Vom Erzeuger zum Papa – die Geburtsvorbereitung für Männer

Baby
Lesezeit: ca. 7 Minuten

Die Zeit der Schwangerschaft ist für Frauen meist sehr intensiv. Gerade wenn es die erste ist und all die Veränderungen völlig neu sind, ist die Frau sehr mit sich und ihrem neuen Körpergefühl beschäftigt. Als Mann bist Du buchstäblich “außen vor” und bekommst von den Veränderungen wenig mit. Die Anforderungen an uns Männer sind in dieser Zeit überschaubar: einfach da sein, unterstützen, verständnisvoll sein, etc. Mit dem Tag der Geburt, steigt dann jedoch sprunghaft der Erwartungsdruck, denn wir wollen der perfekte Papa sein.

Auch für uns Männer ist ein Baby eine der extremsten Veränderungen unseres Lebens, wenn nicht sogar die extremste Veränderung. Wie bei so vielem im Leben gilt hier, gute Vorbereitung ist das A und O. Wie kannst Du Dich als Mann aber auf die Geburt und die neue Rolle vorbereiten? Kurse für Männer sind Mangelware. Die angebotenen Kurse sind stark auf die Frau ausgerichtet und befassen sich schwerpunktmäßig mit der Geburt. Die Männerrolle in solchen Kursen ist oft untergeordnet oder findet keine Berücksichtigung.

Training für den Mann

Meine Vorbereitungsphase auf die Vaterrolle habe ich auf zwei Säulen aufgebaut:

  1. Information
  2. Beteiligung

Information - wenn Du weißt was passiert hast Du ein ganz anderes Verständnis und kannst dem Thema Schwangerschaft und Geburt gelassener entgegenblicken. Wie und worüber kannst Du Dich informieren?

  • Bücher - es gibt viel Literatur zum Thema Geburt und Schwangerschaft aber wie so oft, auf die Frau gemünzt. Doch auch die Rolle des Vaters und sein Informationshunger wurde erkannt und es existieren mittlerweile einige gute Titel. Was ich gelesen habe und sehr empfehlen kann ist z. B.: Das Papa Handbuch* oder auch sehr nett aber weniger informativ: Sohntage*
  • Internet - natürlich Papa-Online.com :) aber es gibt auch noch andere Seiten (z. B. Väterzeit).
  • Väter - warum nicht die erste Adresse für Erfahrungsaustausch zum Vatersein aufsuchen und mit dem eigenen Vater anfangen? Auch wenn sich die Rolle des Vaters in den letzten Jahrzehnten geändert hat, kann so ein Gespräch viele nützliche Informationen zu Tage bringen. Und mit wem kann man besser seine Ängste und Bedenken besprechen als mit einer engen Vertrauensperson?

Beteiligung - bei der Zeugung warst Du beteiligt und Du musst jetzt nicht 9 Monate warten bis das Kind da ist um mitmachen zu können. Auch an der Schwangerschaft kannst Du und solltest Du teilnehmen und schon eine Beziehung zu Deinem Kind aufbauen.

  • Sprich mit dem Baby – etwa ab dem 4. Monat kann das Baby hören. Also erzähl ihm doch schon mal was gerade so los ist – wer ist Tabellenführer beim Fußball, wie ist das Wetter so, etc. Das Kind gewöhnt sich an Deine Stimme und Du kannst Dich jetzt schon mit ihm beschäftigten. Übrigens, viel mehr Reaktion als jetzt wirst Du in den ersten Monaten nach der Geburt auch noch nicht bekommen.
  • Fühle das Baby - in der etwas späteren Phase der Schwangerschaft wirst Du das Kind spüren können. Es tritt, boxt und dreht sich im Bauch der Frau. Wenn Du von außen die Hände auf den Bauch legst, kannst Du es deutlich spüren und sogar mit Bewegungen über den Bauch stimulieren. Ich kann nur sagen, die erste Bewegung unseres Kindes durch die Bauchdecke meiner Frau zu spüren war ein unglaubliches Gefühl.
  • Beobachte - OK, von außen sieht man nicht viel, deshalb geh doch regelmäßig mit zum Frauenarzt und schau beim Ultraschall zu. Mit der heutigen Technik ist es möglich, 3D Bilder und Videos zu machen. Einige Ärzte bieten sogar an den 3D Film auf Kassette oder DVD zu kopieren, so dass Du Dein Kind auch zu Hause anschauen und vorführen kannst.
  • Geh’ mit – schwangere Frauen haben einen vollen Terminplan (regelmäßige Frauenarzttermine, Geburtsvorbereitungskurse, Akupunktur, Massage, Schwangerschaftsschwimmen,…). Mach doch einfach bei einigen dieser Aktivitäten mit. Geh mit zum Schwangerschaftsschwimmen und bleibt nach dem Programm noch etwas länger im Schwimmbad. Geh mit zu den Terminen beim Frauenarzt – besonders wenn es Ultraschalluntersuchungen gibt. Begleite sie zum Geburtsvorbereitungskurs, usw.. Das soll jetzt nicht heißen, dass Du überall mit hingehen sollst. Such Dir aus was Dich interessiert und unternehmt das dann zu zweit.

