Durch eine ordentliche Tagesplanung weißt Du genau:

  • wann Du aufstehen musst, um Dich selbst und die Kinder rechtzeitig fertig zu haben
  • was die Kinder anziehen sollten – sind sie viel draußen, dann etwas wärmeres – stehen verschiedene Aktivitäten im Kindergarten an (beispielsweise Sport) ist ein Zwiebellook am geeignetsten
  • welche Dinge eingepackt werden müssen (Sporthose für den Sportunterricht, Spielsachen für den Spielplatz, etc.)
  • welche Pausensnacks sie brauchen – eventuell kannst Du einiges davon bereits am Vorabend vorbereiten, das verschafft Dir mehr Luft und Zeit am Morgen wenn etwas Unvorhergesehenes passiert oder die Zeitplanung nicht ganz hinhaut

2. Kenne die Gewohnheiten der Kinder – alle

Wenn irgendwann die Sehnsucht der Kinder nach der Mutter wächst, reicht die kleinste Kleinigkeit um das Fass zum überlaufen und die Stimmung zum Kippen zu bringen. Bei mir ist das passiert, als ich Abends meinen Sohn fragte, was er nächsten Morgen anziehen möchte. „Mama, legt mir immer zwei Monturen zur Auswahl hin…“ wurde mir unter Tränen klar gemacht und ich brauchte 20 Minuten ihn wieder zu beruhigen und ihm zu erklären, dass Mama bald wieder kommt.

Um solche Zwischenfälle zu vermeiden, solltest Du alle wichtigen Gewohnheiten der Kinder kennen:

  • was essen die Kinder und wann
  • wann gehen sie ins Bett
  • welche Rituale gibt es, besonders tagsüber, wenn Du sonst nicht da bist
  • welche sonstigen Routinen hat Deine Frau mit den Kids

Je nach dem wie sonst Euer Tagesablauf aussieht, brauchst Du die Unterstützung Deiner Frau auch wenn es für sie oft schwer ist sich an alle Details zu erinnern, da sie oft automatisch passieren. Sich die Zeit zu nehmen einen Tag durchzuspielen lohnt sich. Es gibt Dir mehr Sicherheit und oft sind es die Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen.

3. Plane für alles ca. 50% mehr Zeit ein

„… das bisschen Haushalt… „, so oder ähnlich tönen alle Männer, wenn die Frauen sich über die tägliche Arbeitslast muckieren.

Wenn Du in die Rolle der Hausfrau und Mutter schlüpfst, ist es an Dir zu beweisen, dass Du es auch gut (vergiss besser) hinbekommst.

Ein guter Rat aus meiner frischen Erfahrung, plane deutlich mehr Zeit ein als Du es von Deiner Frau gewohnt bist.

Wenn Deine Frau es schafft nachmittags, zu kochen, zu saugen, zu wischen und mit den Kindern zu spielen solltest Du nicht versuchen die gleiche Schlagzahl zu planen.

Unsere Frauen haben eine viel größere Routine bei den täglichen Abläufen im Haushalt. Bei mir ging so viel Zeit alleine für das Suchen der geeigneten Utensilien drauf, dass die Hausarbeit deutlich länger dauerte.

Hinzu kommt noch, dass Du nichts zu Ende machen kannst. Ständig kommt eines der Kinder, „Papa, hilf mir mal hierbei“, „Papa, schau mal hier…“, „Papa ich muss Pipi…“.

Es gibt keine unterbrechungsfreie Zeit.

Ich habe fünf Mal ansetzen müssen, bis ich endlich unser Schlafzimmer zu Ende gesaugt hatte.

Daher mein Tipp, plane für die Dinge im Haushalt ca. 50% mehr Zeit ein als Du denkst, bzw. als Deine Frau benötigt. Dies solltest Du bei Deiner Tagesplanung (Punkt 1) berücksichtigen.

4. Mach Dir einen Essensplan

Eine Essensplanung ist meiner Meinung nach sehr wichtig und deshalb separat von der Tagesplanung zu sehen. Zwei Gründe:

  1. gutes Essen ist wichtig und das Zeitfenster am Tag für die Zubereitung recht klein
  2. Deine Flexibilität, wann das Essen fertig sein muss, ist sehr begrenzt – wenn Kinder Hunger haben, haben sie Hunger.

Deshalb, überlege Dir was Du in den kommenden Tagen kochen möchtest.

  • Stimm Dich mit Deiner Frau ab, was die Kinder gerne Essen und was es in den Tagen zuvor gab (um Wiederholungen zu vermeiden).
  • Überprüfe rechtzeitig (mindestens am Tag zuvor, während der Öffnungszeiten des Supermarktes), ob Du alle notwendigen Zutaten im Haus hast.
  • bereite am Vortag vor, was geht (Gemüse schnibbeln, Fleisch auftauen, etc.)

