Arbeiten von zu Hause – der Weg in Dein Home Office

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Hubert K. verlässt das Haus morgens gegen 6:30 Uhr, während der Rest der Familie noch schläft, um noch vor dem großen Stau auf der Autobahn zu sein. Sein Arbeitsweg beträgt 65 km und dauert in der Regel zwischen 50 und 60 Minuten – wenn kein Stau hinzu kommt. Huberts Arbeitstag beginnt um 8:00 Uhr, doch er muss die 30 Minuten Puffer einkalkulieren, um eventuelle Staus oder andere Verkehrsbehinderungen auszugleichen.

Nach seinem Arbeitstag verlässt Hubert das Büro gegen 17:30 Uhr und quält sich durch den Berufsverkehr nach Hause. Oft kommt er dort nicht vor 19:00 Uhr an. Er spielt noch kurz mit seinem Sohn, der gegen 20:00 Uhr ins Bett geht – seine 7 Monate alte Tochter schläft oft schon wenn er heim kommt.

Findest Du Dich in diesem Beispiel wieder? Wäre es nicht toll, wenn Du Deine Arbeitszeit etwas besser mit Deinem Familienleben synchronisieren könntest und die verlorene Zeit auf der Autobahn wegfallen würde?

Das Büro zu Hause, zu neudeutsch “Home Office” macht all das möglich. Du kannst Dich morgens direkt an die Arbeit machen, ohne lange Anfahrtswege. Deine Mittagspause verbringst Du mit Deiner Familie und wenn zwischendurch mal etwas anliegt, kannst Du kurz zur Hand gehen. Du kannst Dir Deinen Arbeitstag so einrichten, wie es Dir am besten auskommt. Beispielsweise kannst Du nachmittags Zeit mit den Kindern verbringen und die liegengebliebene Arbeit abends erledigen, wenn der Nachwuchs schläft.

Ein Home Office hat viele Vorteile und bietet Dir größere Freiheiten. Leider ist es in Deutschland immer noch eine “exotische” Arbeitsform, die aber mehr und mehr Anhänger findet. Wenn Du auch gerne von zu Hause arbeiten würdest, kann Dir vielleicht meine kleine Strategie helfen, Deinen Chef von Heim-Arbeitsplatz zu überzeugen.

Tausche Großraumbüro gegen Home Office

Der Weg aus dem Großraumbüro hinein ins Home Office ist, gerade bei deutschen Unternehmen, oft nur schwer umzusetzen. Zu groß sind die Vorbehalte der Chefs gegenüber der Heimarbeit, zu stark der Kontrollwille und die Skepsis über die Arbeitsleistung wenn der Arbeitnehmer “von der Leine” gelassen ist. Ich habe das große Glück für ein taiwanesisches Unternehmen zu arbeiten, in dem eine solche Arbeitsweise Gang und Gebe ist.

Wenn Du im Home Office arbeiten möchtest um Deine Zeit besser einteilen zu können und näher bei der Familie zu sein, mußt Du nicht zwangsläufig den Arbeitgeber wechseln. Selbst der konservativste Chef lässt sich für eine Home Office Lösung erwärmen – die richtige Strategie vorrausgesetzt.

Verschwinde aus dem Büro

Um Deine Büroabstinenz vorzubereiten solltest Du zunächst einmal das Büro verlassen – das ist schließlich das Ziel. Suche einen Grund, warum Du für die nächsten ein bis zwei Wochen nicht im Büro sein kannst. Gibt es Umbauarbeiten am Haus, die Deine Anwesenheit erfordern? Ist Deine Frau krank oder benötigen die Kinder Deine Anwesenheit? Es gibt viele Gründe, die Deine Abwesenheit im Büro bzw. Deine Anwesenheit ausserhalb des Büros notwendig machen können.

Dein Chef könnte Dir hierfür Urlaub ggf. sogar unbezahlten Urlaub anbieten. Das solltest Du verhindern in dem Du ihm glaubhaft machst, dass ein bestimmtes Projekt Deine Aufmerksamkeit und Bemühung erfordert oder Du Deine Kunden in der aktuellen Marktlage unter gar keinen Umständen jemand anderem überlassen möchtest. Biete ihm stattdessen an, Dich von zu Hause um die Arbeit zu kümmern.