Schwangerschaftsvorbereitungskurs – auch Männer können hier was lernen

Der obligatorische Schwangerschaftsvorbereitungskurs, den jede schwangere Frau mitmacht, wird häufig als “Hechelkurs” von uns Männern belächelt. In der Tat lernen die Frauen hier, wie sie mit der Geburt umgehen und sie möglichst gut ertragen können. Doch auch als Mann sollte man mal mitgehen. Viele Kurse bieten sogenannte Partnerabende an, zu denen die Männer eingeladen werden. Ich habe auch an einem solchen Partnerabend teilgenommen und dabei viel gelernt:

  • Was passiert genau bei der Geburt? Die Hebammen haben Modelle und Puppen dabei und demonstrieren die einzelnen Stufen der Geburt, teilweise werden Bilder gezeigt (das habe ich ausgelassen) so dass der genaue Ablauf der Geburt deutlich wird.
  • Was ist die Rolle des Mannes bei der Geburt? Als Mann bist Du bei der Geburt ziemlich machtlos. Du kannst nichts wirklich großes machen um Deiner Frau zu helfen. Damit dies nicht zu einer traumatischen Erfahrung wird, bereiten Dich die Hebammen genau darauf vor.
  • Entspannungsmassage für die Frau? Eine der wenigen Dinge, die Du als Mann im Kreißsaal machen kannst ist Deine Frau zwischen den Wehen zu massieren damit sie sich entspannt. Nicht alle Frauen mögen in den Ruhephasen zwischendurch angefasst werden aber wenn doch, solltest Du wissen was Du tun kannst.
  • Atemübung der Frau. Daher der Name “Hechelkurs”. Die Frauen lernen mit welcher Atemtechnik die Wehen am besten auszuhalten sind. Wenn Du diese Technik auch kennst, kannst Du Deine Frau daran erinnern wenn sie im Eifer des Gefechts das richtige Atmen vergisst.
  • Wie wickle ich das Baby? Direkt nach der Entbindung wirst Du als frischer, stolzer Papa wahrscheinlich als erster das Baby auf den Arm bekommen. Ein Moment voll Stolz, Freude aber auch Unsicherheit. Damit die Unsicherheit weicht, zeigen Dir die Hebammen, wie Du das Baby halten musst und wie man es wickelt.

Das besonders nette an solchen Partnerabenden ist, dass man viele Männer kennenlernt, die in genau der gleichen Situation sind wie Du. Wenn die Chemie passt, kann man sich für künftige Treffen verabreden und den Vorbereitungskurs beim Bier besprechen. Da Euch die gleichen Themen bewegen und interessieren, bietet sich viel Gesprächspotential. Zu einigen Vätern aus dem Vorbereitungskurs habe ich heute noch Kontakt.

Elternvorbereitungskurse

In Bayern macht gerade eine andere Art von Vorbereitungskurs von sich Reden. Mit dem Safe-Programm, das vom Staat gefördert wird, bekommen künftige Eltern praxisbezogen beigebracht wie sie sich mit dem Neugeborenen richtig verhalten. Es geht darum, die Signale des Kindes richtig zu deuten und entsprechend zu reagieren. Eltern wird somit die Unsicherheit genommen wenn sie mit ihrem Kind aus dem Krankenhaus nach Hause kommen. Solltet Ihr aus Bayern kommen oder Euch dieses Programm einfach so interessieren, findet Ihr hier weitere Informationen.

Auch Du bist “schwanger”

Die Zeit von der Zeugung bis zur Geburt ist nicht exklusiv für die Frau gedacht. Begib Dich nicht ins Abseits und sei nur Zuschauer sondern nimm aktiv an der Zeit teil. Baue so früh wie Du kannst eine Bindung zu dem Kind auf. Es ist noch kein Superpapa vom Himmel gefallen. Je früher Du anfängst, desto besser.

(* dies sind Affiliate Links zu Amazon.de. Wenn Du darauf klickst und eine Bestellung tätigst bekomme ich dafür eine kleine Provision – Du zahlst aber keinen Cent mehr)

Photo credits: efleming

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5 Kommentare

  • wie jetzt, das baby kann erst ab dem 4. monat hören. da stimmt etwas nicht.

    • Hallo Danilola Ich habe zu dem Thema einiges recherchiert. Es gibt keine allgemeine Aussage ab wann das Baby im Bauch genau hören kann. Keine der Untersuchungen bestätigt jedoch das Hörvermögen von Babies vor der 20. Woche, also zwischen 4. und 5. Monat. Vorher nehmen sie nur die Schwingungen war können aber nicht wirklich hören. Andreas

      • hallo andreas, ah ok – ich dachte du meinst nach der geburt. hätte ich mir auch denken können. lg und danke für die antwort. danilola

  • Hi Andreas,

    super Seite bisher, besonders dieser Artikel gefällt mir gut. Werde meinen Freund mal “unauffällig” darauf aufmerksam machen. ;) Sehr sinnvolles Projekt, ich hab wirklich die Schnauze voll von den Milliarden und Abermilliarden rosaroten Mama-Blogs, die andere Seite des Elternseins ist schließlich ebenfalls von Interesse, auch für Frauen. Weiter so!

    Viele Grüße, Phrixus

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    Ja richtig, sechs Wochen.

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