Wenn es dann endlich ans Kochen geht, beginne rechtzeitig. Du hast nur wenig Zeit bis, z. B. die Kinder vom Kindergarten zurück kommen oder bis Du wieder unterbrochen wirst (siehe Tipp 3).

5. Was tun bei Sehnsucht nach Mama?

Irgendwann kommt der Punkt, wo Du nicht mehr genügst und nach der Mutter verlangt wird. Bei uns war es meist Abends, wenn sie müde und abgekämpft waren.

Jetzt ist es wichtig die Wahrheit mit Fingerspitzengefühl zu kombinieren.

Fakt ist, Mama ist weg und sie kann nicht in wenigen Minuten bei ihnen sein.

Das alleine reicht, um Kinder in Panik zu versetzen.

Ich finde aber, es macht keinen Sinn ihnen irgendwelche Geschichten zu erzählen nach dem Motto „Mama kommt gleich wieder…“.

Wir haben es so gelöst:

  • ich habe den Kindern erklärt wo Mama gerade ist und was sie dort macht
  • wir haben die Tage gezählt bis Mama wieder kommt, bzw. wie oft sie noch schlafen müssen
  • wir sind unser Programm für die kommenden Tage durchgegangen und haben die Dinge, die die Kinder besonders gerne machen, in allen Details besprochen

Mit dieser Taktik holst Du sie aus dem Loch heraus, in dass sie fallen wenn sie merken, dass Mama nicht da ist. Sie fahren runter und beschäftigen sich mit anderen Dingen. Danach war bei uns immer alles gut. Wir haben in den folgenden Tagen immer besprochen in wie vielen Tagen Mama zurück kommt und hatten keine Probleme mehr.

6. Kontakt mit Mama: Ja oder nein?

Wie steht es mit telefonischem Kontakt?

Dank Videotelefonie per Handy ist es heute ja kein Problem mehr sich zu unterhalten und gleichzeitig zu sehen. So könnten die Kinder mit Mama telefonieren und sie sehen, auch wenn sie hunderte von Kilometern entfernt ist.

Jedes Kind ist anders und deshalb kommt es hier ganz klar auf das Kind an. Ich bin häufig unterwegs und telefoniere oft mit den Kindern, wenn ich nicht da bin. Daher nahmen wir an, dass es Ihnen auch nichts ausmacht mit Mama zu telefonieren, wenn sie nicht da ist.

Nach dem Telefonat waren meine Eskalationstipps aus Punkt 5 gefragt, denn das Gespräch hat die Sehnsucht nach der Mutter geweckt.

Wir haben daher an den folgenden Abenden beschlossen, miteinander zu telefonieren wenn die Kinder schon schlafen.

Hier musst Du notfalls ausprobieren, ob die Kinder es aushalten die Mutter zu hören bzw. zu sehen oder ob es die Sehnsucht zu sehr in Erinnerung ruft.

Gutes Zeitmanagement ist die halbe Miete

Wie Du siehst ist es gar nicht schwer alle Aufgaben mit Haushalt und Kindern unter einen Hut zu bekommen. Mit der richtigen Planung und Ablauforganisation, verliert die Zeit ohne Deine Frau Ihren Schrecken.

Ich habe die Zeit alleine mit den Kindern sehr genossen. Es war toll alleine für sie da zu sein, den Alltag mit ihnen zu erleben und den Tagesablauf gemeinsam zu meistern.

Wir hatten eine schöne Zeit und sind gut miteinander und mit den anfallenden Aufgaben klar gekommen.

Nach vier Tagen habe ich einen noch besseren Einblick in den Alltag meiner Frau bekommen und habe wirklich alle größte Hochachtung davor, was sie täglich alles so leistet. Ich kann sie nun, da ich erlebt habe was es heißt rund um die Uhr für die Kinder da zu sein und dabei auch noch den Haushalt zu schmeißen, besser verstehen wenn sie mal wieder bei Kleinigkeiten an die Decke geht oder einfach mal eine Auszeit braucht.

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CC-BY rights by jamingray – http://www.flickr.com/photos/jamingray/


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    11 Kommentare
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    Gast
    6 Jahre zuvor

    Hallo Andreas,
    ein wirklich sehr gelungener Beitrag, der mir mal wieder aufzeigt, wie wenig ich die täglich heimische Arbeit meiner Frau eigentlich honoriere. Häufig denkt man(n) aufgrund von ein paar Abendstunden-Aufpasser-Erfahrungen, man könne (würde man ja bloß nicht arbeiten gehen), die Familie und den Haushalt ebenso gut (wenn nicht sogar besser) wie die Frau mangagen können… dem ist aber oft nicht so…

    Danke für deinen Beitrag
    Beste Grüße
    DaddyD

    Gast
    Markus
    6 Jahre zuvor

    Hallo ich mache auch gerade diese Erfahrung meine Frau macht ne Ausbildung und ich versuche das alles auf die Reihe zu kriegen. Nur mit vier Kids ist das eben so ne Sache da sie auch alle sehr dicht beieinander sind.es geht viel schief und abends ist gemecker. Nur ich hatte das ja vorher alles nicht. Was kann ich tun selbst der beste plan bringt nichts.