Mache die kommenden 1-2 Wochen zu den produktivsten Wochen

Wenn Du Deinen Chef dazu gebracht hast, sich auf die 1-2 Wochen Heimarbeit einzulassen, musst Du Vollgas geben. Es geht darum, in dieser Zeit so viel zu schaffen und zu erreichen, dass es ihm auffällt.

Du musst alle Register ziehen um Deine Produktivität in dieser Zeit auf ein Höchstmaß auszubauen. Kümmere Dich nur um Deine Hauptaufgaben und erledige in dieser Zeit so viel wie Du nur irgendwie kannst.

Suche das Gespräch, ohne mit der Tür ins Haus zu fallen

Nachdem Du wieder ins Büro zurückgekehrt bist, solltest Du nach ein paar Tagen das offene Gespräch mit Deinem Chef suchen. Ideal ist es, wenn er Dich auf Deine überragende Leistung während Deiner Abwesenheit anspricht, wenn nicht solltest Du den Anfang machen. Beginne damit, wie gut es Dir gefallen hat von zu Hause zu arbeiten. Wie angenehm es war, direkt mit der Arbeit zu beginnen ohne die Zeit vorher im Auto zu verschwenden.

Dieses Gespräch ist der Dreh- und Angelpunkt und kann über Erfolg oder Misserfolg Deines Home-Offices entscheiden. Daher solltest Du Dein Gespräch sehr gut vorbereiten. Sammele möglichst viele Punkte wie Deine Home Office Aktivität der Firma dient, bspw. die Zeitersparnis durch wegfallende Arbeitswege (= mehr Zeit für die Arbeit), die geringere Ablenkung durch Kollegen, die eingesparten Kosten für den Büroplatz und ziehe Deine erreichten Leistungen heran, um mit diesen den Vorteil der Heimarbeit zu unterstreichen.

Klein anfangen

Nachdem Du den Weg bereitet hast, geht es nun darum Deine Forderungen zu formulieren, ohne es wie eine Forderung klingen zu lassen. Je nachdem wie offen in Deiner Firma das Thema Home-Office gehandhabt wird, solltest Du klein anfangen. Zu Beginn ist es ein Erfolg wenn Du an ein bis zwei Tagen von zu Hause arbeiten kannst. In den Tagen, an denen Du zu Hause arbeitest, solltest Du weiterhin deutlich mehr schaffen als an den Tagen an denen Du im Büro bist, um Deine Verhandlungsposition für eine spätere Ausweitung der Abwesenheit vom Büro zu verbessern.

Binde Deinen Chef in den Prozess der Arbeitsaufteilung ein und lasse Deine Idee zu seiner Idee werden. So kann er sich intern als Pionier positionieren, der neue Wege geht.

Halte die Hintertür offen

Wenn Du merkst, dass Dein Chef auf all die überzeugenden Argumente nicht so recht einsteigen will, öffne ihm die Hintertür. Biete ihm an, probeweise für einen Monat die neue Regelung zu testen. Wenn er sich mit dieser Regelung danach unwohl fühlt oder mit Deiner Leistung unzufrieden ist, kannst Du immer noch zum alten Konzept zurückkehren.

Diesen Vorschlag wird er in der Regel nicht zurückweisen. Dann ist es an Dir diese Chance zu nutzen und mit maximaler Leistung, an den Tagen im Home Office, für dieses Konzept zu werben.

Ich spreche aus eigener Erfahrung wie angenehm die Arbeit im Home Office ist und möchte Sie nicht mehr missen. Mit dieser kleinen Strategie, sollte es Dir gelingen Deinen Chef, zumindest probeweise von einem Arbeitsplatz außerhalb der Firma zu überzeugen. Was Du dann aus dieser Chance machst, liegt letztendlich an Dir.

