Kidhacking – ein Trick für die Kindererziehung der funktioniert

Warum kommen Kinder eigentlich ohne Bedienungsanleitung zur Welt?

Weil wir Männer die eh nicht lesen würden!

Aber mal ehrlich… nach dem ganzen Hype um Lifehacking, Jobhacking und was weiß ich noch alles stellte ich mir die Frage: gibt es einen Trick bei der Kindererziehung, mit dem ich endlich mal meine Kinder (damals 3 und 5) dazu bringe, das zu machen, worum ich sie bitte?

Das sagt einem als Vater irgendwie keiner. Die alten Modelle aus der preußischen Zeit haben ausgedient und mit Laissez Faire springen sie einem nur auf dem Kopf herum.

Da meine Geduld langsam am auslaufen war, musste eine Lösung her. Und wie es scheint, haben wir vor etwas mehr als einem Jahr eine gefunden, die wunderbar funktioniert und die ich hier und heute mit Dir teilen möchte.

Eine Währung für Benehmen

Wir haben eine familieninterne Währung eingeführt: wenn sich unsere Kleinen an vorher miteinander abgesprochenes Verhalten halten, dann können sie sich Chips verdienen, die sie dann hinterher für Belohnungen eintauschen können. Bei uns sind das Süßigkeiten, eine Fernsehfolge gucken, einen Film gucken oder einmal ein elterliches Nein durch ein kindliches Ja ersetzen zu dürfen.

Alle diese gab es bis dahin einfach so, manchmal abhängig vom Verhalten der Kinder, manchmal von unserem Wunsch, einfach mal ein bisschen Ruhe zu haben.

Heute sieht das bei uns anders aus: diese vier heiß begehrten Prämien gibt es nur noch im Austausch gegen Chips. Die Chips können sich die Kinder verdienen, indem sie sich zum Beispiel morgens selbst anziehen, den Weg zur Schule ohne Jammern laufen, abends ohne zu großes Geschrei im Bett verschwinden oder das alltägliche Chaos im Kinderzimmer aufräumen..


Wie bekomme ich das mit der Erziehung richtig hin?

Lerne wie Du Dir einen Erziehungskompass baust, der Dich sicher durch alle Phasen Deines Vaterlebens manövrierst. 


Klappt das immer? Nein, natürlich nicht. Manchmal haben die Kleinen einfach keine Lust, aber dann gibt es eben je nach Schweregrad der Verweigerung entweder keine Chips oder auch mal einen Sperrchip, der erst abgelöst werden muss, bevor wieder Belohnungen ertauscht werden können.

Der Clou: diese Belohnungen, die wollen die beiden immer wieder. Bei Stickern lockt der 34. keinen mehr hinter dem Ofen vor, aber eine Fernsehfolge gucken zu dürfen, das zieht jeden Abend wieder. Daher können sich die Kleinen auch nicht lange auf einem Stapel verdienter Chips ausruhen, sondern müssen sich immer wieder neue verdienen.

Die Psychologie hinter dem kidhacking

  1. Häufige Wiederholungen über einen gewissen Zeitraum hinweg verändern alte und schaffen neue Gewohnheiten. Damit wird das vorher Unmögliche, normalerweise im Laufe von 2 bis 3 Monaten, zum Normalen. Über Nacht klappt das leider nicht, aber wenn du es konsequent umsetzt, dann hast du ein wunderbares Werkzeug, um deine Kinder liebevoll zu formen.
  2. Verknappung erhöht den Wert. Warum ist Gold so viel wert? Weil es nicht so viel gibt davon. Seltene Briefmarken, Autos oder Uhren – gäbe es sie wie Sand am Meer, sähe ihr Wert anders aus. Das funktioniert auch mit Süßigkeiten, Fernsehzeit und vielen anderen Dingen.

Die Langzeitfolgen

Angefangen haben wir das wie gesagt vor etwas mehr als einem Jahr. Die Probleme von damals…

  • das morgendliche Theater vor dem Schulweg und das abendliche vor dem ins Bett gehen
  • ICH KANN NICHT MEHR WEITERLAUFEN!!!
  • die Angst vor dem Toilettenpapier nach verrichtetem Geschäft

…sind Probleme von gestern. Heute laufen meine Kinder selbst den Weg zur Schule, nachdem sie sich mit manchmal etwas mehr, meistens aber weniger Hilfe selbst angezogen haben.