    Gast
    Sven
    6 Jahre zuvor

    Ich hab das letztes Jahr am eigenen Leib erfahren. Meine Frau kam plötzlich ins Krankenhaus…
    Nun hab ich da gestanden mit Haushalt, kind , und nen 11std Tag Arbeit worüber mein EX cheef nicht verhandeln wollte.
    Gelernt hab ich, Frühstück vorbereiten und Klamotten zurecht legen, kundergartenbrote schmieren etc am abend davor vorzubereiten (z.b. Snacks in die Schale und Karton Milch daneben gestellt).
    Das macht den morgen entspannt und gibt einem die Chance auf den nötigen Kaffee früh.
    Wäsche wäscht idealer weise wärend man auf Arbeit ist, und der spülautomat reinigt nachts auch das Geschirr…
    Heftige Erfahrung aber ich weis jetzt dass ich es schaffe. Muss aber nicht nochmal sein.

    Gast
    Ahuefa
    8 Jahre zuvor

    Ich hab ja erst vor ein paar Minuten deinen Beitrag zu „Gute Väter brauchen gute Mütter“ (oder so ähnlich) gelesen und freue mich aufrichtig über diesen Text.
    Was mein Mann immer das Gefühl hat, es sei so easy (und unsere Tochter ist erst 1,5 Jahre alt).
    Ich WEISS, ihr Papas könnt es auch, macht es gut (wenn auch anders, nicht schlecht, aber eben anders ;)). Und ich rechne es euch auch hoch an, dass ihr auswärts arbeitet, aber eben, uns oder zumindest mir, fehlt manchmal halt das Lob. Und Lob ist ungleich Nicht-Meckern…

    Gast
    Merian Parvus
    8 Jahre zuvor

    Als ich letztes Jahr (mit Unterbrechungen) einen Monat meistern mußte bzw. durfte ging es mir in einigen Punkten wie dir. Ich habe vorher vieles unterschätzt. Am Ende war ich dankbar das Mama wieder da war aber die Zeit war auch toll und ich habe es genossen.

    Gast
    Thomas Brechelt
    8 Jahre zuvor

    Bei uns hat auch ein: „Mama kommt bald wieder Kalender“ (wie ein Adventskalender) geholfen. Jeden Morgen eine Überraschung auspacken kam gut an 🙂

    Gast
    8 Jahre zuvor

    Thomas, wirklich coole Idee.

    Gast
    DeWo
    11 Monate zuvor

    Also jetzt schüttelte ich mal als alleinerziehende und mit leider immer sehr nachlässigen Partnern den Kopf…
    Sehen Männer im Job auch nicht die Arbeit? Muss man ihnen da auch wöchentlich oder täglich kommunizieren was sie tun sollen bzw was zu machen ist.? 🤔😖
    Ehrlich mal. Setzt euch mal 3 Tage hintereinander hin und schreibt ganz genau mit, was den eure Frau da so täglich macht. Auch vor und nach ihrer Rbeit auswärts. Dann wisst ihr was im Haushalt zu erledigen ist. Ich möchte meinem Partner nicht auch noch regelmäßig ansagen müssen, was zu tun ist.
    Leider kann ich als Frau nichts dafür dass wohl die meisten Jungs als Kinder nur Mama beim Erledigen des Haushalts und der Kindererziehung sehen konnten und jetzt die Arbeit nicht sehen.
    Ich hab aber selbstständig gelernt, gewisse Männerarbeiten anzugehen (wechsle Autoreifen, verlegte Dübel in der Wand, schlage Nägel ein etc).
    Weil kein Mann da war, der das übernehmen hätte können.
    Ich denke dass sich die meisten Männer einfach auf die Frauen zu sehr verlassen… alleinerziehende Väter wissen vermutlich was ich meine. Aber das sind halt nur 1% aller Alleinerziehenden und um vieles weniger unter allen Männern und Vätern.

    Gast
    Ti Na W
    8 Jahre zuvor

    „Hinzu kommt noch, dass Du nichts zu Ende machen kannst. Ständig kommt
    eines der Kinder, “Papa, hilf mir mal hierbei”, “Papa, schau mal
    hier…”, “Papa ich muss Pipi…”. Es gibt keine unterbrechungsfreie Zeit.“

    Damit kämpfen auch wir Frauen! 😉 Und das ist der wesentlichste Punkt, um den ich meinen Mann beneide, nämlich unterbrechungsfrei zu arbeiten. Und ich genieße deshalb meine Bürotage sehr, weil ich sie als fast meditativ empfinde. Ansonsten kann ich auch als Mama allen deiner Punkte zustimmen. So mach ich das auch!

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