Erziehung richtig hinbekommen

Kommunikation mit Kindern: so gehst Du vor um Dein Kind zu überzeugen

Kommunikation mit Kindern kann besonders dann schwierig werden, wenn Du etwas erreichen möchtest. Du möchtest, dass Dein Kind etwas tut oder etwas lässt aber ohne der 50er Jahre Komando-Papa zu sein. Darum geht es in diesem Artikel. Du erfährst, warum Deine bisherigen Argumente nicht funktionieren. Ausserdem erfährst Du, wie Du durch ein klein wenig Umdenken, richtig und zielführend mit Deinem Kind redest.

Wusstest Du wofür das Wort ”Isso” (Kurzform für ist halt so) auch steht?

Ich

Schreie

Sonst

Isso ist ein Wort, dass wir einsetzen wenn uns die Argumente ausgehen oder wir keine Lust auf weitere Erklärung haben.

Als Vater habe ich mich dabei erwischt, wie ich diese Abkürzung gewählt habe, zum Beispiel weil ich keine Lust oder Zeit auf große Diskussionen hatte.

Im Nachhinein habe ich mich darüber geärgert, weil ich die Chance verpasst habe ein gutes Vorbild zu sein. Ich möchte meine Kinder lieber überzeugen als etwas anzuordnen.


Wie bekomme ich das mit der Erziehung richtig hin?

Lerne wie Du Dir einen Erziehungskompass baust, der Dich sicher durch alle Phasen Deines Vaterlebens manövrierst. 


Linktipp: Herausforderung Kindererziehung oder: Ich möchte nicht der „böse“ Papa sein

Kommunikation mit Kindern bedeutet Umdenken

Das mit dem Überzeugen von Kindern ist gar nicht so einfach. Kinder denken nämlich ganz anders als wir Erwachsene. Das ist der Hauptgrund, warum unsere logischen und sachlichen Argumente bei Kindern auf unfruchtbaren Boden fallen.

Ein paar Beispiele für logische und sachliche Elternargumente:

Du musst Dir Deine Zähne putzen, sonst gehen sie kaputt.

Wenn Du Dir das Spielzeug jetzt nicht kaufst und Dein Taschengeld stattdessen sparst, kannst Du Dir in zwei Monaten das größere Spielzeug kaufen.

Wenn Du jetzt nicht bald schläfst, kommst Du morgen früh nicht aus dem Bett.

Kommt Dir das eine oder andere dieser Erwachsenenargumente bekannt vor?

Und, wie haben sie bei Dir bzw. in der Diskussion mit Deinem Kind funktioniert?

Gar nicht, oder?

Lesetipp: Achtsame Kommunikation mit Kindern

Blickwechsel ändern bei Deiner Kommunikation mit Deinen Kindern

Warum haben diese Argumente nicht funktioniert?

Faktisch richtig sind sie alle. Logisch auch.

Es ist nicht so das Kinder das, was wir sagen, nicht kapieren oder die Konsequenzen nicht verstehen. Sie denken einfach anders.

Lass uns die Beispiele genauer unter die Lupe nehmen und zwar dieses Mal aus Sicht des Kindes:

Du musst Dir Deine Zähne putzen, sonst gehen sie kaputt.

Für uns ist klar, dass Bakterien den Zahnschmelz der Zähne angreifen und zu Karies führen. Wir wissen, dass Karies bei Milchzähnen dauerhaft negative Auswirkungen auf die spätere Zahngesundheit haben wird.

Kinder wissen das nicht. Der Sachverhalt in unserem Beispiel ist für Kinder zu abstrakt und daher nichts, mit dem sie etwas anfangen können. Besonders wenn sie müde sind oder das Zähneputzen, zu dem wir sie bewegen wollen, ihr Spiel unterbricht – verpufft unsere Argumentation.

Anderes Beispiel:

Wenn Du Dir das Spielzeug jetzt nicht kaufst und Dein Taschengeld stattdessen sparst, kannst Du Dir in zwei Monaten das größere Spielzeug kaufen.

Wenn Du jetzt nicht bald schläfst, kommst Du morgen früh nicht aus dem Bett.

Bei diesen beiden Beispielen ist der Sachverhalt mäßig abstrakt. Je nachdem wie alt die Kinder sind verstehen sie das sehr wohl.

Das Problem bei diesen beiden Beispielen ist jedoch, dass der Vorteil mit dem wir sie locken wollen noch zu weit in der Zukunft liegen. Kinder leben im Hier und Jetzt und was morgen oder gar in ein oder zwei Monaten passiert, haben sie noch gar nicht auf dem Schirm.

Wenn Du einem Kind sagst, dass er etwas morgen bekommt klingt das für sie als ob sie das nie bekommt.

Bei Deiner Argumentation darfst Du daher darauf achten, dass die Vorteile:

  1. nicht zu abstrakt sind – sie muss also verstehen welcher Vorteil sich für sie ergibt
  2. möglichst sofort eintreten – die Vorteile müssen sich in einem Zeithorizont abspielen, der für sie greifbar ist

Linktipp: 3 einfach Tipps für bessere Gespräche mit Deinem Kind

Erwachsene dürfen den Kinder erklären was auf sie zukommt

In Deinem Alltag gibt es die verschiedensten Situationen, in denen Du Überzeugungsarbeit leisten musst. Nicht immer kannst Du bei der Argumentation auf Vorteile für die Kinder zurückgreifen mit denen Du sie überzeugen kannst.