Und seitdem ich geschwisterliche Gemeinheiten mit dem Transfer von Chips vom Verursacher zum Opfer ahnde, haben auch diese deutlich nachgelassen.

Dafür dürfen meine Kleinen fast jeden Abend ihre geliebten Ponys, Drachen oder was auch immer gucken. Und wenn eine Folge nicht reicht und die Frage kommt „dürfen wir noch eine gucken?“ habe ich endlich eine Antwort parat: „Habt ihr noch genug Chips dafür?“

Und spannenderweise wird die meistens sogar akzeptiert. Was sagt man dazu?

Falls deine spontane Reaktion dazu „das will ich auch!“ ist, dann habe ich hier für dich die Kurzfassung der kidhacking-Regeln. In voller Länge mit allen Verfeinerungen aus eineinhalb Jahren Verwendung kannst du sie dir auf meiner Seite http://www.inspirationspartikel.de finden und in aller Ruhe durchlesen oder als PDF herunterladen.

kidhacking Regeln, die Kurzfassung

Wir haben an einem schönen Sonntagmorgen damit angefangen, um das in aller Ruhe mit den Kindern durchsprechen zu können. Das hat wunderbar funktioniert, aber eine Weile gedauert – daher mein erster Rat an Dich: plane genügend Zeit dafür ein. Nimm einen ruhigen, entspannten Tagesabschnitt.

Setzt Euch alle um den Tisch. Erkläre, dass die Eltern gerne ein System einführen möchten, mit dem die Kinder sich Belohnungen freischalten können und dass es jetzt darum geht zu besprechen, was für Belohnungen das sind und wie das Freischalten funktioniert.

Sammelt zuerst 3-4 Belohnungen, die für die Kinder eine starke und vor allem wiederkehrende Zugkraft haben. Bei uns waren das Fernsehfolgen gucken, Süßigkeiten essen oder mal ein Nein der Eltern durch ein Ja ersetzen zu dürfen, insofern es den geplanten Tagesablauf nicht zu sehr aus der Bahn wirft.

Als nächstes besprich mit Deinen Kindern, mit welchen Verhaltensweisen sie sich Chips verdienen können. Auch hier haben wir die besten Erfahrungen mit 3-4 gemacht – zu viele und es wird schnell unübersichtlich.

Bei uns waren es selbst anziehen und zur Schule bzw. zum Kindergarten (selbst) laufen, Abends selbst den Schlafanzug anziehen und mit erträglichem Protest im Bett verschwinden und sich nach dem Pipi selbst abzuputzen und die Hände mit Seife zu waschen.

Als nächstes besprecht, wie viele Chips für die einzelnen Belohnungen bezahlt werden müssen. Bei uns waren es 2 für Süßigkeiten, 4 für eine Fernsehfolge (10 für einen ganzen Film) und 12 für eine Ja-Karte.

Fehlt nur noch eines: wie viele Chips sich die Kinder mit den Verhaltensweisen jeweils verdienen können. Wir haben es so aufgebaut, dass wir ein bis vier Chips ausgelobt haben, je nach Schwere der Aufgabe und auch auf “Einzelziele” Chips vergeben haben.

Beispiel:

Für das komplette Abendritual haben wir insgesamt vier Chips ausgelobt: einen fürs Schlafanzug anziehen, einen fürs Gutenachtpipi machen, einen fürs ins Bett gehen ohne Theater und einen fürs Leise sein nach 21 Uhr.

Wie Du Dir sicher vorstellen kannst, hat das nicht immer alles funktioniert. Ich habe dann die Chips gegeben, die sich meine Kleinen verdient hatten: Wurde es später als 21 Uhr, aber alles andere war erledigt, dann gab es eben drei Chips statt vier.

Wurde es allerdings viel, viel später, dann habe ich Stück für Stück wieder Chips von dem Stapel abgezogen. Normalerweise wurde es ruhig, bevor der Stapel dadurch abgetragen wurde 🙂

Ganz wichtig:

  1. Besprich es mit deinen Kindern in einem demokratischen Rahmen. Du hast viel mehr davon, wenn sie das akzeptieren und mitmachen anstatt sich dagegen zu sperren, weil es ihnen aufgezwungen wurde. Dass es gemacht wird entscheiden die Eltern. Wie genau es gemacht wird, da gibt es viele Möglichkeiten, die die Kinder mitgestalten können.
  2. Bleib konsequent. Es wird Theater und Geschrei geben. Weil nicht mehr genug Chips für einen Film da sind, weil es schon zu spät ist und die Chips erst morgen wieder eingelöst werden können und aus tausend anderen Gründen.
  3. Kredite aufnehmen ist verboten! Kinder können mit “auf Pump kaufen” nicht umgehen: sie rutschen voll in die Schuldenfalle hinein. Nutz die Chance, deinen Kleinen schon früh beizubringen, dass sie erst genug “Kindergeld” sparen müssen, bevor sie sich eine Belohnung damit kaufen können.