Wie stehst Du zur Arbeit von zu Hause aus? Wie wird es bei Dir in der Firma gehandhabt? Mich interessieren Eure Erfahrungen und Ansichten zu dem Thema und ich freue mich über Deinen Kommentar.
Foto: Fabio Bruna

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11 Kommentare

  • Schöner Artikel und gute Tipps. Ich bin selbst junger Vater und würde gerne mehr Zeit zu Hause verbringen. Da ich im Verkauf bei einem Industrieunternehmen (traditionell!!) bin, könnte ich vieles von zu Hause erledigen – den Rest der Zeit bin ich sowieso bei Kunden unterwegs.

    Ich spiele schon lange mit dem Gedanken meinen Vorgesetzen darauf anzusprechen ob ich nicht ein paar Tage in der Woche zu Hause arbeiten kann. Dank Notebook und Handy dürfte das kein Problem darstellen. Ich werde mal einige Deiner Tipps ausprobieren. Danke nochmals und weiter so.

    p. s. Habe für Dich bei der Blog WM gevoted. Alles Gute!

  • Ich arbeite schon seit vielen Jahren in eine vollkommen flexiblen Arbeitsumfeld (Englisch auch gerne ROWS – Results Only Work-Space – genannt, interessante Studien dazu bei Google) und geniesse es, selbst definieren zu können wann und wo ich arbeiten möchte, allerdings ist das je nach Alter der Kinder und der Gesamtsituation auch nicht wirklich einfach, drei kurze Beispiele hierzu:

    1. “Irgendwie nervt mich der Laden heute”: Da ist es doch praktisch, dass die Ablenkung in Form der Familie ja nur wenige Meter entfernt, da kann man eben doch mal, nur kurz, … DESHALB möchte ich den angesprochenen Punkt der Disziplin nochmal klar verstärken – wer von zu Hause arbeitet muss MINDESTENS die gleiche Performance bringen wie derjenige, der im Office ist, arbeitet man sehr viel von zu Hause kann das bei der Leistungsbewertung sogar zum Problem werden, eine aktuelle Studie zum Thema gibt’s unter http://twitthis.com/j9ktjt (nur auf Englisch verfügbar)

    2. “Aber der Papa ist doch da”: Es ist alles andere als einfach meiner knapp 2,5 Jahre alten Tochter zu erklären, dass der Papa zwar da ist aber halt irgendwie auch nicht (es hat auch bei meiner Frau Jahre gedauert…) – und wenn man dann in die großen Augen schaut denkt man vielleicht drüber nach, dass man doch mal kurz … wie das weiter gehen kann haben wir unter 1. schon betrachtet

    3. “Äh, Schatz, kannst du mal kurz…”: Seit nicht all zu langer Zeit hat sich die Anzahl unserer Kinder verdoppelt und alle die mehr als 1 Zwerg zu Hause haben wissen, dass in dem Fall 1+1>2 gilt – und natürlich will man ja auch helfen wenn der Partner es gerade mal nicht schafft beide Kinder zu beschäftigen – und schon wieder droht Ablenkung und somit das Phänomen aus 1.

    Ich mag nicht falsch verstanden werden – es ist immer eine Frage der Umstände und sicherlich erstrebenswert, daß auch deutsche Unternehmen anfangen zu begreifen welche Potentiale in ihren Mitarbeitern stecken wenn man den Rahmen zur Leistungserbringung erweitert – aber wie Spiderman schon so schön sagt “Mit großer Macht kommt große Verantwortung”, also Papas schaut was geht aber macht Euch auch Gedanken, welche Alternativen es geben könnte …

    Ich arbeite momentan normalerweise NICHT von zu Hause, frühstücke aber jeden Morgen wenn ich da bin mit meiner Tochter und versuche so pünktlich aus dem Büro zu gehen, daß wir wenigstens noch gemeinsam Abendessen können – eventuell dadurch noch nicht erledigte Dinge mache ich nachdem alle Kinder (und eventuell auch meine Frau) im Bett sind – sicherlich auch eine interessante Spielart der “Heimarbeit”, wenn man nicht an einen festen zeitlichen Rahmen gebunden ist.

    Viel Glück all denjenigen, die sich auf diese Reise begeben, ich empfinde sie als eine sehr spannende Erfahrung von der Mann selbst aber auch die ganze Familie profitieren kann.

