Elternzeit für Väter – Chance oder Gefahr?

Elternzeit
Lesezeit: ca. 7 Minuten

Sprechen wir heute über Männer und das “Vater werden” so schließt sich oft die Frage nach der Elternzeit des Vaters an. In der Tat ist diese neue Ausgestaltung eine tolle Möglichkeit für den modernen Mann an der Erziehung der Kinder aktiv teilzunehmen und die Frau zu unterstützen. Dennoch ist es noch nicht überall salonfähig “Hausmann” zu sein. Unverständnis aus dem Umfeld und die Sorge um Karrierenachteile halten viele Väter immer noch davon ab Elternzeit einzureichen. In dieser Hinsicht können wir mal wieder viel von unseren schwedischen Nachbarn lernen, wo es unsere “Elternzeit” schon seit den 70er Jahren gibt und mittlerweile knapp 70% der Männer diese nutzen.

Ob Du Elternzeit einreichen willst hängt von vielen Faktoren ab. Die, aus meiner Sicht, vier wichtigsten (Karriere, Partnerschaft, finanzielle Situation & soziales Umfeld) möchte ich in diesem Blogpost etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Auswirkungen auf die Karriere

Laut einer Umfrage von Väter-NRW.de glauben 47% der befragten Männer, dass die Elternzeit negative Auswirkungen auf Ihre Karriere haben könnte. 53% glauben dies nicht, ein ausgeglichenes Verhältnis also. Unklar ist, durch welche Berufsschichten diese Befragung gemacht wurde. Unter Managern ist es größtenteils jedenfalls noch unüblich und unerwünscht Elternzeit zu nehmen. Nichtsdestotrotz ist es eine ermutigende Information, dass keiner der Männer, die bereits ihre Elternzeit genommen haben, über negative Konsequenzen berichten konnte. Die Firmen denken um – auf lange Sicht betrachtet ist ein Mitarbeiter der eine ausgeglichene Work-Life-Balance hat deutlich motivierter und leistungsfähiger als ein Mitarbeiter der das Gefühl hat, aufgrund der Arbeit, seine Familie im Stich zu lassen. Produktive und motivierte Mitarbeiter zu haben und diese an ein Unternehmen zu binden ist gerade in der Krise für Firmen sehr wichtig.

Dies bedeutet nicht, dass jede Art von Elternzeit ohne negative Konsequenzen für die Karriere bleibt. Je länger die Auszeit für die Familie genommen wird, desto schwieriger gestaltet sich der Wiedereintritt ins Berufsleben. Eltern die länger als ein halbes bis ein Jahr in Elternzeit gegangen sind, sahen sich größeren Schwierigkeiten ausgesetzt – unabhängig ob Mann oder Frau. Dies ist wahrscheinlich einer der Gründe warum 73% der Männer nur 2 Monate Elternzeit in Anspruch nehmen.

Elternzeit muss also der Karriere nicht schaden, im Gegenteil sie kann ihr sogar nützen. Die Zeit zu Hause mit den Kindern und die Erfahrungen die man als Mann in dieser Zeit macht, können sich durchaus – zurück im Berufsleben – positiv nutzen lassen. Der Elternalltag erfordert ein hohes Maß an Organisation und Timing. Zudem musst Du oft auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren ohne dabei die Nerven zu verlieren. Sollte Dein Job viel Organisationstalent erfordern oder sehr hektisch und aufreibend sein, so können Dir die neu hinzugewonnenen “Soft-Skills“, wie es im Personalerdeutsch heißt, aus der Elternzeit hilfreich sein.