Ich habe es früher gehasst zum Friseur zu gehen. Ich fand das Kratzen der abgeschnittenen Haare in meinem Nacken unerträglich. Dazu noch das Stillsitzen.

Friseur ist auch immer ein Termin zu dem bei uns Überzeugungsarbeit notwendig wird.

Würden wir unseren Kindern sagen, ”So, macht Euch fertig – in 5 Minuten fahren wir zum Friseur.” wäre das Vorgehen von wenig Erfolg gekrönt.

Hier hilft es ihnen zu erklären was auf sie zukommt.

  • wir fahren jetzt zum Friseur
  • der schneidet Dir die Haare
  • danach gehen wir noch nebenan in die Eisdiele
  • dort darfst Du Dir ein Eis aussuchen

Dein Kind hat eine bessere Vorstellung was genau auf sie zukommt. Die kleine Bestechung oder Belohnung (such Dir aus was Dir besser gefällt) zeigt ihr einen Vorteil der zudem zeitlich in einem Rahmen stattfindet, den sie einordnen kann.

Kommunikation mit Kindern ist ein schmaler Grat zwischen Überzeugung und Manipulation

Ich finde es nicht verwerflich, wie in dem vorherigen Beispiel, bei der Überzeugung der Kinder auch die eine oder andere Bestechung zu verwenden.

Damit sind wir auf einem schmalen Grat zur Manipulation des Kindes unterwegs.

Manipulation halte ich auf jeden Fall für etwas, das nicht geht denn es greift zu weit in die Instinkte Deines Kindes ein und verfälscht sie mitunter. Das halte ich nicht nur für falsch sondern auch für gefährlich.

Warum?

Eltern manipulieren Kinder in der Regel nicht wissentlich oder absichtlich und schon gar nicht mit schlechten Absichten. Dennoch gibt es viele Beispiele, die Du vielleicht auch schon einmal beobachtet hast:

Da wird dem Kind, dass schon satt ist (oder gar kein Hunger hat) mit tollen Fliegerspielchen oder der Drohung, dass es heute nichts mehr gibt noch der eine oder andere Löffel Kartoffelbrei reingedrückt.

Da werden Angstszenarien kreiert wie wenn Du nicht lieb bist, kommt Dich der schwarze Mann holen.

Diese Art von Manipulation geht meiner Meinung nach zu weit. Kinder haben ein gutes Gefühl für sich selbst. Mit solchen Manipulationen wird dem Kind dieses natürliche Gefühl genommen.

Wenn Kinder durch Manipulationen beispielsweise das Gefühl für den eigenen Hunger verlieren und essen wenn sie essen müssen statt dann, wenn sie hungrig sind, neigen sie nicht selten zu Übergewicht.

Linktipp: Bist Du ein guter Vater? Frag doch einfach Deine Kinder

Kommunikation mit Kindern erfordert Geduld

Jeder, der schon einmal ein schwieriges Gespräch geführt hat weiß, dass Überzeugungsarbeit auch ein Geduldsspiel ist. Das ist mit Erwachsenen so und mit Kindern erst recht.

Je älter Deine Kinder werden, desto besser werden sie Deine Argumente verstehen und Du mit Deinen Überzeugungsversuchen erfolgreich sein. Wenn Dein Kind es von anfang an gewohnt ist nicht nur Anordnungen zu empfangen sondern überzeugt zu werden, wird es umso schneller gehen.

Ein schönes Indiz dafür, dass Du es richtig gemacht hast ist, wenn Dein Kind auf einmal versuch Dich argumentativ zu überzeugen. Ja, sie lernen sehr schnell…

Und jetzt?

Ich finde es wichtig Kinder zu überzeugen, statt ihnen immer etwas anzuordnen. Sicher gibt es Themen wo die beste Überzeugungsarbeit nichts bringt und eine klare Ansage erforderlich ist.

Wenn Du das nächste Mal versuchst Dein Kind zu überzeugen, stelle Dich darauf ein, dass Du mit einem Kind sprichst das anders denkt als Du. Wenn Deine Überzeugungsarbeit Erfolg haben soll, argumentiere klar und so, dass Dein Kind damit etwas anfangen kann.

Welche Erfahrungen hast Du dabei gemacht, wenn Du Dein Kind versucht hast zu überzeugen? Poste sie mir als Kommentar.


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    2 Kommentare
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    Gast
    6 Jahre zuvor

    Es mag mir entgangen sein, doch wo steht nun im Artikel, wie ich mein Kind überzeugen kann?

    Dass Kinder andere Argumente brauchen als Erwachsene sollte klar sein. Oft jedoch sind Argumente auch gar nicht zielführend.

    Kinder lernen durch Vorbilder. Wenn ich also möchte, dass meine Kinder jetzt Zähne putzen – was tu ich? Richtig: ich nehme sie mit ins Bad und putze mir die Zähne. In 90% der Fälle werden sie mitmachen.

    Oder ich gehe zum Frisör und nehme die Kinder mit. Spätestens beim zweiten Mal ist es langweilig und sie wollen selber.

    Erziehung ist m.E. in erster Linie Imitation, nicht Argumentation.

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