Spielmaterialien für kidhacking

Wir haben schöne, bunte Pokerchips genommen, da sie vorrätig waren und schwer kaputt zu bekommen sind.

kidhacking chips - Trick für die Kindererziehung

Als Spardosen haben wir einfach jedem Kind eine Apfelmusdose gegeben, die sie dann selbst noch bekleben und verzieren durften.

Wenn die Kleinen die Lücken im System finden

Wir haben mit dieser Grundversion angefangen. Natürlich hat es nicht lange gedauert, bis unsere zwei kleinen Schlaumeier Möglichkeiten gefunden haben, sich Vorteile zu verschaffen. Für eine ganze Reihe dieser Entdeckungen haben wir faire Lösungen gefunden. Alles hier zu posten würde den Rahmen sprengen.

Also wenn Du mehr erfahren möchtest, dann besuch mich doch mal auf meiner Seite http://www.inspirationspartikel.de. Da findest du die “kidhacking” Spielregeln mit allen Verfeinerungen, die ich in den letzten eineinhalb Jahren gesammelt habe. Ein richtig faires und deshalb sehr effektives Belohnungssystem sowie diverse andere Tricks und Ideen aus 7 Jahren Vatersein 🙂

Viel Spaß beim Ausprobieren! Ich freue mich darauf, zu hören, wie es für dich funktioniert hat. Fragen, Verbesserungsvorschläge oder einfach nur ein virtuelles Hallo sind auch jederzeit herzlich willkommen.

Über Stefan

stefan der Erfinder des kidhacking - trink für die KindererziehungStefan ist Glücksschmied, Papa, Erfinder, Bastler und Geschichtenerzähler.

Auf inspirationspartikel.de bloggt er und twittert unter @SmithingLuck

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Gast
Thomas Karbowski
6 Monate zuvor

Vielen Dank für die wertvollen Tipps zur Kindererziehung und für die Erklärungen der dahinter stehenden Psychologie! Gerade diese Vorgehensweise hat mein Onkel bei der Erziehung meines Neffen beherzigt. So ist es ihm tatsächlich gelungen, neue positive Gewohnheiten bei meinem Neffen zu schaffen. Die Knappheit der „Währung“ ist dabei äußerst wichtig – sonst kann sich das Kind alle „Nein“ durch ein „Ja“ ersetzen lassen!

Gast
babs
2 Jahre zuvor

Ich möchte hier einen kleinen Erfahrungsbericht mit einem ähnlichen System geben:
Aber zunächst: ich liebe meine Kinder bedingungslos, über alles und verurteile ihre Gefühle nicht, sie können mit allem zu mir kommen und dürfen mir jeder Zeit widersprechen. Wir gehen respektvoll miteinander und mit unseren Gefühlen um.
Mein ältester Sohn hatte mit 3 Jahren einige Schwierigkeiten mit seinem Selbstwertgefühl, sodass er sich selbst im Weg stand, wenn es darum ging Neues zu lernen. Er ging einfach davon aus es nicht zu schaffen würde und probierte es erst gar nicht. Wir haben also ein Belohnungssystem mit Stickern eingeführt für Zähneputzen, selbst anziehen, alleine auf Klo gehen, usw.
Nach nur 4 Wochen konnte er die meisten Aufgaben alleine meistern, war gestärkt und selbstbewusster. Im Kindergarten ging nicht mehr so oft etwas in die Hose, weil er sich nicht traute alleine aufs Klo zu gehen, beim Turnen machte er plötzlich mit, weil es ihm nicht peinlich sein musste, dass er sich nicht alleine umziehen kann. Er wurde von anderen Kindern weniger gehänselt und wurde selbstbewusster. Insgesamt wurde er ausgeglichener. Wir ließen das System dann auslaufen, und siehe da, die gelernten Dinge machten ihm weiterhin Spaß –
Worin besteht nun das Verwerfliche an dieser Methode?

Gast
4 Jahre zuvor

Lieber Peter, lieber Christoph, ich möchte mich herzlich bei euch für eure Kommentare bedanken.