Auswirkungen auf die Partnerschaft

Der Großteil der Männer nimmt die Elternzeit direkt zum Anfang um die Frau während der ersten Zeit mit dem Kind zu unterstützen. Die zweit beliebteste Variante ist es, die Elternzeit zum Ende der Erziehungszeit der Frau zu legen um Ihr so den Wiedereinstieg in den Job zu erleichtern. Für welche Variante Du Dich auch entscheidest, als Mann wird man in der Zeit zu Hause erleben welchen Herausforderungen und Aufgaben sich die “Hausfrau & Mutter” tagtäglich stellen muss. Diese Erfahrungen sind für viele Männer (fast alle die ich persönlich kenne) so einschneidend, dass Sie Ihre Frau nach der Elternzeit nach Kräften unterstützen und deutlich mehr Aufgaben im häuslichen Bereich übernehmen als vorher. Durch diese neue Verteilung der Aufgaben und Rollen innerhalb der Familie entsteht eine ganz neue Form des Partnerschafgefühls. Die Frau fühlt sich verstanden und unterstützt und dem Mann macht die “Teamarbeit” zu Hause deutlich mehr Spaß als nur die Brötchen zu verdienen.

Auswirkungen auf die finanzielle Situation

Wenn Du Elternzeit in Anspruch nimmst, bekommst Du in dieser Zeit nur 67% Deines Nettoeinkommens. Ein tiefer Einschnitt. Ob Du Dir das leisten möchtest und kannst solltest Du Dir schon genau überlegen. Dennoch rate ich von einer allzu rationellen Betrachtungsweise ab, denn die Zeit mit Deinen Kindern, gerade in den ersten Monaten ihres Lebens, lässt sich schlecht mit Geld aufwiegen.

Damit Du einschätzen kannst was auf Dich zukommt hier eine kleine Beispielrechnung:

Dein Nettoverdienst vor der Elternzeit = 2.000 €
Dein Elterngeldanteil (67% vom netto) = 1.340 €
Rechnen wir jetzt das Elterngeld Deiner Frau hinzu. Deine Frau hatte bisher im Schnitt 1.500 € netto und bekommt daher ein Elterngeld von 1.005 €.
Dadurch, dass Du ebenfalls 2 Monate Elternzeit nimmst, bekommt Ihr somit nicht nur 12 Monate die 1.005 € Deiner Frau sondern 12 Monate x 1.005€ + 2 Monate x 1.340€.
Gesamtelterngeld durch Deine Vätermonate: 14.740 €
Hättest Du die Vätermonate nicht eingereicht, hättet Ihr 12.060 € erhalten.

Sicher, wenn Du weiter arbeiten gegangen wärst, hättet Ihr am Ende mehr Geld eingenommen. Hier liegt es an Euch ob es Euch diese “Investition” wert ist.

Reaktion des Umfeldes

Wie Dein Umfeld auf Deine Ambitionen Elternzeit zu nehmen reagieren wird hängt maßgeblich davon ab, wie viele von Ihnen bereits eigene Kinder haben.

Bist Du der Erste, so rechne nicht mit allzu viel Verständnis und mach Dich bei Eurer nächsten Kneipentour auf ein paar dumme Sprüche gefasst. Die Menschen zu denen wir aufblicken und die wir idiolisieren wechseln eben keine Pampers oder machen die Wäsche. Lass Dich dennoch nicht von Deinem Vorhaben abbringen sondern zieh es durch. Du wirst Dich wundern wie viele der Sprücheklopfer selbst die Elternzeit in Anspruch nehmen werden, wenn es erstmal bei Ihnen soweit ist.

Solltest Du bereits viele Bekannte mit Kindern haben, kannst Du Dir auch nicht automatisch deren Zuspruch gewiss sein. Vielleicht haben sie Ihre Kinder bekommen als die Elternzeit noch nicht in der aktuellen Version existierte. Diese Vertreter können neidisch und mißgünstig reagieren, da Du diese tolle Chance jetzt hast und sie diese nicht hatten. Sprüche á là “… ich habe das damals auch so hin bekommen… “ dürfe aus dieser Ecke kommen.

Wie dem auch sei, konzentriere Dich auf das was Du willst. Es ist Deine Chance mit Deinem Kind eine sehr schöne Zeit zu verbringen und das Vatersein in vollen Zügen zu genießen. Das würde ich mir nicht von anderen zerreden lassen.