    • Danke für Deine sehr ausführliche Antwort. In der Tat bedarf es bei der Arbeit aus dem Home Office einer großen Portion Disziplin – sowohl für den Vater, der zu Hause arbeitet, als auch für den Rest der Familie. Ein schönes Thema für den nächsten Blogpost ;) .

      Danke auch für den CIO-Link aus Deinem Tweet und dem Kommentar. Sehr nette Anekdoten. Bei der einen oder anderen kann ich mich sogar wiederfinden. Ich werde jetzt aber nicht verraten bei welcher :) .

  • Sehr passend [nur Englisch]: http://www.cio.com/article/597057/10_Deep_Thoughts_of_Telecommuters_Everywhere

    Sorry, habe den Artikel leider erst gesehen nachdem ich meinen Kommentar geschrieben hatte …

  • Hallo,

    passt zwar nicht zum Artikel, aber wie ich sehe bist Du in der Bog-WM weiter, so wie ich. :) Und auch in dieser Runde ist Dein Blog mein Favorit. Ich habe wieder für Dich gevotet. Wenn Dir mein Blog in Duell 9 zuspricht, dann bin ich Dir dankbar wenn Du für mich abstimmst.

    Viel Glück wünscht SocialWebBlog.de / Waldemar

  • Schöner Artikel. Vielen Dank dafür. Ich glaube, das Konzept des Home Offices wird sich immer mehr durchsetzen. Gerade wenn man im Bereich Internet oder Online Marketing arbeitet, ist eine Anwesenheit im Büro nicht von Nöten. Es reicht ein PC, Zugang zum Internet und Emails.

    Leider haben, wie du schon sagst, viele Chefs noch Bedenken, ob die produktivität zu Hause nicht nachlässt. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass man zwar vielleicht neben bei schnell die Wäsche aufhängt, man tendenziell aber eher bereit ist länger zu arbeiten, weil die Anfahrtswege wegfallen. Ich habe mich das ein oder andere Mal dabei gesehen, wie ich ganz locker bis 20Uhr gesessen habe, weil ich gerade in einem Projekt vertieft war. Im Büro schaut man da eher schon 3mal auf die Uhr.

    Ich hoffe, wünsche und glaube, dass sich für die Zukunft das Model des Home Offices durchsetzen wird.

  • Ich hoffe, deine Homeoffice sieht nicht so aus, wie oben auf dem Foto :) Da wär ich quasi nur mit Essen beschäftigt und nicht mir arbeiten unter anderem aus Mangel an Platz.

    Aber ich kann dir recht geben – von daheim arbeiten ist wunderbar, v.a. dann wenn man seine Zeit einteilen kann. Natürlich soll da auch nicht die Qualität der Arbeit drunter leiden. Aber leider ist das eher selten, dass ich daheim arbeite, da die Firma bekanntlich die Präsenz vor Ort erwünscht.

    • Keine Sorge Dani, mein Büro sieht definitiv anders aus. Ich finde, um erfolgreich zu Hause zu arbeiten muss man die Bereiche klar trennen. Daher ist eine Home Office Lösung wie auf dem Foto eher kontraproduktiv.

      Das ist das Problem in deutschen Firmen – es zählt Anwesenheit mehr als Leistung. Was nützt es dem Unternehmen wenn ein Mitarbeiter 8-9 Stunden seine Zeit absitzt und nichts geregelt bekommt? Da ist ein Mitarbeiter der 8 Stunden zu Hause produktiv ist und richtig was bewegt bekommt für ein Unternehmen doch deutlich wertvoller.

      Tim hat hat in seinem Kommentar den Fachausdruck “ROWS” ins Spiel gebracht den ich bis dato noch nicht kannte. Dieser trifft den Nagel auf den Kopf: Result Oriented Work Space. Übersetzt also – egal wo Du arbeitest, hauptsache das Ergebnis passt. So sollte meiner Meinung nach jedes Unternehmen heute denken.

  • Ich komm leider nicht richtig auf eure Seite drauf, woran kann das liegen? Bin jetzt von einem anderen Rechner hier… mit meinem bleibt der Browser einfach stehen?!

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