Peter, danke dass du aufgezeigt hast, was man bei falscher Anwendung von kidhacking an Schaden anrichten kann. Das war absolut nicht die Intention meines Gastartikels bei papa online.

Christoph, danke dass du zu dem Artikel von Snowqueen gelinkt hast. Der ist eine wunderbare Beschreibung rund um das Tokensystem, der auch uns beim Lesen gleich ein paar weitere Ideen gebracht hat.

Snowqueens Zusammenfassung, worauf bei der Benutzung von Belohnungssystemen geachtet werden muss, finde ich super. Sie hat das viel besser beschrieben als ich es könnte, vor allem mit der Bemerkung „die Dosis macht das Gift“. Daher…

An alle Papas, die meinen Artikel gelesen haben und jetzt am Überlegen sind, das einzuführen: bitte lest euch diese Seite durch, bevor ihr zur Tat schreitet!

(Hier nochmal der Link: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/05/sind-belohnungssysteme-tokensysteme-und-verstaerkerplaene-fuer-kinder-sinnvoll-und-welche-vorteile-und-nachteile-gibt-es.html)

Wir haben kidhacking in diesen Gedanken bei uns zuhause eingeführt, aber ich habe diesen wichtigen Kontext – oder Beipackzettel, wie Christoph es so treffend benennt – nicht in dem ohnehin schon langen Blogartikel unterbringen können. Auf http://www.inspirationspartikel.de sind die ausführlichen Regeln zu finden, die viele der (wichtigen!) Punkte enthalten, die Snowqueen beschreibt.

Für mich gehört zur Vorbereitung meiner Kinder auf ihr späteres Leben, dass auch einmal gemacht wird, was man schon kann, worauf man gerade keine Lust hat. Wie eben den ganzen Weg zur Schule laufen statt getragen zu werden. Wie sich morgens und abends am Tagesablauf zu beteiligen, anstelle ihn komplett entgleisen zu lassen.

Die einzige Art, wie das mit meinen beiden Mädchen funktioniert hat, war, sie dazu zu motivieren, mithelfen zu wollen wenn es wichtig war, sie selbst gerade aber keine Lust dazu hatten.

Hätte es bei uns ohne Anreiz geklappt, dann hätten wir kidhacking nicht gebraucht. Wie mir unsere ältere Tochter aber vor einiger Zeit gesagt hat, als wir wieder einmal lange philosophiert haben, macht es ihr und ihrer Schwester großen Spaß, uns ab und zu so richtig auf die Palme zu treiben. Das ist auch ok, das gehört zum Kindsein dazu. Nur vor dem Schulweg (Zeitdruck) oder nach einem langen, anstrengenden Tag (auch ich bin einmal müde) muss das einfach nicht sein.

Daher ein Belohnungssystem, um das Auskommen miteinander zu verbessern. Wir haben es mit einigen Varianten probiert, bis wir dann gemeinsam mit unseren Kleinen kidhacking entwickelt haben. Das ist auch super wichtig, damit es überhaupt funktioniert: die Kleinen gestalten es mit.

So entstand unser System, das eine klare und damit faire Grundlage schafft, auf die sich unsere Kinder auch berufen können.

Mit einem freiheitlichen Rahmen, der nichts erzwingen, sondern fördern will.

Um nur ein Beispiel zu nennen, wo sich unsere Kinder sehr gerne und oft dazu entscheiden, das von uns gewünschte Verhalten nicht zu zeigen: wenn wir ihnen anbieten, sich Chips durch Aufräumen zu verdienen. Das bleibt noch immer regelmäßig an uns hängen und unsere Kinder sind trotzdem super und total in Ordnung – was wir ihnen auch jeden Tag mindestens einmal sagen.

Danke für eure Meinungen und Beiträge!

Viele Grüße, Stefan

Gast
4 Jahre zuvor
Antworte  Stefan Denk

Und noch ein Gedanke dazu: falls du, lieber Papa, am Überlegen bist, ein Belohnungssystem einzuführen – warum dann nicht eines, das auch langfristig funktioniert, gut durchdacht ist und vor allem fair und ausgeglichen ist?

Wir sind durch einige Iterationen gegangen, bis wir bei kidhacking angekommen sind: Sticker, Sammelpunkte, etc. Die haben alle im Laufe der Zeit ihre Zugkraft verloren. kidhacking haben wir seit 18 Monaten im Einsatz und es ist uns immer noch eine Hilfe durch das Ausschleichen von Belohnungen wenn sich etwas eingeschliffen hat und die *gemeinsame* Abstimmung, was als nächstes auf die Belohnungsliste kommt.