Ich persönlich habe keine Elternzeit genommen. Bei mir war es die Unvereinbarkeit mit dem Job und ich bedauere es heute sehr. Als wir unser erstes Kind bekamen, hatte ich keine Vorstellung davon, was mir entgehen würde. Jetzt, da unser zweites auf dem Weg ist, würde ich gerne Elternzeit nehmen was leider immer noch nicht möglich ist. Zum Glück habe ich heute die Möglichkeit von zu Hause zu arbeiten, was mir wenigstens die Gelegenheit gibt meine Arbeit ein wenig einzuteilen und meine Frau gerade in der Anfangsphase zu unterstützen.

Wie ist es bei Dir, hast Du Dich für oder gegen die Elternzeit entschieden? Warum hast Du so entschieden? Wenn Du Elternzeit genommen hast, wie war das so und hast Du später Nachteile im Job gespürt? Ich würde mich freuen, wenn Du Deine Erfahrungen als Kommentar posten würdest.

Foto: Joe Shlabotnik

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6 Kommentare

  • Wir werden uns die Elternzeit aufteilen – ich bin jetzt bis zum 11. Monat zuhause, und dann geht mein Mann für ein halbes Jahr in Elternzeit. Elterngeld wird also nicht für die komplette Zeit gezahlt, aber uns war es das wert. Gründe dafür gibt es viele – für mich ist es einfacher, je früher ich wieder einsteige; mein Mann möchte Zeit mit unserem Sohn; und der Partnerschaft tut bestimmt auch gut, wenn man beide Seiten (“Ernährer” und “Kind versorgen”) kennt. Wir sind sehr gespannt, wie es laufen wird. Sein Arbeitgeber war nicht begeistert, aber rechtlich kann er es ja nicht verhindern. Du schreibst, es wäre mit Deinem Job nicht zu vereinen – was wäre, wenn Du eine Frau wärst und damit bei einem Kind gezwungenermaßen zumindest einige Wochen aussteigen müsstest? Oder wenn Du einen Unfall hättest und zwei Monate krankgeschrieben wärst? Oft denke ich, es mag schwierig sein und auch Nachteile bringen (karrieretechnisch oder finanziell), aber es geht fast immer.

    • Danke für Deinen Kommentar. Ich finde es toll, dass Ihr es so aufteilen könnt. Was mich persönlich anbelangt so bin ich “Quasi-Selbstständiger” und ein Ausstieg wäre nur mit einer zeitweisen Einstellung des Geschäfts möglich. Da es einige Jahre gedauert hat bis man sich einen gewissen Kundenstamm aufgebaut hat, wäre es ein Schritt zurück zu den Anfängen, da die Kunden in der Zwischenzeit zum Wettbewerb abwandern würden. Finanziell wären das so gravierende Einschnitte, die ich meiner Familie nicht zumuten kann und will.

      • Ah, das macht Sinn. Selbständigkeit ist nochmal eine ganz andere Sache. (und ich merke gerade, dass meine Frage etwas.. barsch formuliert war – das war keine Absicht und sollte kein Vorwurf sein.) Ich habe hauptsächlich deshalb gefragt, weil ich oft das Gefühl habe, dass manche Väter genau wie deren Arbeitgeber vorschnell ein “geht nicht” in den Raum werfen, obwohl mit etwas mehr Flexibilität einiges möglich wäre. Und ich glaube, dass sich in diese Hinsicht noch einiges ändern müsste, um die Situation auch für die Mütter zu verbessern. Siehe auch die von dir angesprochene Situation in Schweden. Oder wie siehst Du das?