Am Besten ist es, wenn du für deine Lieben kein Belohnungssystem brauchst.

Aber falls du die Entscheidung getroffen hast, ein Belohnungsssytem einzuführen, dann biete ich dir unseres auf http://www.inspirationspartikel.de an, mit dem Beipackzettel von Snowqueen 🙂

Viele Grüße!
Stefan

Gast
Christoph Piefke
4 Jahre zuvor
Antworte  Stefan Denk

Lieber Stefan,
vielen Dank für Deine Antwort und die gute Diskussion 😀

Ich finde, Du hast das Thema nochmal schön zusammengefasst und wichtige Punkte hinzugefügt! Und danke für die Gelegenheit, dass ich auch mein Wissen nochmal auffrischen konnte.

Ich freue mich, dass Ihr gute Erfahrungen macht! Weiterhin viel Erfolg und Spaß dabei!

Viele Grüße, Christoph

Gast
Christoph Piefke
4 Jahre zuvor

Guten Abend,
ich möchte dazu einladen die hier vorgestellte Methode mit etwas Abstand zu betrachten. Es handelt sich dabei um eine gut bekannte, sehr starke und häufig auch sehr wirksame Methode zur Verhaltensmodifikation mit Hilfe von operanter Konditionierung, auch Verstärkerplan oder Tokensystem genannt.

Es gibt sicher Fälle, in denen es angebracht ist, diese ein zu setzen. Sicher ist es auch in Familiensituationen möglich, wenn das alles offen und undogmatisch gehandhabt wird und für die Familie insgesamt als Weg passt.

Ich möchte allerdings dafür sensibilisieren, dass insbesondere das Einüben von Belohnungsmechanismen im Zusammenhang mit erwünschtem Sozialverhalten bei Kindern („lieb sein, nicht Jammern, kein Theater machen“) Gefahren für die/deren Zukunft beinhaltet! Das Kind wird darauf geprägt, dass es eine materielle Belohnung für das „liebe“ Verhalten bekommt – und dass sich im schlimmsten Fall niemand dafür interessiert, wo das „nicht liebe“ Verhalten herkommt. Auch das als Störung empfundene Verhalten hat seinen Grund, dieser will auf einer Beziehungsebene gesehen werden! Wird er es nicht, wird das Kind also in seinen wahren Gefühlen nicht wahrgenommen, dann kompensiert es seinen (unterdrückten) Frust nur mit materiellem Ersatz.

Oder anders: Der kleine Mensch könnte auf die Idee kommen „dass gemein sein Scheiße ist, weil ich dann Tokens verliere“, und nicht „gemein sein ist Scheiße, weil ich Mitgefühl empfinde“.

Das ist natürlich extrem formuliert – kann sich aber einschleifen!

Einen leicht zugänglichen und von vielen Seiten betrachtenden Überblick zu diesem Thema gibt es zum Beispiel hier:

http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/05/sind-belohnungssysteme-tokensysteme-und-verstaerkerplaene-fuer-kinder-sinnvoll-und-welche-vorteile-und-nachteile-gibt-es.html

Vor einiger Zeit habe ich einen Text einer amerikanischen Kinderärztin oder Kinderpsychologin gelesen, die die gesamtgesellschaftlich negative Auswirkungen von den in den USA schon viel länger beliebten und überall eingesetzten Tokenprogrammen auf die Psyche der Kinder/ junger Erwachsener erörtert. Dieser war auch sehr ausführlich und differenziert, leider finde ich ihn gerade nicht wieder. Läuft er mir wieder über den Weg, reiche ich ihn nach.

Ich denke, diese Methoden der Verhaltensmodifikation sind sehr wirksam und haben auch gewiss ihren Anwendungsbereich, man sollte sie nur nicht ohne „Beipackzettel“ verkaufen.

Viele Grüße, Christoph

Gast
Peter
4 Jahre zuvor

Ach schön, auf dieser Seite wird also zensiert, wenn es mal ne andere Meinung gibt

Gast
4 Jahre zuvor
Antworte  Peter

Entspann Dich – hier wird (jeder Kommentar) moderiert, nicht zensiert.