        • Keine Sorge, ich habe Deine Frage weder als barsch noch vorwurfsvoll aufgefasst. Es ist sicher in vielen Firmen heute so, dass die Vorgesetzten sich mit dem Thema nicht auseinandersetzen wollen und daher pauschal mit “geht nicht” abkanzeln. Dabei ließen sich in vielen Situationen sicher Kompromisse und Lösungen finden. Aber auch die Angestellten sind angesichts der aktuellen Wirtschaftssituation vielleicht nicht mutig genug um beharrlicher zu sein und das Thema weiter voranzutreiben. Ich denke, die Angst um den Arbeitsplatz lässt viele Männer heute schneller “kuschen” oder die Frage gar nicht erst in den Raum stellen – speziell wenn sie auf einmal Alleinverdiener sind und eine Familie ernähren müssen.

  • Wie sieht es aus: Mutter Hausfrau – also null Einkommen. Vater erwerbstätig. Kann Vater 12 Monate Elternzeit nehmen? Bekommt die Familie dann 12x 65% vom Nettolohn des Vaters + 2x 300 Euro als mindestzahlung für die Mutter? Oder hat Vater gar kein Anrecht auf Elternzeit und Elterngeld, da Mutter eh nicht erwerbstätig ist?

    • Vorweg: ich bin kein Experte für Elterngeld, habe mich aber damit ein wenig auseinander gesetzt. Grundsätzlich gilt, dass jeder Elterngeld beantragen kann. Das Elterngeld entspricht 67% des letzten Netto-Gehaltes, min. 300 € max. 1.800 €, und wird 12 Monate gezahlt (14 Monate wenn der Partner ebenfalls 2 Monate die Betreuung übernimmt).

      In Eurem Fall rate ich Dir bei Beratungsstelle zu prüfen ob in Eurem Fall eine Auszahlung über 14 Monate überhaupt machbar ist da beide Partner in dem Fall zu Hause sind (http://www.elterngeld.nrw.de/elterngeld/beratung/index.php).

      Bei der Elterngeldfestlegung für die Frau gilt es zudem zu berücksichtigen seit wann sie Hausfrau ist und nicht arbeitet. Ist sie es seit der Geburt des Kindes oder schon länger? Wenn Sie seit der Geburt des Babies nicht mehr berufstätig ist, gilt das Gehalt vor der Geburt als Berechnungsgrundlage für das Elterngeld – also der Durchschnitt der letzten 12 Monate vor der Geburt.

      Ich hoffe, die Infos helfen Dir.

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    Väter wollen weniger arbeiten heißt es da.

    Auf den ersten Blick nicht gerade ein arbeitgeberfreundlicher Slogan.

    Ich denke Unternehmen tun gut daran Väter nicht nur einzustellen sondern auch zu fördern und auf ihre veränderten Bedürfnisse einzugehen anstatt von ihnen “Business as usual” zu verlangen.

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    Ich weiß nicht wie es Dir geht, doch mich haben diese Kettenmails, mit lustig animiertem Schneefall oder bauchwackelnden Weihnachstmännern ziemlich genervt.

    Ich will nicht nerven.

    Was ich aber wohl will, ist Dir ein tolles Neues Jahr zu wünschen.

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    Welches Familienauto soll es sein, welchen Kinderwagen, wie sollte das Kinderzimmer sein, etc.

    Als kleine Unterstützung, bei all den Kaufentscheidungen, soll Dir dieser Beitrag dienen.

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    Sechs Wochen, nachdem die Frau niedergekommen ist, wird Enthaltsamkeit empfohlen.

    Ja richtig, sechs Wochen.

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Immer gut gelaunt, gut gekleidet, frisch geduscht und herausgeputzt. 



    Sie lachen, rennen mit Ihren Kindern um die Wette und scheinen vor Energie nur so zu strotzen.

    Die nerven.

    Und zwar nerven die Dich und mich, weil wir nicht so sind.

    

Wir kommen morgens nicht und schon gar nicht ausgeschlafen aus dem Bett.

    

Am Kindergarten angekommen sind wir von den ersten Debatten mit den Kleinen schon angenervt und ausserdem unter Termindruck, weil wir jetzt dringend ins Büro müssen.

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