Gast
Peter
4 Jahre zuvor

Dieser Artikel kann doch nicht Ihr ernst sein? Das Bild das Sie hier zeichnen ist, dass Kinder von Grund auf falsch funktionieren und dass man sie „hacken“ muss, um sie so zu programmieren, wie sie es sich wünschen, damit es bequemer für sie ist. Das ist nicht nur unfassbar egozentrisch, sondern auch menschenverachtend.
Was kommt bei Ihren Kindern an? Ich bin falsch, so wie ich bin. Man muss mir mit Strafen drohen, damit ich mein falsches Verhalten anpasse. Ich werde nicht für das geliebt, was ich bin. Und das Beste, ich mache ab sofort nur noch Dinge, für die ich belohnt werde. Herzlichen Glückwunsch dafür, dass Sie damit die nächste Generation an Egomanen erziehen.
Kinder sind von Geburt an so „programmiert“, dass Sie mit Ihnen kooperieren wollen. Durch ihr System nutzen Sie dies schamlos aus. Die Gefühle Ihrer Kinder unterdrücken Sie damit gekonnt. Sie werden damit vermutlich die nächsten Jahre sehr gehorsame Kinder haben, die nur noch das machen und denken werden, was Sie Ihnen sagen. Die Wut, die sich in den Kindern durch die unterdrückten Emotionen aufstaut, werden Sie dann spätestens zurückkriegen, wenn sie erwachsen sind und dies durch ihre wöchentliche Therapiesitzung begreifen.

P.S. ich finde es erschreckend, dass hier solche Gastautoren ihre kranken Erziehungsmethoden preisgeben dürfen und sich dafür auch noch feiern lassen wollen. Das wirft auch weitere Fragen auf bei Ihren eigenen Artikeln. Ich empfehle in jedem Fall den Lesern, dass was hier so geschrieben wird kritisch zu hinterfragen…

Gast
4 Jahre zuvor
Antworte  Peter

Ich kann an einer Gamification von Erziehung im ersten Step nichts „krankes“ entdecken. Die Kinder werden nicht bestraft, sondern positives Verhalten belohnt.
Dass Verhalten immer eine Konsequenz hat – positiv und weniger positiv – ist etwas, dass Kinder ruhig lernen dürfen.
Wie bei vielem im Leben empfehle ich Dir: wenn das für Dich nichts ist, lass es. Keiner zwingt Dich dieses oder ähnliches anzuwenden.

Gast
Robert
3 Jahre zuvor
Antworte  Andreas

Auch ich war etwas verwundert als ich diese Methode der Kinder „Erziehung“ las. Ich bin mehr oder minder Peters Meinung und wunder mich doch sehr mit welchen Methoden manche Eltern Ihre Kinder konditionieren. Vielleicht wäre da die Anschaffung eines Hundes damals sinnvoller gewesen!? Das Verhalten eine Konsequenz haben kann, in welche Richtung auch immer, dem Stimme ich zu aber auf Basis eines Geldsystem sich Dumm TV, krankmachendes „Essen“ oder ähnliches zu erkaufen sagt schon einiges über den geistigen Zustand derer aus die sowas gut heissen. Anstatt das diese Menschen sich fragen warum das eine oder andere Verhalten grade präsent ist und was dahinter stehen könnte, machen se sowas wie Kidhacking. Alleine schon der Name verursacht Gänsehaut bei mir. Geht’s noch??? Kinder brauchen vor allem Liebe, Liebe, Liebe, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Verständnis, Grenzen und Führung von Ihren Eltern. Kinder wollen gesehen werden. Sie brauchen keine Plastiktaler nachdem sie das gewünschte Verhalten an den Tag legen um Ersatzliebe und Ersatzzuwendung zu kaufen. Kommt mal klar, wacht auf und denkt mal um. Kinder sind eine spirituelle Aufgabe, man darf jeden Tag als Eltern an sich und am eigenen Verhalten arbeiten und sich selbst hinterfragen. Kinder kommen perfekt zur Welt, alles was danach kommt, was euch an ihnen nicht gefällt ist auf eurem eigenen Mist gewachsen. Eure Entscheidung eures Verhaltens, eure Entscheidung welches Umfeld sowie alles andere was euch, eure Familie und eure Kinder betrifft. Kinder spiegeln nur euch selber. Alle Argumente die jetzt in euch hochkommen sind einfach nur ausreden um die Methoden zu rechtfertigen und sich selbst eingestehen zu müssen das man da was gänzlich falsch gemacht hat. Zeigt Demut, verbindet euch wieder mit dem ganzen und hört auf falschen Propheten zu folgen. Liebt eure Kinder bedingungslos!!!

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